
Mit der neuen Serie The Lying Game versucht der amerikanische Sender ABC Family recht offensichtlich, die Fans von Pretty Little Liars weiter an sich zu binden. Denn die Romanvorlage stammt von Sara Shepard, die auch die Liars ersann - und die neue Serie hat viele ähnliche Ansätze.
Die Prämisse
Im Zentrum von The Lying Game stehen die beiden eineiigen Zwillinge Emma und Sutton (beide von Alexandra Chando porträtiert), die bei der Geburt zur Adoption frei gegeben wurden.
Sutton wurde von einem reichen, kinderlosen Ehepaar adoptiert, das kurz darauf wundersamerweise doch schwanger wurde, weswegen Sutton die zehn Monate jüngere Schwester Laurel (Allie Gonino) hat.
Für Emma hielt das Leben eine wenig schöne Jugend in diversen Pflegefamilien bereit. Zuletzt war sie in einem echten Höllenloch gelandet, in dem ihr Pflegebruder sie sexuell belästigte.
Während die beiden Mädchen zeitlebens nichts voneinander wussten, hat Sutton Emma vor wenigen Monaten ausfindig gemacht, als sie eigentlich ihren biologischen Eltern hinterher spürte.
Zufälle
Über das Internet stehen die beiden Mädchen schon länger in Kontakt, als Emmas zunehmende Probleme in ihrer Pflegefamilie eine Dominokette anstoßen: Sie flieht vor falschen Verdächtigungen und sucht kurzfristig ihre Schwester auf. Die sieht die Gelegenheit gekommen, ihren Zwilling kurz in ihre Rolle schlüpfen zu lassen, während sie heimlich nach Los Angeles entflieht, um Hinweisen auf die gemeinsamen Eltern nachzugehen. Nach zwei Tagen soll der Rollentausch aber vorbei sein.
Während Emma die angenehmen und auch die weniger angenehmen Seiten von Suttons Leben kennenlernt - ihre zahlreichen schwierigen Freundschaften, wegen Suttons aufgestauter Wut über die verschwiegene Zwillingsschwester eine schwierige Familiensituation, aber auch Luxus und vor allem das Gefühl, respektiert und akzeptiert zu werden - gelingt es ihr, Suttons Umfeld zu täuschen.
Doch nimmt der Rollentausch im Serienpiloten eine „überraschende“ Wendung: Sutton bleibt nach dem vereinbarten Termin verschwunden. Und Emma, die nicht die Wahl hat, in ihr altes Leben zurückzugehen, bleibt länger in ihrer Rolle - auch wenn bereits die erste Person die Scharade durchschaut hat.
Kritik
Es kommt stark der Eindruck auf, dass der Sender ABC Family mit dem Serienpaar Pretty Little Liars und The Lying Game versucht, eine neue Marke zu etablieren: Mystery für junge Zuschauerinnen. Denn: Zu ähnlich sind sich die beiden Serien.
Geheimnisse...
So zeichnet sich The Lying Game dadurch aus, dass bereits zu Serienbeginn zahlreiche Mysterien aufgeworfen werden, die der Zuschauer gemeinsam mit Emma entdeckt.
Da gibt es z.B. die Frage, warum Suttons offensichtlich sehr wohlhabende Eltern nicht beide Zwillinge adoptiert haben. Was gleichzeitig mit einigen Andeutungen Suttons ihre Eltern ins Zwielicht rückt - nicht nur „moralisch“, sondern auch, ob es nicht tiefere Hintergründe gibt, die vielleicht strafrechtlich interessant sein könnten.
Aber auch die Eltern von Suttons Freunden haben ihre Geheimnisse.
...und Teenagerprobleme
Dazu kommen die typischen Beziehungsprobleme von Teenagern - mit den Freundinnen, den „Konkurrentinnen“ um den Platz an der sozialen Sonne, Eltern, Geschwistern sowie dem anderen Geschlecht - die oftmals mit echten oder einfach nur peinlichen Geheimnissen verbunden sind. Und Emma muss schnell feststellen, dass Sutton auch eine echte Geheimniskrämerin ist.
Sun, Fun, Soap
Man kann festhalten, dass The Lying Game eine - bewusst - seichtere Variante der Pretty Little Liars ist: Das Setting ist sonnig, die Musik sommerlich leicht, die Geheimnisse derzeit zwar schon ein bisschen bedrohlich, aber so richtig in Lebensgefahr schwebt keiner.
In einer wichtigen Abweichung zur Romanvorlage - und zu den Pretty Little Liars - beginnt die Serie ohne Todesfall: Im Buch fungiert die kurz nach dem Tausch ermordete Sutton als Erzählerin der Geschichte.
Stattdessen hat man sich bei The Lying Game dafür entschieden, einen eher soapigen Ansatz zu wählen. Dies korreliert damit, dass die Hauptdarstellerin sowie einer der erfahrensten Produzenten ihre Sporen im Bereich der Daily-Soaps verdient haben. So wirken denn auch einige Zufälle arg konstruiert, wie etwa, dass Emma wie Sutton sich für Tennis interessiert.
Extrem negativ hervorzuheben sind einige gescheiterte Versuche, mittels computer generated images den räumlichen Hintergrund der Handlung aufzuwerten. Aber wer die erste Szene mit einer joggenden Emma überstanden hat ohne abzuschalten, der hat das Schlimmste immerhin schon hinter sich.
Fazit
„Wenn Ihnen ,Pretty Little Liars' gefallen hat, dann könnte Ihnen auch ,The Lying Game' gefallen.“ Wie erwähnt, The Lying Game ist nach dem Eindruck des Serienpiloten eine seichtere Variante - eben das Sommerserien-Äquivalent zu Pretty Little Liars. Was aber nicht unbedingt verkehrt sein muss...