Anne Rice's Mayfair Witches 1x01

Anne Rice's Mayfair Witches 1x01

Nach Interview with the Vampire macht AMC nun mit der zweiten Anne-Rice-Adaption, Mayfair Witches, weiter. Doch kann die ĂŒbernatĂŒrliche Dramaserie mit Alexandra Daddario in der Hexenhauptrolle genauso ĂŒberzeugen wie die gelungene Blutsaugersaga? Hier ist das Pilotreview.

Poster zur Serie Anne Rice's Mayfair Witches (c) AMC
Poster zur Serie Anne Rice's Mayfair Witches (c) AMC
© oster zur Serie Anne Rice's Mayfair Witches (c) AMC

Bevor AMC anfing, aus BudgetgrĂŒnden alle möglichen Serienprojekte einzustellen, die entweder schon fertig oder verlĂ€ngert waren, um sie lohnenswerter abschreiben zu können, erwarb man die Rechte an 18 BĂŒchern von Anne Rice, was man sich offenbar einiges hatte kosten lassen. Darunter waren mehrere Romane aus den Vampire Chronicles, deren erste Adaption Interview with the Vampire aus dem letzten Jahr als Erfolg verbucht werden kann. Ebenso beinhaltete dies die BĂŒcher der Reihe „The Lives of the Mayfair Wtiches“, deren Umsetzung Anne Rice's Mayfair Witches nun unter einigem Druck steht, zauberhaft zu performen, weshalb man sich kurzfristig dazu entschloss, sie über sämtliche Kanäle der AMC Networks auszuspielen.

Leider wirkt es nach der nach dem ersten Roman benannten Episode mit dem Titel The Witching Hour nicht gerade so, als stĂŒnde die Serie von Esta Spalding und Michelle Ashford (beide ehemals bei Masters of Sex) unter einem guten Stern oder als hĂ€tte sie denselben Appeal wie die Kollegen aus der Vampirschwesternserie des geteilten Immortal Universe. Warum das so ist, schauen wir uns im Folgenden genauer an.

Mayfair Witches“ erzĂ€hlt seinen Auftakt auf zwei Ebenen: Zum einen ist da die engagierte Neurochirurgin Dr. Rowan Fielding (Alexandra Daddario), deren Adoptivmutter Elena (Erica Gimpel) erneut an Krebs erkrankt, weshalb sie sich darum bemĂŒht, sie in eine experimentelle medizinische Studie zu integrieren, die ihr eventuell noch helfen könnte. Als ihr dabei von mĂ€chtigen MĂ€nnern Steine in den Weg gelegt werden, fallen die Herren wie auf ihren Wunsch durch ein Aneurysma tot um und Rowan realisiert, dass in ihr unheimliche KrĂ€fte jenseits jeglicher Wissenschaft schlummern.

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Selbst im Sterben liegend versucht Elena jedoch, sie davon abzuhalten, von ihrer biologischen Familie der Mayfairs zu erfahren, die den anderen Handlungsstrang der ersten Episode ausmachen. Das Anwesen und die Frauen der Hexenfamilie werden seit Jahren von einer formwandelnden EntitĂ€t Namens Lasher (Jack Huston) heimgesucht, die in Gestalt eines attraktiven (aber schmerzhaft uncharismatischen) Mannes mit Rowans biologischer Mutter Deidre Mayfair (Annabeth Gish) anbandelte, was Fans der besten schlechten Star Trek: The Next Generation-Episode Sub Rosa womöglich ein wenig ulkig finden... Um sie vor ihrem Schicksal durch den dĂ€monischen Daddy zu bewahren, gab man das Baby weg und erzĂ€hlte der Mutter, es sei verstorben, doch nun zieht es Rowan zum Anwesen ihrer arkanen Ahnen zurĂŒck...

Gleichzeitig hat der ĂŒbernatĂŒrlich begabte Familienfreund Ciprien Grieve (Tongayi Chirisa) ein Auge auf Rowan, ĂŒber den Buchfans wissen mĂŒssen, dass es sich bei ihm um einen Kombicharakter handelt, der aus den Romanfiguren Michael Curry und Talamasca-Mitglied Aaron Lightner gezaubert wurde. Der Familienpatriarch Cortland Mayfair wird unterdessen von Harry Hamlin dargestellt, den Serienjunkeis unter anderem aus Mad Men kennen.

WĂ€hrend Interview with the Vampire in warme Braun- und Rottöne getrĂ€nkt war, ist die Ästhetik von Anne Rice's Mayfair Witches relativ kĂŒhl in Blau und GrĂŒn gehalten, was leider hin und wieder an die frĂŒhen Filme der „Twilight“-Saga erinnert und bedauerlicherweise lassen auch die magischen Spezialeffekte aus dem Computer ganz schön zu wĂŒnschen ĂŒbrig. Zumal man zumindest einen der beiden Effektmomente auch durch cleveres Editing eleganter hĂ€tte lösen können, wenn Ciprien das Mayfair-Anwesen mit seinen wahrsehenden KrĂ€ften unter die Lupe nimmt...

Schlimmer aber ist, dass der Hexenserie auf den ersten Blick eine eigene IdentitĂ€t im Untergenre zu fehlen scheint. Die „Vampire Chronicles“ heben sich eigentlich auf sehr identifizierbare Art und Weise von anderen Vampirgeschichten ab. Hier aber gibt es kaum ein Alleinstellungsmerkmal, das die Mayfairs von zum Beispiel Maggie-Friedman-Serien wie Witches of East End abhebt, in denen Frauen sich ebenfalls metaphorisch und buchstĂ€blich durch inhĂ€rente KrĂ€fte von MĂ€nnerfiguren und dem Patriarchat emanzipieren.

Beste Zutaten fĂŒr Hexenserien, keine Frage, aber das gewisse Etwas blieb in der ersten Stunde dieser Version vorerst aus. Hoffentlich können die kommenden Episoden dies nachholen, nachdem die erste Folge nicht nur geduldstrapazierend gemĂ€chlich erzĂ€hlt ist, sondern auch sehr redundante Szenen vorweist. Bei nur acht Kapiteln in der ersten Staffel gibt es eigentlich keine Zeit zu verschenken...

Alexandra Daddario, die zuletzt in The White Lotus mitwirkte, ist wie immer sehr charismatisch und mehr als fĂ€hig, die Serie als hexende Hauptdarstellerin zu tragen, allerdings nicht von den stĂ€rksten Co-Star-Performances umgeben, was die Vampire ebenfalls um LĂ€ngen besser erledigt haben, da bei diesen einfach auch das gesamte Ensemble strahlen konnte. Einzig die Szenen zwischen ihr und ihrer Serienmutter sind angemessen emotional und glaubwĂŒrdig, was jedoch wiederum bedauerlich ist, da wir von der Beziehung nach dem Auftakt nicht mehr viel mitbekommen werden...

Fazit

Anne Rice's Mayfair Witches“ macht mit der ersten Episode einen nur halb so guten Eindruck wie die sehr viel losere Adaption von „Interview with the Vampire“, die ebenfalls zum Immortal Universe von AMC zĂ€hlt. Aber sind Hexen ĂŒberhaupt unsterblich? Und wird eine so generisch anfangende Hexenserie mit den ĂŒbrigen Episoden ein passables Publikum heraufbeschwören können, das den im Moment so absetzungswĂŒtigen AMC Networks die VerlĂ€ngerung um eine zweite Staffel rechtfertigt? SpĂ€testens in Episode zwei muss die Serie jetzt zeigen, was sie potentiell leisten kann, sonst wird das ohne Magie wohl nichts mehr. Und dass der gesamte erste Roman in dieser Season unterkommt, ist so gut wie unmöglich, da das Buch mit ĂŒber 1.000 Seiten zu den lĂ€ngeren Werken von Rice zĂ€hlt...

Die KostĂŒme und die Ausstattung wirken aufgrund des Stoffes vielleicht von sich aus etwas unspektakulĂ€rer, aber man setzt im Gegensatz zur Vampirsaga auch kaum auf praktische Effekte und hat nicht mal einen allumfassend beeindruckend Cast an Co-Stars neben Hauptdarstellerin Alexandra Daddario, was besonders tragisch im Falle des von Jack Huston gespielten Schurken ist, der Meilenweit davon entfernt ist, auch nur ansatzweise so charismatisch wie Sam Reid oder Jacob Anderson rĂŒberzuommen. Und das, obwohl diese vorgemacht haben, wie man charmante Monster spielt.

Die Mayfair-Saga ist allein aufgrund der Vorlage und ihrer Autorin nicht ohne Faszination - um uns in ihren Bann zu ziehen, muss die Adaption aber um einiges mehr leisten als der Auftakt. Darum gibt es leider zunÀchst auch nur die Macht der drei Sterne als Wertung.

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Serie „Anne Rice's Mayfair Witches“, die nun bei AMC in den USA gestartet ist:

Verfasser: Mario Giglio am Montag, 9. Januar 2023

Anne Rice's Mayfair Witches 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(Anne Rice's Mayfair Witches 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Die Hexenstunde
Titel der Episode im Original
The Witching Hour
LĂ€nge der Episode im Original
55 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 5. Januar 2023 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 31. MĂ€rz 2023
Autoren
Anne Rice, Michelle Ashford, Esta Spalding
Regisseur
Michael Uppendahl

Schauspieler in der Episode Anne Rice's Mayfair Witches 1x01

Darsteller
Rolle
Tongayi Chirisa
Jack Huston
Harry Hamlin
Beth Grant

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?