The Marvelous Mrs. Maisel 2x01

The Marvelous Mrs. Maisel 2x01

Die Amazon-Serie The Marvelous Mrs. Maisel gewann dieses Jahr so gut wie jeden Fernsehpreis und ließ sich selbst nur wenig Luft nach oben. Dennoch fühlt sich Staffel zwei sogar noch einmal wie eine Steigerung an.

Rachel Brosnahan ist in der neuen Staffel von „The Marvelous Mrs. Maisel“ lustiger und bezaubernder denn je. (c) Amazon Prime Video
Rachel Brosnahan ist in der neuen Staffel von „The Marvelous Mrs. Maisel“ lustiger und bezaubernder denn je. (c) Amazon Prime Video
© achel Brosnahan ist in der neuen Staffel von „The Marvelous Mrs. Maisel“ lustiger und bezaubernder denn je. (c) Amazon Prime Video

Acht Emmys - darunter einer für die beste Comedyserie und jeweils einer für Rachel Brosnahan und Alex Borstein als beste Haupt- beziehungsweise Nebendarstellerin -, zwei Golden Globes, zwei Critics' Choice Awards und sogar der ehrwürdige Peabody-Preis stehen auf dem Konto von The Marvelous Mrs. Maisel. Man kann es gar nicht anders sagen: Das bunte period piece von Amazon Prime Video hat ganz Hollywood in den Bann gezogen - und somit auch den Rest der Welt.

The Marvelous Mrs. Maisel: Rachel Brosnahan und Co im Interview

Normalerweise kann es nach einem derart fulminanten Auftaktjahr nur noch abwärts gehen, doch die am heutigen Mittwoch, den 5. Dezember 2018 veröffentlichte zweite Staffel beweist genau das Gegenteil: Das Serienmacherpärchen Dan und Amy Sherman-Palladino, die einst schon die Gilmore Girls schufen, können bei The Marvelous Mrs. Maisel sogar noch eine Schippe drauflegen - sei es mit Blick auf die Schauwerte, den Humor oder die allgemeine Liebenswürdigkeit.

Damit trotzen die Produzenten und ihr sympathischer Cast - dem neben Brosnahan und Borstein zusätzlich Michael Zegen, Marin Hinkle genauso wie der wunderbare Tony Shalhoub und seit jüngstem auch der Chuck-Star Zachary Levi angehören - dem bedauerlichen Trend bei Amazon Prime Video, alle Serien wegzurationalisieren, die nicht in derselben Liga spielen wie das Milliardenprojekt „Der Herr der Ringe“. Perlen wie Red Oaks und Mozart in the Jungle fielen dieser Megalomanie bereits zum Opfer, doch sie beide leben weiter in The Marvelous Mrs. Maisel.

La Vie En Rose?

Es dauert wirklich nur wenige Sekunden, bis uns die Serie erneut fest um den Finger gewickelt hat. Mit einer fantastischen Plansequenz knüpfen wir an unsere Heldin Midge (Brosnahan) an, die im New Yorker Luxuskaufhaus B. Altman inzwischen wieder zu den Telefonistinnen in den Keller verbannt wurde. Doch dies ist ohnehin ja nur ihr Tagesjob, denn ihre eigentliche Leidenschaft ist die Stand-up-Komik. Nach ihrem Sensationsauftritt mit der realen Comedylegende Lenny Bruce (Luke Kirby) steht sie nun kurz vorm großen Durchbruch, während ihr Privatleben problematischer denn je ist...

Susie (Alex Borstein) holt The Marvelous Mrs. Maisel (Rachel Brosnahan) stets zurück auf den Boden.
Susie (Alex Borstein) holt The Marvelous Mrs. Maisel (Rachel Brosnahan) stets zurück auf den Boden. - © Amazon Prime Video

Ihr Exmann Joel (Zegen) kann seine Eifersucht über Midges Erfolg nicht verbergen, wodurch die Rettung der Beziehung - zum Glück - unmöglich scheint. Ihre Eltern Rose (Hinkle) und Abe (Shalhoub) machen derweil eine ganz andere Krise durch, die am Ende oder eigentlich ganz am Anfang dieser Staffel dafür sorgt, dass Midges Mutter nach Paris durchbrennt. Natürlich dauert es nicht lange, bis Vater und Tochter hinterherreisen, um Familie Weissman wiederzuvereinigen. Überraschend findet der neurotische Matheprofessor bald sogar Gefallen am lockeren joie de vivre der französischen Hauptstadt.

Ein wahres Vergnügen, das alte Ehepaar so glücklich die Seine entlang tanzen zu sehen, zumal Shalhoub mit seinem Barett eine echt gute Figur macht - fast so gut wie später im Ganzkörperbadeanzug am Catskill-Badesee. Genau wie New York verzaubert auch Paris im eleganten Look der Fünfziger, obwohl der Ausflug letztendlich nur von kurzer Dauer ist. Ohnehin muss man sich hin und wieder fragen, wie oft Midge, Joel, Rose und Abe ihre Kinder beziehungsweise Enkelkinder zu Hause vernachlässigen wollen. Aber das mag vielleicht einfach so ein Ding der damaligen Zeit gewesen sein, denn in Mad Men - eine Serie, an die The Marvelous Mrs. Maisel auch viele schöne Erinnerungen weckt - war es ja ähnlich.

Brust raus!

Zwar versucht sich Midge auch in Frankreich auf der Bühne, doch in Wahrheit gehört ihre Kunst natürlich nach Amerika. Ihre Agentin Susie (Borstein) besorgt ihr fleißig einen Auftritt nach dem nächsten und bringt sie sogar in die Zeitung. Doch der Star selbst will es eigentlich lieber langsam angehen lassen, da ihre eigenen Eltern ja noch nichts wissen von ihrem Nebenerwerb. Ohnehin scheint Midge nicht mehr ganz so motiviert zu sein wie früher. Denn gerade, als es ausnahmsweise richtig läuft, nimmt sie sich unversehens eine zweimonatige Auszeit, um mit ihren Eltern in ein Feriencamp für Erwachsene zu reisen. „Dirty Dancing“ lässt grüßen - und das eingangs erwähnte Red Oaks eben auch...

Kein Wunder also, dass Susie wütend ist auf ihre einzige Klientin. Im Gegensatz zu Midge wurde sie nämlich nicht mit dem goldenen Löffel im Mund geboren und wird aufgrund ihrer angesammelten Geldschulden gelegentlich sogar schon von der Mafia gejagt. Doch wenigstens eine goldene Zunge wurde ihr geschenkt, so dass sie ihre Peiniger rasch auf ihre Seite ziehen kann. An Midge beißt sie sich derweil die Zähne aus und reist schließlich sogar selbst in die Catskills, um vor Ort Gigs zu organisieren. Und natürlich kommt es, wie es kommen muss: Bei einer der Shows sitzt ausgerechnet Abe im Publikum, der nun weiß, dass seine Tochter ihn und seine Macken zur Erheiterung wildfremder Menschen nutzt...

The Marvelous Mrs. Maisel (Rachel Brosnahan) verliebt sich in den charmanten Benjamin (Zachary Levi).
The Marvelous Mrs. Maisel (Rachel Brosnahan) verliebt sich in den charmanten Benjamin (Zachary Levi). - © Amazon Prime Video

So charmant die Hauptfigur auch sein mag - größtenteils wahrscheinlich dank ihrer Darstellerin Rachel Brosnahan -, es fällt manchmal wirklich schwer, Empathie mit ihr zu empfinden. Wie gesagt: Besonders im Gegensatz zu Susie hatte sie bis dato ein äußerst leichtes Leben, also abgesehen von der Affäre ihres Gatten vielleicht. Aber das gehört sozusagen zum Deal bei The Marvelous Mrs. Maisel, denn Sherman-Palladino serviert uns hier die kleinen Problemchen der reichen Oberschicht, da alles andere für eine eskapistische Unterhaltungsserie auch viel zu düster wäre. Aber wenn wir dabei so tolle Bilder wie den Tomatensaft trinkenden Tony Shalhoub zu sehen kriegen, klingt das durchaus fair.

Come here, lover boy.

Besonders hoch anrechnen muss man der Serie, dass sie in ihrer zweiten Staffel endlich die Abspaltung von Joel wagt, dem mit Abstand langweiligsten Charakter im Ensemble. Als neuer love interest kommt nun der attraktive Arzt Benjamin (Levi) ins Spiel, mit dem Midge anfangs nur ihrer Mutter zuliebe ausgeht. Von Liebe auf den ersten Blick lässt sich bei den beiden wahrlich nicht sprechen, was das Ganze aber umso sympathischer macht. Benjamin wirkt zunächst überraschend abweisend und will sich offenbar erobern lassen. Und das gelingt bei ihm am besten mit Humor...

Eine der großen Stärken von The Marvelous Mrs. Maisel liegt darin, dass die Witze - und besonders auch solche, die Midge auf der Bühne erzählt - tatsächlich lustig sind. Louis C. K., dem dasselbe auch im FX-Format Louie gelang, erklärte diesbezüglich einst, dass Stand-up-Gags in Serien häufig schlechter seien, da die Autoren die wirklich guten Pointen lieber für sich behalten würden, um sie später vielleicht in eigene Programme einzubauen. Dieser Egoismus herrscht hier zum Glück nicht vor. Eher scheint das Team dieses Jahr wegen des Erfolgs sogar noch etwas härter gearbeitet zu haben.

Man merkt zweifelsohne, dass die Beteiligten bei The Marvelous Mrs. Maisel - zu Recht - unheimlich stolz auf ihre Arbeit sind und daher alles geben. Egal, ob beim detailreichen Setdesign, den lebendigen Performances oder beim Drehbuch. Bei so viel Fleiß kann man sich nicht einmal über die offenkundige Überlänge der Einzelepisoden beklagen, denn, wenn es Spaß macht, darf eine Comedy gern auch sechzig Minuten pro Folge haben. Auf alle Fälle bleibt die Eigenproduktion von Amazon eine der sehenswertesten, die es zurzeit gibt. Steven Spielberg bezeichnete sie gar als bestes jüdisches Musical seit „Anatevka“ - und das, obwohl Midge und Co überhaupt nicht singen. Dennoch trifft die Aussage den Nagel auf den Kopf.

Wie üblich stehen die neuen Episoden von „The Marvelous Mrs. Maisel" zunächst nur auf Englisch zur Verfügung. Die deutsche Synchro startet vermutlich wieder im Frühjahr. Untertitel werden bei Amazon aber selbstverständlich angeboten.

Der offizielle Trailer zur 2. Staffel von „The Marvelous Mrs. Maisel":

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Verfasser: Bjarne Bock am Mittwoch, 5. Dezember 2018

The Marvelous Mrs. Maisel 2x01 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 1
(The Marvelous Mrs. Maisel 2x01)
Titel der Episode im Original
Simone
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 5. Dezember 2018 (Amazon Prime Video)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 15. Februar 2019
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 15. Februar 2019
Autor
Amy Sherman-Palladino
Regisseur
Amy Sherman

Schauspieler in der Episode The Marvelous Mrs. Maisel 2x01

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