The Loudest Voice: Kritik zur Showtime-Miniserie mit Russell Crowe

The Loudest Voice: Kritik zur Showtime-Miniserie mit Russell Crowe

Die Showtime-Miniserie The Loudest Voice beleuchtet die Anfangstage des rechtskonservativen amerikanischen Nachrichtensenders Fox News. Mit dabei: Russell Crowe, Naomi Watts und Seth MacFarlane. Hier unsere Kritik.

Szenenbild von „The Loudest Voice“: Roger Ailes (Russell Crowe) und Rupert Murdoch (Simon McBurney) prĂ€sentieren Fox News... (c) Showtime
Szenenbild von „The Loudest Voice“: Roger Ailes (Russell Crowe) und Rupert Murdoch (Simon McBurney) prĂ€sentieren Fox News... (c) Showtime
© zenenbild von „The Loudest Voice“: Roger Ailes (Russell Crowe) und Rupert Murdoch (Simon McBurney) prĂ€sentieren Fox News... (c) Showtime

Nach Christian Bale im Dick-Cheney-Biopic „Vice“ legt nun der nĂ€chste OscarpreistrĂ€ger den fatsuit und die Silikonmaske an, um seinerseits einen weiteren „Bösewicht“ der republikanischen Partei zu verhohnepipeln. Die Rede ist vom Australier Russell Crowe, der in der siebenteiligen Showtime-Miniserie The Loudest Voice den erzkonservativen Fernsehproduzenten Roger Ailes mimt, der Mitte der Neunziger mit Crowes Landsmann Rupert Murdoch den Fox News Channel grĂŒndete.

Der Medienmogul Murdoch wird in der Serie gespielt von Simon McBurney, wobei er nur als Randfigur in Erscheinung tritt. Ebenfalls zu sehen sind Naomi Watts als TV-Journalistin Gretchen Carlson, Seth MacFarlane als PR-Mann Brian Lewis und Sienna Miller als Beth Ailes, die Ehefrau des Protagonisten. Das Drehbuch stammt von „Spotlight“-Regisseur Tom McCarthy sowie von Gabriel Sherman, der den gleichnamigen Bestseller schrieb, auf dem das Ganze basiert. Die Inszenierung der Pilotepisode mit dem schmucklosen Titel 1995 (1x1) ĂŒbernahm Kari Skogland (The Handmaid's Tale).

Rechts. Paranoid. Fett.

1995 ist natĂŒrlich das Jahr, in dem die Geschichte anfĂ€ngt. Oder eigentlich beginnt sie 22 Jahre spĂ€ter, also am Todestag von Ailes. Im voice-over provoziert Crowes Alter Ego die wahrscheinlich mehrheitlich liberalen Zuschauerinnen und Zuschauer. Zum GlĂŒck bleiben uns sonstige Selbstrechtfertigungen im weiteren Verlauf der Folge erspart. Stattdessen lernen wir Ailes am Tiefpunkt kennen: Sein Heimatsender CNBC will ihn trotz großer Erfolge nicht lĂ€nger haben, da er einen jĂŒdischen Kollegen antisemitisch beleidigt haben soll. Außerdem wird rasch deutlich, dass er sich auch gegenĂŒber attraktiven Damen am Arbeitsplatz gerne mal im Ton vergreift. Und manchmal vergreift er sich sogar nicht nur im Ton...

Ailes ist ein echtes Ekel. Doch genau wie VizeprĂ€sident Dick Cheney in „Vice“ wird auch er in seiner fiktiven Version verklĂ€rt. Obwohl VerklĂ€rung wohl nicht ganz das richtige Wort ist, vielleicht eher Vermenschlichung. Denn selbstverstĂ€ndlich ist die Figur nicht ausschließlich unsympathisch, sondern manchmal auch ganz witzig und insgesamt auch recht charismatisch. Fraglich ist nur, ob eine Serie wie The Loudest Voice das bewirken soll oder will. Statt zu zeigen, dass auch Ailes privat ein halbwegs normaler Mensch war - wenn auch ein Arschloch, aber eben keine Ausgeburt der Hölle -, wĂ€re es doch viel interessanter, zu sehen, warum genau er Fox News zu dem Sender machen wollte, der er heute ist.

Szenenbild von The Loudest Voice: Gretchen Carlson (Naomi Watts) und Brian Lewis (Seth MacFarlane) imponieren ihrem Boss...
Szenenbild von The Loudest Voice: Gretchen Carlson (Naomi Watts) und Brian Lewis (Seth MacFarlane) imponieren ihrem Boss... - © Showtime

In vielerlei Hinsicht ist The Loudest Voice genau das, was man im Vorfeld von der Serie erwarten konnte. Was in diesem Fall allerdings nicht allzu positiv gemeint ist. Statt ĂŒberraschende Erkenntnisse zu bringen oder das bereits Bekannte ĂŒber Ailes' Biografie in ein neues Licht zu rĂŒcken, wird nur das wiederholt, was eh schon alle wissen oder zumindest vermuten konnten. So sehen wir beispielsweise auch, wie er als Produzent jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter zur Sau macht, die oder der auch nur einen Funken von Berufsethos in sich tragen und stattdessen SchreihĂ€lse wie Sean Hannity (Patch Darragh) unter seine Fittiche nimmt und fördert. Die ehemalige Miss America Gretchen Carlson, gespielt von Watts, stellt er derweil nur ein, weil er sie hĂŒbsch findet. Zwanzig Jahre spĂ€ter wird auch sie ihm sexuelle BelĂ€stigung vorwerfen...

Weil alles so erwartbar ist, wird sich The Loudest Voice wohl nicht als herausragende Serie hervortun und somit auch keinem grĂ¶ĂŸeren Publikum in die HĂ€nde fallen, wie es zuletzt auf beeindruckende Art und Weise noch der HBO-Produktion Chernobyl gelang. Menschen, die Interesse an der amerikanischen Politik und Medienszene haben, dĂŒrften aber trotzdem fasziniert sein. Unter UmstĂ€nden könnte das Ganze sogar zum rechtskonservativen Pendant des linksliberalen Nachrichtendramas The Newsroom werden. Nur, dass am Ende die Hauptfiguren nicht das „Noble“ oder „Richtige“ tun, sondern irgendwas VerabscheuungswĂŒrdiges. Die Maxime lautet: Quote statt Moral.

Ein Blick auf die kommenden Episodentitel verrĂ€t, dass sich die zweite Folge bereits um die Zeit des 11. Septembers drehen wird. Damals gewann Fox News endgĂŒltig an Profil und baute auch immer mehr BrĂŒcken zur Bush-Administration. Kurz danach folgen dann schon die Obama-Jahre, in denen Ailes und Konsorten kein Mittel mehr zu schĂ€big war, um den Demokraten Paroli zu bieten. Hier perpetuierte der heutige PrĂ€sident Donald Trump auch seine unsĂ€gliche Verschwörungstheorie, wonach sein AmtsvorgĂ€nger Barack Obama kein echter Amerikaner sei.

Fazit

Alles in allem bietet The Loudest Voice nur wenig aufschlussreiche Einblicke hinter die Kulissen des Nachrichtensenders, der die Vereinigte Staaten von Amerika im letzten Vierteljahrhundert prĂ€gte wie sonst kein anderer. Wohl niemand wĂŒrde bestreiten, dass es ohne Fox News auch keinen PrĂ€sidenten namens Trump gegeben hĂ€tte. Somit hat das Thema eigentlich gerade jetzt eine ausgesprochen hohe Relevanz. Zumal Roger Ailes als Figur auch in anderen Belangen viel hergibt (Stichwort #MeToo). Schade, dass die Showtime-Miniserie, die mit Russell Crowe, Naomi Watts, Seth MacFarlane und Sienna Miller auch noch ein paar fantastische Stars an Bord hat, so viel Potential verschenkt. Einige werden aber trotzdem ihren Spaß haben.

Wann und wo „The Loudest Voice" hierzulande erscheint, ist noch unbekannt. Gespannt blicken wir Richtung Sky...

Hier abschließend der Trailer zur Showtime-Miniserie „The Loudest Voice":

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