The Liberator 1x01

The Liberator 1x01

Die Netflix-Miniserie The Liberator sticht mit ihrer Rotoskopie-Optik aus der Masse hervor. Doch: Hat die Serie über eine Kompanie voller Außenseiter im Zweiten Weltkrieg auch mehr zu bieten als diesen visuellen Kniff?

Szenenfoto aus der Pilotepisode der Netflix-Serie The Liberator (c) Netflix
Szenenfoto aus der Pilotepisode der Netflix-Serie The Liberator (c) Netflix
© zenenfoto aus der Pilotepisode der Netflix-Serie The Liberator (c) Netflix

Die Pilotepisode der neuen Netflix-Miniserie The Liberator führt uns in die Reihen des 157. Infanterie Regiments, einer Truppe von Soldaten die im Zweiten Weltkrieg, die an so vielen Kämpfen beteiligt war wie kaum eine andere. Der Einstand mit dem Titel Why We Fight konzentriert sich auf die Anfänge der Truppe und ihren furchtlosen Anführer Captain Felix Sparks (Bradley James).

Was geschieht im Auftakt von The Liberator?

Der junge aufsteigende Soldat Captain Felix Sparks wird, während sich der Krieg zusammenbraut, damit beauftragt, eine Bande von Außenseitern und Delinquenten zu einer gefechtsbereiten Einheit zu Formen. Früh erkennt er die überwiegend rassistisch bedingten Probleme, mit denen sich seine Männer im Dienst des US-Militärs aufgrund ihrer Wurzeln als Ureinwohner oder ihrer mexikanischen Abstammung auseinandersetzen müssen. Es gelingt ihm, seinen Kameraden den Rücken zu stärken und so ihr Vertrauen zu gewinnen, welches sie in den kommenden Gefechten benötigen, für die ein bedingungsloser Zusammenhalt unabdingbar ist.

Ihre erste Station führt sie direkt in das Zentrum des Kriegs nach Italien, wo sie die Achsenmächte zurückzudrängen versuchen. Doch bereits beim zweiten dem Zuschauer gezeigten Gefecht wird Sparks schwer verwundet und in ein Krankenlager nach Algerien gebracht, um dort zu genesen. Nachdem er sich dort so gut wie möglich erholt hat, erhält er den Befehl, als Verwundeter in seine Heimat zurückzukehren. Was viele als Privileg nach getaner Pflicht und Möglichkeit, den Schrecken des Krieges den Rücken zu kehren, ansehen, empfindet er jedoch anders und bekommt das Gefühl, seine Männer damit im Stich zu lassen. Deshalb trifft er die Entscheidung, entgegen des Befehls zu seiner Truppe an die Front zurückzukehren.

Band of Misfits

Die Miniserie basiert auf dem Buch „The Liberator: One World War II Soldier's 500-Day Odyssey“ von dem Autor Alex Kershaw, der die Geschichte wiederum auf wahren Begebenheiten fußt, welche sich in Form des 157. Infanterie Regiment mit einer Einheit befassen, die an ungefähr 470 Tagen während ihres Einsatzes im Zweiten Weltkrieg an Kampfhandlungen beteiligt war und somit an einer so großen Menge an Gefechten teilgenommen hat, wie es nur wenige andere von sich behaupten können.

Das Erste, was einem förmlich ins Auge springt, ist natürlich die Anwendung des Rotoskopie-Verfahrens, welches eine Art comichaften, gezeichneten Filter über die Bilder legt, wie es etwa vor kurzem in der Serie Undone zu sehen war. Einerseits ist das natürlich gewöhnungsbedürftig, weil dadurch Bewegungen mit weniger Bildern pro Sekunde etwas langsamer wirken können. Anderseits verleiht es der Szenerie einen malerischen Stil, der sich wirklich sehen lassen kann und viele interessante Kontrastmöglichkeiten liefert, in denen Umgebung, Figuren oder Gegenstände noch einmal besonders hervorgehoben werden können. Auch die Wirkung der Geschehnisse wird dadurch aus meiner Sicht nicht abgeschwächt, aber das ist genauso wie die gesamte Optik selbst natürlich Geschmackssache und somit sehr subjektiv.

Purer Pathos?

Ein weiterer frischer Aspekt, der zumindest nicht in zu vielen Filmen präsent ist, die den Zweiten Weltkrieg thematisieren, ist (im Grunde ironischerweise, wenn man bedenkt, gegen wen es im Krieg ging) der Rassismus, mit dem die Mitglieder der Truppe konfrontiert waren. Denn als Ureinwohner und mexikanischstämmige Amerikaner hatten sie definitiv keinen leichten Stand in ihrem Heimatland, für das sie schließlich ihr Leben riskiert haben. Speziell die Szene, in der sie mit einem äußerst ungemütlichen Drill Instructor abrechnen dürfen, schafft es, angemessen zu emotionalisieren und bringt eine gewisse Genugtuung mit sich.

Dafür bringt die Materie natürlich auch ganz besonders für europäische Geschmacksnerven die Frage nach dem Pathos mit sich, welcher oftmals großzügig in dieser Art von Werken versprüht wird. Diese lässt sich zweifelsfrei beantworten, denn gespart wird damit nicht wirklich, vor allem, wenn Captain Sparks (Bradley James) gleich mehrfach zu inspirierenden Reden greift... Dann werden diese auch noch mit heroischer Musik unterlegt. Aber das lässt sich auch ein wenig anderes betrachten: Die jungen Männer waren nun mal auch mutige Helden, ohne deren couragierten Einsatz unsere Welt heute anders aussehen würde und die aufputschende Wirkung und somit die Notwendigkeit einer solchen Rede in dieser schwierigen Situation sollte man nicht unterschätzen. Davon abgesehen macht Bradley James seine Sache genauso wie seine Kollegen ziemlich gut, was bei einem Cast, bestehend aus vielen unverbrauchten Gesichtern, nicht zu verachten ist.

Was hat die Serie sonst noch zu bieten? Viele erwartungsgemäß genretypische Elemente, wie etwa die Darstellung der Schrecken des Krieges, die Erzählung per Voice-Over (auch per Brief an die Familien zu Hause), ein angedeuteter Nazi-Antagonist sowie die Betonung auf den Zusammenhalt und die Kameradschaft der Truppe. Ob man da auf der emotionalen Eben an Meisterwerke wie Band Of Brothers herankommt, ist wahrscheinlich ein wenig zu hoch gegriffen. Dennoch ist hier aber genug Potential vorhanden, den Zuschauer mitzunehmen.

Fazit

The Liberator bringt trotz vieler erwartungsgemäßer Stilmittel genügend frischen Wind mit sich, um sich von Genrekollegen abzuheben. Abgesehen davon wird hier eine mehr als solide Geschichte mit guten Darstellern und Potential für emotional aufwühlende Inhalte abgeliefert, die es wert machen, mal einen Blick zu riskieren, sofern einem der optische Stil grundsätzlich zusagt.

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Netflix-Serie The Liberator:

Verfasser: Tim Krüger am Mittwoch, 11. November 2020
Episode
Staffel 1, Episode 1
(The Liberator 1x01)
Titel der Episode im Original
Why We Fight
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Mittwoch, 11. November 2020 (Netflix)
Regisseur
Grzegorz Jonkajtys

Schauspieler in der Episode The Liberator 1x01

Darsteller
Rolle
Bradley James
Martin Sensmeier
Jose Miguel Vasquez
Forrest Goodluck
Bryan Hibbard
Matthew Mercurio
Pedro Leandro
Billy Rayner

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