The Letter for the King: Review der Pilotepisode

© zenenfoto aus The Letter for the King (c) Netflix
Aus dem Hause Netflix gibt es neuen Fantasy-Nachschub: Dort ist nämlich die erste Staffel von The Letter for the King auf Basis der Romane der niederländischen Autorin Tonke Dragt ab sofort zum streamen verfügbar. Der Auftakt Storm Clouds Gather lässt uns den Beginn eines Abenteuers aus der Sicht des angehenden Ritters Tiuri (Amir Wilson) erleben, der einem Fremden zur Hilfe eilt, dessen Brief das Schicksal des Königreiches verändern könnte.
Worum gehts es im Autakt von The Letter for the King?
Der Teenager Tiuri hat eine schwierige Aufgabe vor sich, denn, um die ihm bevorstehende Prüfungsreihe zu bestehen, mangelt es ihm an athletischem Talent und Geschick. Der Druck, diese Prüfungen zu bestehen, ist besonders hoch, da sein Stiefvater Jaro (Peter Ferdinando) befürchtet, dass er dessen Ruf und dem guten Familiennamen Schande bringt, sollte er scheitern. Um dem vorzubeugen, manipuliert er den Wettbewerb zugunsten seines Ziehsohnes, der jedoch eine letzte Herausforderung alleine zu bestehen hat.
Währenddessen setzt der machthungrige Prinz Viridian (Gijs Blom) seinen Eroberungszug des Kontinents fort und sendet als Teil seines Plans eine Reihe von Briefen aus, welche integral für seine finsteren Machenschaften zu sein scheinen. Einer von diesen wird von einem Ritter (David Wenham) abgefangen, der diesen stoppen will, bevor er nicht mehr aufgehalten werden kann. Doch, bevor er das Schriftstück bei seinem König abliefern kann, holen ihn Viridians Schergen ein. Zuvor schickt er jedoch seinen älteren Kumpanen los, um Hilfe zu suchen, über die dieser auch schließlich in Form von Tiuri stolpert, welcher sich in einer Gruft mitten in seiner finalen Prüfung befindet. Tiuri verlässt diese und seine Kameraden jedoch, um dem Hilfegesuch zu folgen und nimmt den Brief mit dem Versprechen an sich, diesen auszuliefern. Doch kaum hat er diesen Schwur geleistet, heften sich die ersten Verfolger an seine Fersen...
My Horse is amazing
Mit einem gewaltigen Satz springen der Protagonist Tiuri und sein neues Wunderpferd ins Abenteuer. Während dies einer der letzten Eindrücke der Auftaktepisode ist, springt einem zu Beginn gleich die durchaus hochwertige Produktion ins Auge: Kostüme, Sets und praktische Effekte können sich wirklich sehen lassen, wobei vor allem aber auch die wunderschöne Kulisse der Fantasy-Heimat von Neuseeland etwas hermacht.
Dabei zielt man nicht nur aufgrund des Ausgangsmaterials auf Familienfreundlichkeit in dieser Fantasy-Geschichte ab, denn, auch wenn es atmosphärisch zwischendurch einmal etwas düster (wobei die Altersfreigabe ab sechs Jahren schon ein wenig strapaziert wird...) werden kann, wird dort nicht geflucht und jegliche Gewaltszenen werden nur angedeutet beziehungsweise durch Schnitte unterbrochen. Sobald unser Held und seine Gruppe an zukünftigen Rittern zusammenkommen, dürfte sich wiederum sehr wahrscheinlich auch eine lockere Dynamik einstellen, welche die Stimmung aufhellen wird.
Die Story an sich, die im Vergleich zur Vorlage wohl erheblich verändert wurde (und einige Leser dadurch offenbar enttäuscht), inklusive der sprichwörtlichen Reise des Helden, ist allerdings ziemliche Standardkost, inklusive generischer Elemente wie einer Prophezeiung und einem zumindest bisher eindimensionalen Bösewicht, bei dem zu diesem Zeitpunkt noch absolut nicht klar ist, was ihn nun zu solch einer Gefahr für das Land macht, was es überhaupt mit den Briefen auf sich hat und wieso diese für ihn letztlich so wichtig sind. Es gibt auch kleinere Kniffe, welche die Episode etwas aufgewertet hätten, wie etwa Stiefvater Jaros hohe Meinung von Tiuri und von seinem Charakter zu einem späteren Zeitpunkt zu platzieren, um einen größeren Überraschungseffekt zu erzielen.
Der größte Schwachpunkt ist meiner Meinung nach jedoch der lauwarme Einstand von Protagonist Tiuri, der bisher einen ziemlich wenig charismatischen Eindruck vermittelt. Sei es der Inszenierung oder dem Schauspiel geschuldet, seine Gefährten hinterlassen direkt einen wesentlich interessanteren Eindruck und weisen deutlichere Persönlichkeitsmerkmale auf, obwohl sie insgesamt wesentlich weniger Screentime erhalten.
Fazit
The Letter for the King bietet eine hohe Produktionswertigkeit mit schicken Moment- und Panaromaaufnahmen sowie eine beliebte Vorlage. Dies schöpft man bisher allerdings noch nicht genügend aus und verfängt sich etwas in generischen Fantasystandards. Der Beginn des Abenteuers macht dabei durchaus Laune auf mehr, solange man es schafft, die Hauptfigur Tiuri in Zukunft besser in Szene zu setzen, denn seine Begleiter versprechen derzeit eine wesentlich bessere Unterhaltung als er. Dabei ist es einerseits zwar schön, wenn Nebenrollen aufgehen und die angedeutete Gruppendynamik vielversprechend ist, andererseits braucht es eine gelungene Hauptfigur, sofern man hier mehr als nur familienfreundliche Durchschnittskost als qualitatives Ziel anvisiert.
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Netflix-Serie „The Letter for the King“: