The Last Thing He Told Me: Protect Her - Review der Pilotepisode

The Last Thing He Told Me: Protect Her - Review der Pilotepisode

In der Drama-Miniserie „The Last Thing He Told Me“ auf Apple+ brilliert Jennifer Garner als verzweifelte Frau auf der Suche nach ihrem Lebensgefährten. Die erste Episode zeigt eine interessante Prämisse und verspricht Spannung, weist aber auch die eine oder andere Länge auf, wie wir finden.

Poster zur Serie „The Last Thing He Told Me“
Poster zur Serie „The Last Thing He Told Me“
© Apple TV+

Das passiert

Die Künstlerin Hannah (Jennifer Garner, Alias) könnte glücklicher nicht sein. Bald wird in einem wichtigen Magazin eine Coverstory über sie erscheinen und mit ihrem Mann Owen (Nicolaj Coster-Waldau, Game of Thrones) läuft es toll. Lediglich seine sechszehnjährige Tochter Bailey (Angourie Rice, „Spiderman -No Way Home“), die gerade mitten in der Pubertät steckt, zeigt sich hin und wieder kratzbürstig. Doch eines Tages ändert sich Hannahs Leben schlagartig, als Owens Firma vom FBI durchsucht wird und er spurlos verschwindet.

Ein Zettel, auf dem die Worte „Beschütze sie“ stehen, ist das Einzige, was von vierzehn Monaten Ehe bleibt. Hannah und Bailey müssen sich zusammenraufen, wenn sie herausfinden wollen, was geschehen ist, denn nicht nur ein US-Marshal ist hinter dem Programmierer her und beobachtet die zurückgebliebenen Frauen.

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Ambivalente Gefühle

Die Pilotfolge von The Last Thing He Told Me ist nicht ganz leicht zu beurteilen. Auf der einen Seite stehen die fabelhaften, bisweilen intensiven schauspielerischen Leistungen, die uns tief in die Figuren eintauchen lassen und eine spannende Prämisse. Auf der anderen Seite gibt es gewisse Längen im Mittelteil, die sich womöglich aber schwer vermeiden lassen. Die Serie beginnt in der seriellen Jetztzeit, in der Hannahs Mann und Baileys Vater Owen seit nunmehr vier Tagen verschwunden ist. Verzweifelt und wütend zerstört Hannah ihr Smartphone, weil sie zuvor auf ein gemeinsames Foto aus glücklichen Tagen starrte. Dann bemerkt sie plötzlich, dass ihre Stieftochter die Wohnung verlassen hat, die Person, die sie beschützen und behüten muss. Die folgende dramatische Suche nach dem Mädchen ist ein Indiz dafür, was uns in den acht Teilen des Serienevents erwarten könnte: Große Gefühle vor einem Thrillerhintergrund, der Spannung verspricht.

Ein Schnitt und eine Texteinblendung leiten den ersten Rückblick der Show ein. Vier Tage zuvor ist die Welt noch in Ordnung. Owen und Hannah sind finanziell abgesichert und führen eine zärtliche Beziehung. Die Liebe des Paars wird einen Hauch zu lang zelebriert, die Zeitspanne, bis das Drama erneut Fahrt aufnimmt hätte also durchaus etwas kürzer ausfallen können. Immerhin lernen wir aber die Figuren und ihre Lebensumstände näher kennen, ein nicht ganz unwesentlicher Faktor.

Einen Tag später bricht die Welt über der Familie zusammen. Owens Firma, ein Software-Start-up wird vom FBI untersucht, der Chef verhaftet. Plötzlich findet Hannah einen Zettel, auf dem nur die Worte „Beschütze sie“ zu lesen sind. Die Spannung steigt und die Neugier wächst. Doch gerade zieht das Pacing an, entscheidet sich Regisseurin Olivia Newman (Chicago Fire) erneut dafür, das Tempo zurückzufahren. Statt dem Drama freien Lauf zu lassen, folgen wir nun zunächst der sechszehnjährigen Bailey zur Theaterprobe und lernen ihren Freund kennen.

Erst, als Hannah vor der Bühne auftaucht, nimmt die Geschichte langsam wieder Fahrt auf, denn das Teenagermädchen findet ebenfalls einen Zettel mit einer kryptischen Nachricht. Herauszufinden, was der Vater ihr genau sagen wollte, wird eines der Rätsel sein, die es im Verlauf der Show zu entschlüsseln gilt.

Anziehender Spannungsbogen

Szenenfoto aus der Serie „The Last Thing He Told Me“
Szenenfoto aus der Serie „The Last Thing He Told Me“ - © Apple TV+

Noch schwerer wiegt aber, dass von nun an stets ein Gefühl der Bedrohung präsent ist. Stiefmutter und Tochter werden überwacht. Doch von wem und von wie vielen Parteien? Die Fragen häufen sich, was Interesse weckt und zum Weiterschauen motiviert. Nicht zu erkennende Personen, denen die Kamera aus einem im Dunkeln liegenden Auto über die Schulter schaut, Kurze, aber intensive Kamerablicke aus dem Fenster des Hausbootes heraus, auf dem die Frauen (noch) leben und einige routiniert gemachte Einstellungen mehr sorgen für das Gefühl, dass die beiden Frauen keine Sekunde mehr allein sind.

Das ist umso dramatischer, als dass Bailey in ihrem Spind im Theater zuvor eine Tasche mit tausenden Dollar fand, die ihr Vater dort für sie deponiert hat. Damit stellt sich eine weitere Frage, nämlich die, woher das Geld stammt. Hat Owen bei den Betrügereien seines Chefs kräftig mitgemischt? Oder hütet er eine dunkle Vergangenheit?

Darauf deutet jedenfalls die letzte, rätselhafte Szene der Folge hin. Plötzlich taucht ein US-Marshal am Dock auf und verspricht Hannah, ihr helfen zu wollen, wenn sie es nur zulässt. Der letzte Satz vor der Abblende weist weiterhin darauf hin, dass uns nach dem Wunsch der Serienmacher eine wendungsreiche, emotionale Geschichte bevorsteht, denn der Polizist sagt, dass Owen nicht der Mensch ist, für den Hannah ihn gehalten hat.

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Fazit

Die Prämisse ist spannend, das Schauspiel intensiv und es gibt Fragen über Fragen, die es zu beantworten gilt. Eigentlich hat The Last Thing He Told Me alles, was es für eine starke Thrillerserie braucht. Und doch ist da das ungute Gefühl, dass sich die Serie in zu vielen Längen mit endlosen Gefühlsausbrüchen verlieren könnte... Es gibt bereits einige Szenen in der Pilotfolge, die kürzer hätten ausfallen dürfen.

Die Balance zwischen dem Einführen der Figuren und der Etablierung des Mysteriums zu finden, ist nicht immer ganz einfach. Hier gelingt der wichtige Akt stellenweise nur semioptimal, was dazu führt, dass man darauf warten muss, dass endlich wieder was geschieht. Das alles soll noch nicht viel heißen. Die Story hat noch sieben Teile Zeit, sich zu entwickeln, Fahrt aufzunehmen und uns spannende und wendungsreiche Verwicklungen zu präsentieren.

Der routiniert geschriebene Plotpoint am Ende der Episode zeigt jedenfalls, dass es durchaus noch aufregend werden kann, wenn die Inszenierung bislang auch keinerlei große Überraschungen bereithält und auf Altbekanntes setzt. Den Spruch, dass diese oder jene Person nicht diejenige ist, die man glaubte, zu kennen, ist jedenfalls weder neu noch innovativ, aber immer wieder wirkungsvoll, wenn die Geschichte denn auch Taten folgen lässt. Hoffen wir, dass genau das auch geschieht.

Vier von fünf Punkten.

Hier noch der Trailer zur Serie „The Last Thing He Told Me“:

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