
„A flat of twats“ - so treffend charakterisiert die attraktive Pizzalieferantin die halbstarken Mitglieder der Comedyband The Midnight Beast (TMB). Stefan Abingdon, Dru Wakely und Ashley Horne haben ihre Popularität durch Youtube-Videos erlangt. Ihr größter Erfolg war dabei ein Cover von Keshas „Tik Tok“. Viele Millionen Klicks später haben es die Spaßvögel zu ihrer eigenen TV-Serie gebracht.
Die drei schrägen Gestalten spielen sich selbst und hausen dabei in einer chaotischen WG. Aus Geldmangel kommt es unter dem Dach der Nachwuchskünstler auch schon einmal vor, sich von Fingernägeln und Hundefutterresten zu ernähren. Doch das ist der Preis, den es zu zahlen gilt, wenn man keinen Plattenvertrag hat („Not because we are shit - we are unsigned because corporations suck!“). Of course.
Genauso Nonsens-lastig und antisubtil wie ihre Hits bei der Videocommunity gestaltet sich auch das erste musikalische Intermezzo der Band als Serie:
Es ist erstaunlich, warum ein Song wie „I kicked the shark in the face“ noch nicht früher geschrieben wurde. So tiefgehend ist doch die Bedeutung, die mit dieser Thematik einhergeht: „Humans are winners - 'cause we will have your legs for dinner!“ In dem Lied stecken die Jungs in „Transformer“esken Pappanzügen. Die Kostüme können trotz ihrer bewusst improvisiert wirkenden Machart leider nicht mehr den Eindruck erwecken, als wären sie im Laufe eines verrauchten Abends im Freundeskreis entstanden. Aber immerhin verfügen die Drei nun über Laserstrahler, mit denen sie auf allerlei Getier schießen können. Abgehärtet durch eine Internetfangemeinde, in denen es vor Trolls (Individuen, die die Kommentarfunktion nutzen, um ihrem Unmut Luft zu machen) nur so wimmelt, haben die Jungs auch noch ein pathetisches „I love animals“ in das Lied integriert - allerdings mit dem selbsterklärenden Zusatz: „We put this bit in the song, so the animal-lovers don't come for us.“
Neben dem beibehaltenen Textstil weisen natürlich auch die dekorativen Elemente den TMB-Charme auf. Allerdings wird ersichtlich, dass das Maß an Professionalität durch die Zusammenarbeit mit dem britischen Pay-TV-Sender E4 zugenommen hat. Auf der einen Seite vergrößert sich dadurch der Spielraum der Bühnenbilder - auf der anderen Seite büßen die Performances damit auch einen Teil des Witzes ein, der durch die (eben nicht mehr ganz so) stümperhafte Umsetzung überhaupt erst entsteht.
Die schauspielerischen Fähigkeiten des Trios sollen an dieser Stelle nicht bewertet werden, da Dru, Ash und Stef ja schließlich am besten wissen sollten, wie sie drauf sind.
Die Band hat zwar keine Plattenfirma, aber immerhin einen Manager. Chevron (Ryan Pope) erweist sich zwar als völlig unfähig, wirkt dabei aber immerhin wie eine Mischung aus einem jungen Robert de Niro und Peep Shows Superhans.
Wer sich von der Pilotepisode von The Midnight Beast ein ganzes Feuerwerk an neuen Songs erhofft hat, muss zunächst enttäuscht werden. So wird als Nächstes das neu inszenierte, aber altbekannte „Ninjas“ zum Besten gegeben. Die neue Variante ist weniger erquicklich als das Original und damit so unangenehm wie so manche Nebenfigur: zum Beispiel ein lockiger Nachbar (Simon Farnaby), der sich sein Essen mit einer Schildkröte teilt, die er eventuell als seine Ehefrau betrachtet - das ist nicht so witzig, wie es sich anhört.
Abschließend gibt es noch die Liedneuheit „Begging“, in dem Ash argumentiert, dass seine angebetete Pizzabotin spätestens dann mit ihm schlafen müsse, wenn sie erst einmal die letzten Menschen auf der Welt sein werden: „When the world ends, you're gonna be begging me for sex.“
Fazit
Es gibt bei The Midnight Beast definitiv TMB in all ihrer Pracht zu sehen - auch wenn der professionelle Glanz der Fernsehwelt den Irrsinn der britischen Buben in etwas zu künstliches Licht setzt. Für Freunde der eingängigen Band, deren Sound an frühe Computerspiele erinnert, ist das Reinschnuppern in das neue E4-Produkt definitiv zu empfehlen - alleine schon wegen der zwei neuen Songs.
Trotzdem geht das Konzept der Serie nicht ganz auf. Die Dialoge abseits der musikalischen Passagen sind zwar nicht weniger albern als die Liedtexte, wirken dabei aber eher zusammengeschustert. Die Figuren sind nur oberflächlich konzipiert und können dementsprechend noch nicht wirklich für sich gewinnen.
Im Ganzen gibt es bessere und smartere Comedyformate von der Insel - und TMB kann man sich ja auch weiterhin bei Youtube anschauen.