The Mandalorian 2x01

© zenenfoto aus Kapitel 9 der Serie The Mandalorian (c) Disney+
Was passiert?
Der Mandalorianer befindet sich auf der Suche nach seinesgleichen, gerät auf Tatooine aber direkt an einen Schwindler und wird in den Kampf gegen ein schier übermächtiges Wesen gezogen, der seine ganze Kampfeskraft wie auch diplomatisches Geschick erfordert.
Über Leichen
Die Handlung der zweiten The Mandalorian-Staffel führt uns direkt in eine neue Krise, als Mando (Pedro Pacal) und das Baby bei einem Kampf nach Informationen suchen, jedoch in eine Falle geraten und sich den Weg freikämpfen müssen. Wobei natürlich Mando kämpft und das Baby in Deckung geht.
Dabei beweist unser Held nicht nur erneut die ihm so eigene Kompromisslosigkeit, als er den Anführer wilden Bestien als Abendspeise überlässt, er gewinnt auch unsere Herzen mit dem Satz: „Wo er hingeht, gehe ich auch hin.“ Gemeint ist natürlich sein kleiner grüner Freund, der die ganze Episode über mit herzzerreißenden Blicken und Lauten um sich wirft.
Doch immerhin hat Mando nun alles was er braucht: Eine neue Spur, die ihn zurück nach Tatooine, und somit ein weiteres Mal an einen der ikonischsten Orte der Saga führt.
Von Diplomaten und Schießwütigen

Dort angekommen feiern wir zunächst ein erfreuliches Wiedersehen mit der Mechanikerin Peli Motto (Amy Sedaris) und ihrer lustigen Droidenschar, die diesmal sogar Hand an die Crest anlegen darf. Gut, dass die Macher sympathische und funktionierende Figuren immer wieder unterbringen.
Seine Reise führt Mando jedoch schnell weiter gen Norden, nicht nach Mos Eisley oder Mos Espa, sondern in die mysteriöse und vergessene Bergbausiedlung Mos Pelgo. Dort findet er jedoch keinen Mandalorianer, sondern nur einen Hochstapler. Genauer gesagt ist Cobb Vanth ein Ex-Sklave, der den Jawas durch eine glückliche Fügung eine Rüstung der Mandalorianer abjagen konnte, über die noch zu reden sein wird. Seitdem sorgt er als Marshal in dem kleinen Städtchen, das auch jedem Spaghetti-Western gut zu Gesicht stehen würde, für Recht und Ordnung.
Erneut erstaunt und fasziniert uns Din Djarin an dieser Stelle mit den komplexen und doch auch unflexiblen Sichtweisen und Bräuchen seiner Art: Cobb Vanth darf die Rüstung in seinen Augen nicht behalten. Dafür würde Mando sein Gegenüber sogar töten, wenn da nicht ein riesiger Wurm just den kleinen Ort durchpflügen würde, der uns an „Dune“ und „Im Land der Raketenwürmer“ erinnert. Dass dieser auch noch im Vorbeipflügen ein Bantha frisst, unterstreicht mal wieder den beliebten Spruch: „Es gibt immer ein größeres Tier.“
Dieser Krayt-Drache (den man in „Star Wars“ bisher nur als Skelett kannte) terrorisiert die Einwohner schon lange, was unser unfreiwilliges Duo auf eine gemeinsame Mission führt, die den Streit vorübergehend beilegt: Es gilt nun erst einmal, das Monster zu erlegen.
Die Macher gehen an dieser Stelle ein weiteres Mal nach dem bereits bekannten Schema vor, mit einer vagen Richtung zu starten (Mando sucht Verbündete aus den eigenen Reihen), diese dann aber zugunsten einer actionreichen Mission zu unterbrechen und eine Fortführung auf die nächste Episode zu verschieben. Wer sich daran nicht stört, erhält eine klassische Monsterjagd, die insbesondere davon profitiert, dass einerseits Cobb-Darsteller Timothy Olyphant mit Charme, Witz und Ausstrahlung punktet, andererseits ein spannendes Bündnis mit den Tusken nötig ist, das für Trubel sorgt.
Zwischendurch ist sogar noch Zeit, Cobb in Rückblenden anständig einzuführen, indem wir zumindest seine jüngere Geschichte als Nachklapp der Zerstörung des zweiten Todessterns erleben. Somit setzt sich die Serie auch kurz mit Auswirkungen der Filmsaga auseinander. Die Message kann man aus einem Satz von Cobb und einer Lebensweisheit unserer Zeit zusammenfassen: „Macht lässt kein Vakuum zu, doch Kleider machen Leute.“ Der Ex-Sklave wurde zunächst vertrieben, als Mos Pelgo übernommen wurde, kam dann jedoch in glänzender Rüstung zurück und wurde Marshal. Eine eigene kleine Heldengeschichte in düsteren Zeiten, abseits der uns bekannten großen Helden der Reihe.
Ahab & Konsorten
Den Hauptteil der diesmal erstaunlich langen Episode nimmt dann die gemeinsame Jagd ein, bei der es den Machern primär um visuellen Bombast und clevere Tricks ging. Nebenbei gelingt es allerdings auch noch, Din Djarin als zurückhaltenden und gewieften Mediator zu etablieren, der verfeindete Gruppen an einen Tisch bringt und für einen neuen Frieden sorgt.
Als alles später aussichtslos scheint, ist er es dann erneut, als er nicht nur zum Retter der Unterdrückten wird, sondern auch als einziger genug Mut, Kreativität und eine große Schippe Irrsinn aufbietet und somit dem Monster waghalsig die Stirn bietet. Dass er danach noch friedlich mit Cobb auseinandergeht, nicht ohne aber natürlich die Rüstung an sich zu nehmen, zeigt sein Wertesystem. Man hatte sich geeinigt und ein Wort zählt. Übrigens: Timothy Olyphant ist herzlich für eine Rückkehr willkommen!
Bevor Mando und das Baby ihre Reise fortsetzen, gilt es aber für uns noch, den großen Cliffhanger zu schlucken, den man entweder versteht oder eben nicht. Schaut man sich an, wer die Rolle des Fremden mitten in der Wüste spielt, denkt man dazu noch an etwas, das bereits in der Episode vorkam und lässt man überdies ein paar Überlegungen an die Geschichte der Kinofilme zu, wird die Sache jedoch klarer.
Beobachtungen

Die Rüstung an Cobb Vanth kommt beinharten Fans ohnehin direkt bekannt vor: Es handelt sich um die des Boba Fett, der vermeintlich in der Grube von Carkoon von einem Sarlacc verschlungen wurde. Das scheint nun aber in Frage zu stehen. Oder hatten die Jawas vielleicht nur in Sarlacc-Exkrementen gebuddelt?
Mitnichten: Am Ende der Episode ist der berüchtigte Kopfgeldjäger dann nämlich auch noch in Fleisch und Blut, gespielt von Jango-Fett-Darsteller Temuera Morrison aus Episode II und Episode III, und sogar ohne Maske zu sehen. Kunststück, die hat ja jetzt unser Mando. Da er nun auf der Bildfläche aufgetaucht ist, dürfte bald jemand Besitzansprüche an die Reste der alten Rüstung anmelden. Schließlich gehört Mando zu seinesgleichen! Din Djarin sollte sich vielleicht schon mal vorsorglich anschnallen. Wer den Sarlacc überlebt, hat sicher einiges zu bieten...
Technisch betrachtet
All das sieht erneut spektakulär aus und profitiert sowohl von den Location-Drehs als auch der grandiosen Arbeit im 360-Grad-Studio. Die Liebe zu den Details bei Masken, Kulissen, Props und außerirdischen Kreaturen sowie die gelungenen CGI-Effekte bleiben ein dickes Pfund der Serie.
Getoppt wird all das jedoch ein weiteres Mal durch den aktuell vermutlich besten Score der Serienlandschaft. Der Schwede Ludwig Göransson feuert aus allen Rohren, kann ruhig und dezent wie auch bollerig und laut und gibt uns in jedem Moment das Gefühl, an einer lebendigen, atmenden Welt teilzuhaben, die jederzeit durch seine Musik eine ganz eigene Identität erhält. Mehr kann man als Komponist einer Produktion nicht seinen Stempel aufdrücken. Grandios!
Kurz ausgedrückt: Wer The Mandalorian nicht wegen der Inhalte konsumieren mag, sollte es aber in jedem Fall für den gebotenen Augen- und Ohrenschmaus tun. Dass die Regie von Jon Favreau sein diesmal eher übersichtliches Drehbuch schlägt, kennen wir inzwischen schon. Wenn alles so spannend und unterhaltsam wie hier aufbereitet wird, kann man aber auch damit gut leben.
Fazit
Die erste neue The Mandalorian-Episode Kapitel 9 nimmt uns direkt wieder mit auf die steinige Reise des Mandos und seines Schützlings und bleibt bei der bereits bekannten Formel, dass jede neue Mission zu einem Umweg führt, der für den Rest der Episode aus dem Weg geräumt werden muss.
Ob man das als Verschleppung des Tempos ansehen oder lieber das behutsame Storytelling und Worldbuilding, sowie den Humor und die ganzen easter eggs feiern mag, liegt sicher weiterhin im Auge des Betrachters. Freunde von mitreißender SF mit Fantasyanleihen kommen aber auch im zweiten Jahr wohl nicht an der Serie vorbei.
Hier abschließend der Special-Look-Trailer zur zweiten Season:
Verfasser: Björn Sülter am Freitag, 30. Oktober 2020The Mandalorian 2x01 Trailer
(The Mandalorian 2x01)
Schauspieler in der Episode The Mandalorian 2x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?