The Madness: Review zur ersten Folge der neuen Netflix-Serie

© Netflix
Das passiert in der Thrillerminiserie „The Madness“
Der Fernsehjournalist und Moderator Muncie Daniels (Colman Domingo, Fear the Walking Dead) gerät in der Pilotfolge Episode 1 der Netflix-Miniserie The Madness während eines Kurzurlaubs in einer Waldhütte in große Schwierigkeiten, als er seinen Nachbarn in dessen Sauna ermordet und zersägt vorfindet. Die Polizei hat allen Grund, seiner merkwürdigen Geschichte von zwei Männern nicht zu glauben, die ihn in den Wald verfolgten und nun spurlos verschwunden sind.
Stattdessen tauchen plötzlich immer mehr Indizien auf, die darauf hinweisen, dass Daniels der Täter ist. Als er auf sich gestellt Ermittlungen aufnimmt, findet er bald heraus, dass das Opfer der Anführer einer mächtigen Rassistenorganisation war und nun seine Kumpane hinter ihm sehr sind. Aber auch die wahren Killer sind ihm auf den Fersen und bedrohen sogar seine Familie. Egal, wo Daniels sich von nun an versteckt, seine Häscher finden ihn viel zu schnell. Doch warum? Und in was genau ist er da hineingeraten?
Ein starker Beginn
Spannend. Das war mein erster Gedanke, nachdem ich mir die ersten 50 Minuten von „The Madness“ angeschaut hatte. Die erste Folge, die Serienerfinder Stephen Belber da mit seinem siebenköpfigen Autoren-Team zusammenschusterte, hat dieses Lob allerdings auch redlich verdient.
Die Geschichte beginnt noch recht typisch mit der Vorstellung der Hauptfigur. Wir erfahren, was Daniels beruflich macht, dass er einst ein Aktivist für Gleichberechtigung war und sich nun auf das Schreiben von Essays beschränkt, getrennt lebt, Kampfsport macht und finanziell gut aufgestellt ist. Das ist eine ganze Menge Input für die ersten Minuten, ist jedoch notwendig, um nachvollziehen zu können, was da genau auf den Protagonisten zukommt. Denn alle genannten Figurenattribute werden bereits in der Pilotfolge wichtig.
Stark ist dabei, dass sich das Drehbuch nicht allzu lange mit dem Vorgeplänkel aufhält. Denn für eine Thrillerserie genregerecht beginnt die Story mit einem in der Jetztzeit der Erzählung angesiedelten Teaser, der uns in aller Direktheit auf die Schwierigkeiten hinweist, in denen Daniels steckt. Nach dem sich anschließenden kurzen, knackigen Intro folgt zunächst ein Flashback zur Einführung der Hauptfigur, der uns schließlich wieder in die Gegenwart zurückführt.
Derartige Kniffe sind zwar nicht ganz unüblich, in diesem Fall aber dramaturgisch klug gemacht, weil so bereits in der ersten Minute das Spannungsmoment hochgetrieben wird und wir erst anschließend die Exposition erhalten. Den ersten großen Wendepunkt leiten die Macher ebenfalls sehr früh ein, als Daniels auf den Rassisten Mark Simon (Tahmoh Penikett) trifft, der in der Nähe seines Urlaubsortes ebenfalls eine Waldhütte gemietet hatte.
Die betonte Freundlichkeit des Mannes kann nicht darüber hinwegtäuschen, wie falsch sie klingt, weshalb man als Zuschauender mit einem mulmigen Gefühl aus dem Gespräch herauskommt. Beinahe möchte man annehmen, dass dies der Auftakt zu einer Menschenjagd im Stil des Films „Open Season“ („Jagdzeit“) von 1974 ist, doch es kommt anders...
Thriller
Denn als Muncie Gas für seinen Stromgenerator braucht und Simons Hütte aufsucht, um ihn um Hilfe zu bitten, findet er diesen ermordet und zerstückelt in dessen Sauna vor. Das Drama nimmt seinen Lauf, als die beiden Killer ihn entdecken und nun tatsächlich durch den Wald jagen. Die entsprechenden Szenen sind rasant und spannend inszeniert und sorgen nach nur 20 Minuten für den ersten großen Actionmoment der Produktion.
Von nun an geht es erzählerisch rasant weiter, denn dem kampferfahrenen Moderator gelingt es, einen seiner Verfolger auszuschalten und zu entkommen. Er versteckt sich bis zum nächsten Morgen in einem Wald und trifft schließlich in einem Diner auf zwei Polizisten, die er um Hilfe bittet. Damit ist der Sprung vollzogen und vor uns bauen sich aus der Sicht des unwissenden Publikums die kommenden Ereignisse auf.
Und die haben es in sich, denn niemand glaubt Daniels die Geschichte. Schlimmer noch: Die Polizei und sogar das irgendwie in den Fall involvierte FBI halten ihn für den Mörder. Richtig kompliziert wird es, als Daniels plötzlich von mehreren Unbekannten verfolgt wird, die ihm immer einen Schritt voraus zu sein scheinen... Egal, wohin er sich begibt, sogar als er versucht, seine Familie vor den Drohungen einer Rassistengruppe in Sicherheit zu bringen, weiß irgendjemand, wo er sich gerade aufhält.
Colman Domingo
Das lässt nicht nur zahlreiche Fragen aufkommen, sondern sorgt auch für ein beklemmendes Gefühl in der Magengrube. Das wiederum liegt indes nicht nur an dem gut geschriebenen Skript mit seinem hervorragenden Timing, sondern vornehmlich auch an Colman Domingo, der sich hier als die perfekte Wahl für einen Mann erweist.

Die Figur wird aus der Sicherheit ihres gut situierten Lebens herausgezerrt und muss nun um ihr und das Überleben ihrer Familie kämpfen. Ausgehend von der ersten Episode war der Fight im Wald nämlich bei weitem nicht der Letzte, dem sich der Protagonist stellen muss. Es ist also zu erwarten, dass in den verbleibenden sieben Teilen noch einiges an Action folgt. Da kommt ein betont körperlich agierender Mime wie Domingo natürlich gerade recht.
Erfreulicherweise ist der ihn flankierende Cast allerdings auch nicht zu verachten. Mit an Bord sind (Marsha Stephanie Blake (Orange Is the New Black), John Ortiz (Will Trent) als FBI-Agent Franco Quinones und einige mehr. Vor allem Agent Quinones erweist sich dabei als ambivalenter Charakter, der Daniels einerseits Hilfe anbietet, ihn aber andererseits durchaus die Tat zutraut. Wie sich das letztendlich alles verträgt, bleibt jedoch für den Rest der Staffel abzuwarten.
Fazit
Insgesamt serviert uns Stephen Belber mit der Pilotfolge zu „The Madness“ also einen flott und spannend erzählten Einstieg in eine undurchsichtige Geschichte, die sich in beinahe jede Richtung entwickeln kann und das Publikum schon allein deshalb auf Trab halten dürfte. Doch auch die Tatsache, dass es mindestens drei Fraktionen auf den Hauptcharakter abgesehen haben, treibt den Spannungsbogen hoch und sorgt dafür, dass das Bedrohungspotential stets spürbar ist. Die Ausgangssituation ist also beklemmend, wobei sich Daniels aber zu wehren weiß und sicherlich noch die eine oder andere Hilfe von außen erhält. Das alles sieht nach einer tollen Miniserie aus.
Wir verteilen daher viereinhalb von fünf Verfolgern.