The Marvelous Mrs. Maisel 3x08

The Marvelous Mrs. Maisel 3x08

Wie üblich vor Weihnachten versprüht Amazon Prime Video positive Vibes mit der dritten Season der Wohlfühlserie The Marvelous Mrs. Maisel. Midge muss nun nicht mehr in verklebten Kneipen auftreten, sondern tourt weltweit...

Szenenbild von The Marvelous Mrs. Maisel: Midge (Rachel Brosnahan) genießt den Erfolg. (c) Amazon Prime Video
Szenenbild von The Marvelous Mrs. Maisel: Midge (Rachel Brosnahan) genießt den Erfolg. (c) Amazon Prime Video
© zenenbild von The Marvelous Mrs. Maisel: Midge (Rachel Brosnahan) genießt den Erfolg. (c) Amazon Prime Video

Staffelkritiken haben manchmal den Nachteil, dass man per Definition über die gesamte Staffel schreiben muss, obwohl eigentlich nur eine Szene im Speziellen hängenblieb (dazu später mehr). Im Fall der dritten Staffel von The Marvelous Mrs. Maisel kommt erschwerend hinzu, dass ich die preisgekrönte Wohlfühlserie von Amazon Prime Video vor genau einem Jahr noch in den Himmel lobte (hier der Beweis). Und obwohl sie sich nicht grundlegend verändert hat, ist das nun leider nicht mehr möglich.

Sehr gute Serien - besonders die, die viele Auszeichnungen abräumen - kommen früher oder später an den Punkt, an dem sie so gut darin werden, worin sie gut sind, dass sie fast schon wieder unsympathisch wirken. Wer applaudiert schon gerne einem Selbstläufer? Außerdem lässt selbst das bewährteste Erfolgsrezept bei fehlender Abwechslung irgendwann das gewisse Etwas vermissen. Zu den Grundregeln der menschlichen Psyche gehört nicht nur der unstillbare Durst nach immer mehr, sondern auch die unvermeidliche Übersättigung, selbst bei den besten Dingen.

Ich schiebe all das vorweg, weil ich mir selbst noch gar nicht sicher bin, warum mir The Marvelous Mrs. Maisel dieses Jahr weniger gut gefallen hat als in den Staffeln davor. Gut möglich, dass sich einfach mein Geschmack gewandelt hat - oder eben doch die Serie, wenn auch auf subtile Weise. Worauf ich auf jeden Fall den Finger legen kann, ist das Problem, dass die Hauptdarstellerin Rachel Brosnahan nicht nur eine, sondern zwei Figuren spielt. Zum einen ist da Midge privat und zum anderen die fabelhafte Mrs. Maisel.

Warum ist das ein Problem? Ganz einfach: Während die Bühnenpersona smart und lustig, modern und selbstbewusst sowie frei und sexy ist, ist der Mensch hinter der Maske eher fad und verwöhnt, egoistisch und ungeschickt. Besonders in Gegenwart ihrer Eltern könnte die Protagonistin ihrem Alter Ego kaum weniger gerecht werden, was wohl auch der Grund ist, dass diese beiden Welten in der Serie einfach nicht zusammenkommen. Mit bedrückender Gewissheit spürt man allmählich, dass Abe (Tony Shalhoub) und Rose (Marin Hinkle) ihre Tochter nie so akzeptieren werden, wie sie eigentlich sein will.

Miami After Dark

All das Gute und das Schlechte kommt mehr denn je in der diesjährigen Highlightepisode It's Comedy or Cabbage (3x5) zusammen. Midges Eltern, die aus plottechnischen Gründen plötzlich arm und obdachlos sind, reisen nach Miami, wo Mrs. Maisel derzeit im Vorprogramm von Shy Baldwin (Leroy McClain) auftritt. Nur ganz kurz: Die gesamte Tour und insbesondere Midges Freundschaft mit dem Sänger sind beides fantastische neue Elemente dieser Staffel - und ich kann es kaum erwarten, bis Amazon das Album des fiktiven Musikers veröffentlicht. Trotzdem geht es mir eigentlich um etwas anderes beziehungsweise um jemand anderes...

Szenenbild von The Marvelous Mrs. Maisel: Shy (Leroy McClain) singt für die Truppen.
Szenenbild von The Marvelous Mrs. Maisel: Shy (Leroy McClain) singt für die Truppen. - © Amazon Prime Video

Die Rede ist natürlich von Lenny F***ing Bruce, weiterhin überragend besetzt mit meinem Lieblingsgaststar Luke Kirby (The Deuce). Er befindet sich in der besagten Folge ebenfalls in Florida und lädt Midge nach ihrer Show auf etwas ein, das überraschenderweise ein Date zu sein scheint. Da ihre Eltern ihr Hotelzimmer okkupiert halten, hat sie eh nichts Besseres zu tun und begünstigt so die Schlüsselszene dieser Season. Obwohl es eigentlich kein losgelöster Einzelmoment ist, sondern eher die generelle Chemie der zwei Komikerkollegen sowie der Flow, der daraus entsteht.

Was ihren jeweiligen Charme und ihre humoristische Schlagfertigkeit angeht, erreichen beide in der Anwesenheit des anderen ihr absolutes Maximum. Für alle deutlich wird das spätestens, als sie in einer Late-Night-Sendung improvisiert ein Liebespärchen spielen, das sich zugleich als Bruder-Schwester-Duo ausgibt. Klingt zunächst mal etwas komisch, aber genau darin liegt ja der Sinn der Sache. Kurzum: Wenn Midge auf Lenny trifft, sprühen die Funken. Dass am Schluss daraus nicht mehr wird, hat natürlich auch historische Gründe, da es sich bei Lenny um eine reale Persönlichkeit handelt, deren Lebensgeschichte eben nicht mit der großen Liebe endete. Seine perfekten letzten Worte: „Hey, maybe someday... Before I'm dead!

It's the Sixties, Man!

Es ist immer tragisch, wenn ein Mensch den Gipfel seines Daseins zu früh erreicht. Und genau dasselbe gilt auch für die dritte Staffel von The Marvelous Mrs. Maisel, die hiernach eigentlich hätte enden können. Zumal alle drei großen Nebenhandlungsstränge dieser Season - sprich Susie (Alex Borstein) und das Theaterstück ihrer neuen Klientin Sophie Lennon (Jane Lynch), Abe und seine Kommunistenclique sowie Joel (Michael Zegen) und seine Bar in Chinatown - ziemlich oberflächlich blieben.

Man könnte sogar sagen, dass das Showrunner-Ehepaar Amy Sherman-Palladino und Daniel Palladino - die Namen der beiden müssen natürlich auch mal fallen - absichtlich Vorurteile reproduziert. Sei es das Vorurteil schwieriger und sexbesessener Schauspielerinnen, einfältiger und hypokritischer Weltverbesserer oder mysteriöser und geldgieriger Asiaten. Dafür, dass sich die Serie mit den Sechzigern eine der politisch und gesellschaftlich interessantesten Dekaden überhaupt als Setting ausgesucht hat, ist sie dieses Jahr recht faul, was kritische oder kluge Gedanken angeht.

Zwar trat The Marvelous Mrs. Maisel nie mit dem Anspruch an, den Finger in die Wunden der amerikanischen Geschichte zu legen - nicht mal Mad Men tat das wirklich -, doch, da es mit Shy diesmal eine Figur gab, die gleich zwei sensible Themen ins Spiel brachte, nämlich Sexualität und Rassismus, wirkte die Wohlfühlserie irgendwie feiger als zuvor. Selbst die jüdische Kultur, die ja im Zentrum des Ganzen steht, wird inzwischen nur noch auf dem Niveau thematisiert, wie Mrs. Maisel es letztlich auf der Bühne täte und insgesamt auch tut. Gut ist die Amazon-Comedy also durchaus noch immer, aber eben nicht mehr großartig.

Hier abschließend noch der Trailer zur bereits 3. Staffel von The Marvelous Mrs. Maisel:

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Verfasser: Bjarne Bock am Donnerstag, 12. Dezember 2019
Episode
Staffel 3, Episode 8
(The Marvelous Mrs. Maisel 3x08)
Deutscher Titel der Episode
Judy Garlands Schuhe
Titel der Episode im Original
A Jewish Girl Walks Into the Apollo…
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 6. Dezember 2019 (Amazon Prime Video)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 6. Dezember 2019
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 6. Dezember 2019
Autor
Amy Sherman-Palladino
Regisseur
Amy Sherman

Schauspieler in der Episode The Marvelous Mrs. Maisel 3x08

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