
Was erwartet man von einer neuen Serie mit Michael J. Fox? Und dann noch von einer, die - notgedrungenerweise - autobiografische Züge enthalten soll? Im Vorfeld stieß die Rückkehr von Fox jedenfalls nicht nur auf positive Stimmen.
Fast immer wurde dabei vor allem seine Parkinson-Erkrankung thematisiert. Natürlich ist das auch in der neuen, „seiner“ Rolle als ebenso erkrankter Mike Henry begründet, mit der er Raum für solche Kritik lässt. Aber leider wurde bei solcher Argumentation sträflich vernachlässigt, was für ein toller Schauspieler Fox eigentlich ist. Man denke nur an seine tollen Gastauftritte in Scrubs, Boston Legal, Rescue Me, The Good Wife und Curb Your Enthusiasm aus den letzten knapp zehn Jahren!
Hier stellen ihm die Macher Will Gluck („Einfach zu haben“) und Sam Laybourne (Cougar Town) nun solch fähige Mitstreiter wie Betsy Brandt (Breaking Bad), Katie Finneran (I Hate My Teenage Daughter) und Wendell Pierce (The Wire, Treme) sowie vielversprechende „Newcomer“ wie Juliette Goglia („Einfach zu haben“), Conor Romero und Jack Gore zur Seite. Gründe gibt es also genug, sich von den Kritiken im Voraus nicht verleiten zu lassen.

Familiencomedy...
Beinahe scheint es so, als würde Fox es als Mike Henry auch genau diesen Kritikern beweisen wollen. So stellt der fürsorgliche Vater dreier Kinder (Goglia, Romero und Gore) gegenüber diesen, seiner Frau Annie (Brandt) und seinem ehemaligen Newsshowproduzenten Harris Green (Pierce) klar, dass er nicht für einen „Mitleidsjob“ zum Fernsehen zurückkehren wird. Ganz freiwillig hörte der leidenschaftliche Journalist fünf Jahre zuvor natürlich nicht auf. Seine Parkinson-Krankheit hatte vor der Kamera zu einer peinlichen Szene geführt, wodurch er seine viel beachtete Seriosität gefährdet sah.
Zwar geht er in seiner danach angenommenen Rolle als Hausmann durchaus auf, seine quirlige, durch Besuche seiner Schwester Leigh (Finneran) erweiterte Familie torpediert seine Familienpläne aber ein ums andere Mal genervt. Dass er diese zum Essen nicht mal mehr um den Tisch versammeln kann, soll ebenso zum Wendepunkt werden wie die Avancen seines ehemaligen Produzenten Harris Green.
Dennoch fruchten dessen Bemühungen im Endeffekt, da Mike seine Arbeit als Anchorman einfach zu sehr vermisst. Wie sich herausstellt, ist es auch genau das, was seiner Familie gefehlt hat. Alle freuen sich, dass Mike wieder aktiv werden möchte und unterstützen ihn dabei. Die Serie geriert sich also als Familiencomedy im besten Sinne. Natürlich war das schon tausendmal dagewesen, aber solch universelle Themen werden zum Glück wohl nie aussterben.

... im Umbruch
Zumindest kann man das behaupten, solange es so frisch dargestellt wird wie in diesem Falle. Und damit meine ich nicht den ebenfalls aufgegriffenen „Mockumentary“-Stil der Single-Kamera-Comedy. „Frisch“ bezieht sich hier vor allem auf die netten kleinen Scherze, die sich homogen in die Handlung einführen und nicht aufgezwungen erscheinen. So hätten viele andere Comedys das extrem schnulzige Element der ersten Videopräsentation von Tochter Eve (Goglia) in der Schule gefeiert und mitgenommen (von den credits mal abgesehen).
Schnulzig wird The Michael J. Fox Show zwar auch am Ende, als sich dann doch alle am Tisch versammeln, aber sie bewegt sich dabei stets locker im Rahmen der Erträglichkeit. Und wenn Eve dann mit brüchiger Stimme erklärt, dass sie einfach einen tollen Vater hatte, bis der von dieser heimtückischen Krankheit heimgesucht wurde, dann erscheint das vor allem nachvollziehbar.
Unterhaltungswert erreicht die Serie auch durch die Szenen von Mike bei der Arbeit. So vermutet er, dass NBC seine Rückkehr mit schrecklichen Slow-Motionen-Einspielern, unterlegt mit optimistisch stimmender Musik, ausschlachten wird. Und natürlich kommt es genauso und noch schlimmer: Wer hätte noch an Enrique Iglesias' Schmachtfetzen „Hero“ gedacht? Dennoch hat Mike nichts von seiner Form als Journalist eingebüßt und schnappt sich seine Juniorproduzentin Kay Costa (Ana Nogueira), um zu seinem ersten Einsatz vor Ort zu reisen. Dass diese dermaßen überemotional und euphorisch wegen der Zusammenarbeit reagiert und dazu auch noch „autokrank“ ist, konnte Mike ja nicht wissen. Schön ist das trotzdem - für die Zuschauer, die das eine oder andere Schmunzeln nicht unterdrücken können.

Fazit
Natürlich ist das hier, wie der Name der Serie schon sagt, bisher sehr auf Michael J. Fox zugeschnitten. Diese autobiografischen Züge sind jedoch bewusst gewählt und nicht zu prominent in Szene gesetzt. Die Serie stellt die Krankheit dar, aber sie überdramatisiert sie nicht, sondern macht sie lediglich zu einem Begleiter. Durch diese „Rolle“ kann sie zu im Hintergrund verlaufenden guten Scherzen beitragen (der jüngste Sohn, Graham (Gore), öffnet ein vakuumverpacktes Glas für seinen Vater) oder kurz „aus Versehen“ die Handlung beeinflussen (Mike wählt 911 statt 917 - mit spaßigen Folgen). Der Alltag der Familie kann jedoch normal verlaufen.
Fox mimt sich als Mike Henry eben nicht nur selbst und stiehlt jedem anderen die Show. Er lässt im Gegenteil dazu Raum für die Vorstellung der anderen Charaktere und die Darstellung der Arbeits- und der privaten Familie als jeweilige Einheit. Genau aus diesem Grund funktioniert die Serie und macht klar, dass es nicht nur der zitierte „Mitleidsjob“ für Fox ist. So erscheinen die Wiederaufnahme seiner Arbeit in der Serie und die Serie an sich als Herzensangelegenheit.
Dazu tragen neben Fox der wirklich in allen Rollen gut besetzte Cast bei. Brandt als liebevolle Ehefrau und Pierce als sprücheklopfender, aber herzlicher Produzent gelingt der Umstieg vom Drama zur Comedy spielerisch. Außerdem geben die Kinder - auch der bisher unerwähnte, ins Haus der Eltern nach abgebrochenem Studium zurückgekehrte, clevere Ian (Romero) - tolle Geschwister ab und Finnerans sowie Nogueiras Figuren sind passend überzeichnet.
Nach all den verhaltenen Vorberichten kann eine Serie mit Michael J. Fox, einem tollen Cast und einem guten Start also nur gut für die Zuschauer sein. Und diese dürfen auch zu Recht einiges von ihr erwarten.