The Midnight Gospel: Review der Pilotepisode

The Midnight Gospel: Review der Pilotepisode

Cartoons waren schon immer beste Stoner-Unterhaltung. Das neue The Midnight Gospel aka Enthüllungen zu Mitternacht wirkt hingegen selbst wie ein Drogentrip. Mehr über die psychedelische Animationsserie erfahrt Ihr in unserem Pilotreview.

The Midnight Gospel (c) Netflix
The Midnight Gospel (c) Netflix
© he Midnight Gospel (c) Netflix

Es ist Montagmorgen, ich klicke für mein Review dienstbeflissen auf den neuen Netflix-Cartoon The Midnight Gospel („Enthüllungen zu Mitternacht“)... und muss nach fünf Minuten feststellen, dass ich viel zu nüchtern bin, für das, was auch immer die Serie von „Adventure Time“-Schöpfer Pendleton Ward und Podcast-Comedian Duncan Trussell („The Duncan Trussell Family Hour“) mit mir vorhat. Wer aufgrund der Dimensionshüpferei aus der Serienbeschreibung etwas Kohärentes wie Rick and Morty vermutet, liegt komplett daneben. Nun gut, nicht ganz, denn The Midnight Gospel könnte eines jener seltsamen Programme aus den interdimensionalen TV-Folgen (angefangen mit Rixty Minutes) der Sci-Fi-Comedy sein, bei denen ebenfalls improvisiertes Voice-Acting mit zügelloser Animation überlegt wurde und es genauso random vor sich geht.

Hier die Prämisse, die zugegebenermaßen nicht halb so wichtig ist wie die psychedelische Animation, von der man sich einfach mitreißen lassen muss: Clancy hat einen Spacecast und einen Multiversumssimulator, mit dem er sich in beliebiger Gestalt in verschiedene Welten transportieren kann, um interessante und gesprächsbereite Leute zu interviewen. In der ersten Episode (Taste of the King) verschlägt es ihn auf die Erde 4-169, auf der gerade eine Zombieapokalypse vonstattengeht. Im Körper eines Strandmucki-Dudes sucht er vor Ort den Präsidenten der Vereinigten Staaten auf, um mit ihm über die Legalisierung von Drogen zu sprechen, während sie Horden von Zombies abwehren und das gesamte Weiße Haus von einem der untoten Monster verschlungen wird.

Netflix
Netflix - © Netflix

Fans von experimenteller Animation werden womöglich an Richard Linklaters Film „Waking Life“ erinnert, in welchem der Protagonist mit verschiedenen Gesprächspartnern philosophische Fragen diskutiert, während die Rotoskopie-Animation seinen Gedanken Ausdruck verleiht. „The Midnight Gospel“ ist eine traditionell animierte Extremversion davon, in der die nüchterne Podcast-Diskussion mit sachlich vorgetragenen Argumentationspunkten beider Seiten mit einer krude animierten Cartoon-Zombieapokalypse als gekonnte Sinnesüberflutung kombiniert wird.

In der zweiten Hälfte haben sich der Präsident und Clancy (typisch Zombiefilm) zu einer Mall freigeballert, in der Wissenschaftler an einem Zombie-Gegenmittel arbeiten und der Actionheld Chuck Charles trotz bester Vorzeichen nur bis zu seiner catchphrase kommt. Das Gespräch ist zu diesem Zeitpunkt zum Thema Meditation und Achtsamkeitsübungen übergegangen. Wichtig ist aber vor allem, dass Clancy jetzt bunte Turnschuhe und einen Katzenrucksack besitzt, in dem der Präsident hockt, die beiden von Zombies auf Skateboards und in Erdbeer-Heißlufballons verfolgt werden, Untote aus Frankreich Baguettes rauchen, es vorher Kakao und Marshmallows aus einer George-Washington-Büste gab und am Ende eine Musiknummer angestimmt wird. Nicht darüber nachdenken, einfach passieren lassen...

Fazit

The Midnight Gospel ist genau so brillant banane, wie der Trailer es versprochen hatte und will alles andere, als eine kohärente Science-Fiction-Geschichte erzählen. Vielmehr geht es darum, die chillig geführte Kiffer-Konversation in Kombination mit der Animation, bei der jede Sekunde zig Dinge gleichzeitig auf dem Bildschirm geschehen, über sich hinwegfegen zu lassen. Das Ganze lebt vom Anarcho-Charme von Underground-Comics und hat offenbar ein ganz bestimmtes Publikum im Sinn, das vermutlich nicht mehr ganz nüchtern vor dem Bildschirm sitzt (wenn es denn die Macher bei der Aufnahme überhaupt waren). Angesiedelt irgendwo zwischen infantiler Überladung und ganz großer Kunst ist es für das, was es sein will und wofür es gemacht wurde, genau das Richtige.

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Netflix-Serie „The Midnight Gospel“:

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