The Librarians 1x01

Die mehrteilige Fernsehfilmreihe „The Librarian“ feierte 2004 mit „The Librarian: Quest for the Spear“ seine Premiere auf TNT und brachte in den Folgejahren zwei weitere Filme hervor („Return to King Solomon's Mines“ und „Curse of the Judas Chalice“). Die Reihe, die vielen hierzulande wahrscheinlich nur als „The Quest“ geläufig ist, stellte eine moderne Abenteuergeschichte um übernatürliche Artefakte aus der Weltgeschichte dar, denen sich der titelgebende Librarian - gespielt von Noah Wyle (Falling Skies) - annimmt. Dabei vertraute man auf bekannte Versatzstücke aus dem Genre, allerlei Rätselaufgaben und rasante Actionsequenzen. Über die Qualität dieser Filme lässt sich mit Sicherheit streiten, doch nicht wenige waren recht angetan von der sehr einfachen Prämisse und dem nonchalanten Hauptdarsteller.
Ich selbst erwischte einen der „Librarian“- beziehungsweise „Quest“-Filme maximal mal an einem Sonntag im Free-TV, richtig mitgerissen wurde ich von diesem jedoch nicht. Ganz ähnlich sieht es nun bei der Umsetzung dieser Filmreihe in eine Serie aus. Das neue TNT-Format schließt nahtlos an die vorangegangenen Filme an und spannt so einige Bögen zu bereits akquirierten Schätzen und Abenteuern von Noah Wyles Flynn Carsen, der in der Doppelfolge zum Start von The Librarians eine prominente Gastrolle einnimmt.
Dies ändert jedoch nicht viel daran, dass „The Librarians“ mit seinen zahlreichen vorhersehbaren sowie klischeehaften Szenen die Toleranzgrenze des Zuschauers ordentlich überstrapaziert und im Gesamtbild eher langweilt, als wirklich eine packende, dynamische Geschichte zu erzählen. Zu oft erwischte ich mit einem fragenden Blick beim Betrachten dieser gut 90 Minuten Fernsehens, die mich eigentlich unterhalten und nicht meine Geduld auf die Probe stellen sollten. Ob man den speziellen Charme der Filme einfangen kann, müssen die Fans derselbigen bewerten, einige nette Momente möchte ich der neuen Serie auch gar nicht absprechen. Schlussendlich bietet mir „The Librarians“ jedoch nicht sehr viel, was mich dazu reizt, mir eine weitere Episode davon anzuschauen.

Welcome to the secret world
Wie bereits erwähnt, nehmen sich die „Librarian“-Filme von ihrer Prämisse nicht besonders viel im Vergleich zu der Serie, außer dass wir es eben nicht nur mit einem pfiffigen Bibliothekar, sondern gleich mit mehreren zu tun bekommen, die gemeinsam magischen Objekten quer über den Globus hinterherjagen, die um keinen Preis in die Hände einer finsteren Organisation namens Serpent Brotherhood um den dubiosen Dulaque (Matt Frewer) fallen dürfen.
Im Endeffekten arbeitet der Zweiteiler zum Start von „The Librarians“ genau auf diese Ausgangslage hin, sodass wir spätestens am Ende dieser zwei Folgen genauestens wissen, wohin die Reise in den folgenden acht Episoden der ersten Staffel für unsere Figuren gehen wird. Den Einstieg in diese Welt voller Magie und übernatürlichen Plunder machen wir jedoch über die toughe Antiterror-Agentin Eve Baird (Rebecca Romijn), die rein zufällig auf Librarian Flynn trifft, der in Berlin die hiesige Bevölkerung vor einer durch ein seltenes Artefakt bedingte apokalyptischen Katastrophe retten muss.
Von Beginn an setzt man so den Ton der Serie, der sich im weiteren Verlauf auch nicht mehr großartig ändern wird: Flynn ist der chaotische Tausendsassa, der locker-flockig eine Fabelgeschichte nach der anderen von sich gibt und sich keineswegs von der rationalen Baird - die zu dessen Guardian wird - und einer zu entschärfenden Bombe aus der Fassung bringen lässt. Dieses odd couple-Element macht einen wesentlichen Teil des ersten Drittels von „The Librarians“ aus, was an und für sich nicht weiter schlimm wäre, würde man es nicht so ungeschickt auf die Spitze damit treiben.
Ninjas in Oklahoma
Natürlich soll dies mitunter den Charme der Pilotfolge sowie der verschiedenen Charaktere ausmachen, jedoch schreibt man hier eine Figurenzeichnung zusammen, die nicht nur unglaublich uninspiriert ist, sondern auch noch die simpelsten Genretropen bedient, was einen irgendwann nur noch anödet. Bis zum Ende des 90-Minüters schleichen sich immer wieder Szenen ein, die unangenehm absehbar und zum mit den Augen rollen sind (Eves Auftritt im Buckingham Palace zum Beispiel). Zwar finden die beiden Figuren schlussendlich irgendwie zueinander, dennoch stellt sich nie wirklich das Gefühl ein, deren beider Interaktion hätte irgendeinen großartigen Mehrwert für die Zuschauer.
Ähnlich kritisch muss man auch mit den eigentlichen Librarians umgehen, die von ihren Charakteren her auch eher einfach angelegt sind. Das schwerkranke Mauerblümchen (Lindy Booth), das aufgrund eines Tumors besondere Halluzinationen hat mit denen es komplexe Rätsel lösen kann. Der freche, technikaffine Jungspund (John Kim), der sich bereits einen Namen als Langfinger gemacht hat. Oder der hochintelligente Cowboy (Christian Kane), der seine wahren Fähigkeiten vor der Öffentlichkeit versteckt, aber in Wahrheit nicht nur geistig sondern auch körperlich äußerst fähig ist. Sie alle bekommen hier mindestens eine Chance, um zu glänzen und kluge Dinge von sich zu geben, die man als Zuschauer irgendwann nur noch hinnimmt, weil sie sicherlich schon der Wahrheit in diesem Film- beziehungsweise Serienuniversum der Librarians entsprechen werden.
Smart enough to be the sidekick
Das man mit dem überraschenden Seitenwechsel von Cassandra zu den Bösen einen kleinen Twist einbaut, mag noch recht gefällig sein, auch wenn ihr Verrat an die anderen letztendlich doch ziemlich schnell ad acta gelegt wird. Weitaus problematischer finde ich jedoch, dass diese drei Figuren für mein Empfinden viel zu schwach als treibende Kräfte für die Handlung der nächsten Episoden eingeführt werden. Flynn Carsen verabschiedet sich nämlich am Ende der Doppelfolge, steht aber für den Großteil dieser komplett im Zentrum des Geschehens.
Über 90 Minuten haben wir uns an diese Figur gewöhnt, die nun gleich wieder den Abflug macht, während man uns mit Baird und den drei verbliebenen Librarians sitzen lässt, von denen nur erstere ein wenig mehr Profil bekommen hat. Die anderen drei blieben eher blass oder mussten sich ihren stereotypen Rollen fügen. Für eine Pilotepisode, deren Aufgabe es ist, uns die Hauptfiguren der Serie näherzubringen und die dafür auch noch circa 90 Minuten Zeit hat, ist dies einfach eine schwache Leistung.

Exciting stuff
Hinzukommen etliche Momente, die extrem comic-esk und teilweise sehr lächerlich anmuten, allen voran ein paar Kampfeinlagen, bei denen eigentlich nur noch ein paar deftige Schlaggeräusche fehlen. Das Negativbeispiel schlechthin stellt wohl Lesley-Ann Brandt dar, deren Szenen nicht nur unglaublich anstrengend sind, weil sie nun mal die schlechteste Handlangerin sowie Schwerkämpferin aller Zeiten zu sein scheint, sondern die darüber hinaus eine Darbietung abliefert, die so einiges zu wünschen übrig lässt.
Das wilde Rumgehopse in der Weltgeschichte, das Nachgehen etwaiger Hinweise im Schwarzwald oder Tower of London, das alles soll für Abwechslung und Spannung sorgen. Jedoch überladen die Macher ihre Hatz nach mächtigen Artefakten etwas zu sehr, wodurch man sich schnell dabei ertappt, relativ gelangweilt das bunte Treiben zu verfolgen. Richtige Konsequenzen scheint es für die Charaktere eh nicht zu geben, weshalb man auch nicht wirklich emotional ergriffen ist, als es mal zu einer etwas dramatischeren Szene kommt. Den Höhepunkt der Lächerlichkeit demonstriert derweil das hechelnde Schwert Excalibur, dessen Ableben uns als Zuschauer anscheinend irgendwie abholen soll. So viel sei verraten: Ich brach ob dieses tragischen Moments nicht wirklich in Tränen aus.
Bringing back the magic
Man liest es heraus, ich war alles andere als begeistert von The Librarians. Dabei möchte ich der Serie jedoch nicht zu sehr Unrecht tun, so oft sie mich auch in ihrer eineinhalbstündigen Pilotfolge einige Nerven gekostet hat. Der Charme dieser recht hanebüchenen Welt um die ehrenvollen Bewahrer außerordentlicher Artefakte ist durchaus erkennbar, die Effekte mögen nicht die schönsten sein, aber dennoch kann ich nachvollziehen, warum sich nicht wenige von dieser Art der Unterhaltung angesprochen fühlen.
Letztendlich ist ein einfaches Format, in dem man ein paar Sagengeschichten und Legenden zusammenwirft, zahlreiche Rätselpassagen und wenn möglich noch einen packenden Showdown mit einbaut. Dies kann schon ausreichen, um eine unterhaltsame Serie zu fabrizieren. Leider gelingt dies nicht wirklich in der Pilotfolge, da die Rätsel größtenteils an einem vorbeigehen und ein packender Showdown non-existent ist.
Electromagnets!
Jedoch gibt es auch ein paar Lichtblicke zu verzeichnen: Neben dem besagten Charme resultierend aus der Abgedrehtheit von „The Librarians“ sorgen auch ein paar nette Dialoge für ein gelegentliches Schmunzeln. Einige Szenen scheinen gar ein wenig unfreiwillig komisch, bieten jedoch kurzweilige Momentaufnahmen. Noah Wyle dürfte den Fans der Filme von Beginn an zusagen, als Zuschauer ohne Vorwissen zu der „The Librarian“-Reihe gewöhnt man sich mit fortschreitender Laufzeit immer mehr an den lässigen US-Amerikaner, den man sich als Hauptfigur gut vorstellen könnte.
Die meisten Lorbeeren kann aber John Larroquette als knittriger Alt-Librarian einheimsen, der mit einer angenehmen und amüsanten schauspielerischen Leistung in seiner Rolle des unfreiwilligen Helfers und Lehrmeisters der neuen Librarians sicherlich noch für einige spaßige Momente sorgen wird. Mit Matt Frewer hat man darüber hinaus einen sehr fähigen Darsteller für die Rolle des Oberschurken gewinnen können, der sich in Zukunft auch gerne einmal voller Inbrunst seiner sehr überzeichneten Figur hingeben wird.

Fazit
Trotz ein paar positiven Aspekten wie einzelne Schauspieler oder der charmanten Einfachheit von The Librarians, gestaltet sich der Auftakt der neuen TNT-Serie eher mau. Für Fans sind hier sicherlich einige Schmankerl mit dabei, darunter direkte Verweise auf die Filme oder auch bekannte Darsteller wie Jane Curtin oder Bob Newhart. Der Zuschauer ohne emotionale Verbindung zu der Filmreihe „The Librarian“ könnte jedoch etwas überfordert werden, was aber keineswegs an der alles anderen als komplexen Handlung liegt. Vielmehr gestaltet sich „The Librarians“ zu wirr und voller Szenen zum Kopfschütteln, die irritieren und unnötig Fragen aufwerfen. (Ein Schneidbrenner aus einer Gurke gefüllt mit Prosciutto, ein Steinkreis im Schwarzwald, ein Geheimgang im Geheimgang usw.)
Ich verlange hier keine großartige Logik, da diese in der Welt der Librarians nun mal oft genug aussetzen muss, damit hier überhaupt etwas Sinn ergibt. Dennoch ist es nicht zu viel verlangt, dass die Macher hier eine kohärente Geschichte samt interessanter Figuren konzipieren, die zumindest einen ordentlich Spannungsbogen aufweisen kann. Dieser fällt in der Pilotfolge sehr dürftig aus, was die ganze Angelegenheit nur noch enttäuschender macht. Für eine Abenteuerserie ist mir der Auftakt von „The Librarians“ einfach nicht mitreißend genug und zu generisch, von der Berechenbarkeit der Handlung ganz zu schweigen. Vielleicht bessert sich dies mit den nächsten Episoden, das Bedürfnis, hier noch ein weiteres Mal einzuschalten, habe ich jedoch nicht.
The Librarians: Promo zur Episode 1x03: Verfasser: Felix Böhme am Montag, 8. Dezember 2014The Librarians 1x01 Trailer
(The Librarians 1x01)
Schauspieler in der Episode The Librarians 1x01
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