The Last Ship 5x10

© zenenfoto aus der The Last Ship Folge „Commitment “ (c) TNT
Gran Colombia
Die The Last Ship-Abschlussfolge Commitment lässt nicht lange mit der Action auf sich warten und beginnt mit der Landung der Truppen am zuvor ausgekundschafteten Strand Kolumbiens. Neben den üblichen Verdächtigen wie Wolf (Bren Foster), Azima (Jodie Turner-Smith, Danny (Travis Van Winkle) und Sasha (Bridget Regan) ist auch die Reporterin Nina (Jamie Gray Hyder) dabei, aus deren Sicht wir einen großen Teil des anfänglichen Angriffs zu sehen bekommen.
Und es funktioniert. Tatsächlich stellt die Landung am Strand unsere Truppen vor die größte Herausforderung und verläuft entgegen der Vorstellung, dass die Erkundung unseren Jungs einen großen Vorteil verschaffen würde, keineswegs einfach. Der Feind feuert nicht nur aus allen Rohren und mit teils schwerem Geschütz, sondern trifft auch. Nicht nur Nina wird da etwas anderes erwartet haben, deren Aufgabe es ist, uns die Orientierungslosigkeit und die Schrecken des Kampfes vor Augen zu führen (was ihr - nebenbei bemerkt - durchaus gelingt). Zwar schaffen es unsere Angreifer (erwartungsgemäß), den feindlichen Widerstand am Strand in die Knie zu zwingen, allerdings nicht ohne Verluste und größere Anstrengungen. Somit ein spannender und nicht gerade kurzer Auftakt, ehe unsere Truppen zu Lande Fuß gefasst haben.
Tavo (Maurice Compte) erreicht derweil die Botschaft, dass unsere Einsatzkräfte an seiner Tür klopfen - ganz so, wie Hector (Rigo Sanchez) und die Generäle es prophezeit hatten. Aber fängt er jetzt an, auf die eigenen Leute zu hören? Nein, natürlich nicht. Von Flucht will er nichts wissen, lässt nicht einmal Conchita (Cindy Luna) und seinen Sohn Simon (Anthony Gonzales) in Sicherheit bringen. Obendrein probiert er gar, die Zivilisten durch eine Ansprache gegen die kommenden Amerikaner zu mobilisieren - und gibt damit seinen Standort preis. Ein echtes Genie eben, welches sich im Schlussteil dieser Handlung erschießen lässt, weil Tom Chandler (Eric Dane) nicht persönlich vor ihm steht.
Aber ich will nicht unnötig auf Tavo rumreiten (obwohl, vielleicht wollte er von Tom nur ein Autogramm?) - das habe ich in den letzten Wochen schon genug. Wie gesagt, es hätte sicher bessere und würdigere Gegner geben, insofern verwundert es auch kaum, dass seinem Aufruf niemand Folge leistet. Als Widerstand bleiben nur die verbliebenen eigenen Leute am und um das Anwesen und somit hat unser Einsatzteam doch relativ leichtes Spiel.
Aber halt, Spannung ist dennoch gegeben, zumal von unserem Einsatztrupp niemand sicher ist. Denn, wenn schon jemand wie Burk (Jocko Sims) im Auftakt zum Finale draufgeht, dann tragen in Commitment auch Wolf, Azima, Danny und Sasha ein Fadenkreuz auf dem Rücken. Der wahrscheinlichste Kandidat für ein Treffen mit dem Sensenmann ist Wolf, denn Azima betreibt im Vorfeld bereits Foreshadowing, indem sie auf seine Verletzung hinweist. Als er sich dann angeschossen und angestochen gegen mehrere Angreifer durchsetzt, schwant uns sein Abgang. Im Prinzip bleibt offen, ob er nicht noch den Verletzungen erliegt. Aber so oder so spendiert er uns noch einmal sehr kampfgewaltige Szenen - was sich kaum anders erwarten ließ.

The Last Ship

An Bord der Nathan James gilt es zunächst, sich die Korvette vorzunehmen. Wieder ist es Tom, der den Angriff plant, während Slattery (Adam Baldwin) auf ein paar Bemerkungen reduziert wird. Überhaupt kommen zwar zahlreiche Figuren zum Einsatz und erhalten Auftritte, aber der Fokus liegt eindeutig auf Chandler. Einerseits ist das im Zuge des Finales verständlich, andererseits mit Blick auf alle anderen Figuren, die wir im Serienverlauf kennengelernt haben, aber sehr schade. Beispielsweise wird Kara (Marissa Neitling) nun keine Chance mehr erhalten, selbst zu zeigen, wie gut sie die Nathan James (auch im Kampfeinsatz) führen kann. Ihr bleibt am Ende nur, die Crew zum Verlassen des sinkenden Schiffes aufzufordern - soviel zur Hoffnung, sie dürfte sich wenigstens im Finale einmal beweisen.
Der Untergang der James bietet sich im Serienfinale aber geradezu an und verdeutlicht das Ende der Reise. Da wird schon ein guter Schlussstrich gezogen. Dennoch wäre mir vermutlich eine taktische Auseinandersetzung mit dem feindlichen Kriegsschiff lieber gewesen - da hätte jedes Crewmitglied noch einmal auftrumpfen können, ehe man es doch schafft, den Feind zu versenken (und trotzdem am Ende so angeschlagen ist, dass das Schiff verlassen werden muss). Schließlich sind nicht wenige Highlights der Serie den Auseinandersetzungen zur See geschuldet. Von daher tat das Auseinanderbomben der James mit einem Systemausfall nach dem anderen doch sehr weh.
Was Tom betrifft, der mit seiner Kamikaze-Aktion den Feind noch versenkt, habe ich das irgendwie kommen sehen. Zumal sich sein letzter Schachzug wieder stark auf Melvilles Meisterwerk bezieht und er es nicht lassen kann, dem „weißen Wal" entgegenzustürmen - auch wenn es den eigenen Untergang bedeuten könnte. An dieser Stelle muss ich die Autoren einmal loben, denn die Einbindung von „Moby Dick" in die Staffel ist tatsächlich gelungen. Ein Kriegsschiff, welches aus dem Nichts auftaucht und wieder verschwindet - wie der weiße Wal, der unverhofft zuschlägt, Angst und Schrecken verbreitet und anschließend auf unbestimmte Zeit abtaucht. Chandler, der am Ende geradezu besessen davon ist, das Schiff zu zerstören und es sogar spüren kann, während er sich mit sozialen und familiären Kontakten schwertut. Natürlich gab es noch mehr Parallelen zum Buch, die über die Staffel verteilt wurden - aber die jetzt alle aufzuzählen, wäre zu viel des Guten. Punkt ist: Es liegt tatsächlich nicht fern, anzunehmen, Tom könne ähnlich wie Kapitän Ahab enden und vom Kriegsschiff in die Tiefe gezogen werden.
Tom Chandler
Wird er aber nicht. Ich bin mir zwar nicht ganz sicher, was ich von den letzten zehn Minuten halten soll, aber es war auf jeden Fall schön, die bekannten (teilweise länger nicht gezeigten) Gesichter wiederzusehen. Für Rhona Mitra hat es zwar nicht gereicht (sonst hätten wir Rachels Gesicht gesehen), aber über Tex (John Pyper-Ferguson) habe sicher nicht nur ich mich gefreut. Da wird doch noch einmal vielen Figuren Tribut gezollt.
Was das Ganze sollte? Tom wird in diesen Szenen von seinem eigentlichen Problem befreit. Kein PTSD, sondern vielmehr die sogenannte survivor's guilt (Schuldgefühle des Überlebenden) ist es, welche ihm zusetzt und die er in diesem Limbo-ähnlichen Zustand überwindet. Wie gesagt, ob mir das jetzt gefällt oder nicht, kann ich nicht wirklich sagen. Nur, dass ich sicher nicht damit gerechnet habe.
Was fehlt
Mir fehlt am Ende noch ein kleiner Epilog. Der hätte gerne auch einen weiteren Zeitsprung haben können. Aber die Figuren so plötzlich zu verlassen, ohne kurz zu zeigen, was nach dem letzten Einsatz mit ihnen passiert, lässt das Finale unvollständig erscheinen. Ob nun Kara und Danny, Wolf und Azima, Sasha und Tom oder jede einzelne andere Figur, die präsenter oder weniger präsenter im Verlauf der Staffel ist - sie alle hätten noch ein paar zusätzliche Szenen „danach" erhalten können. Sei es auch nur, um sich selbst zu feiern und die gewohnte Portion Patriotismus zu zelebrieren. Sehr schade, dass dafür keine Zeit mehr blieb.
Fazit
Alles in allem bin ich sehr zufrieden mit dem Finale. Action und Spannung passte, obwohl es im Grunde genommen erwartungsgemäß verlief. Überraschungen gibt es trotzdem, und es finden sich mehr bekannte Gesichter wieder, als sich erahnen ließ. Der Untergang der James hätte vielleicht anders gestaltet werden können - ähnlich wie Toms „Selbstfindungsprozess" (so nenne ich es jetzt mal) - aber verdeutlicht sehr gut, dass die Serie nun vorbei ist. Was wirklich fehlt, ist ein Epilog für die Figuren, denn das Ende ist einfach zu abrupt - da zeigen die Autoren nicht das nötige Commitment für ihre Charaktere. Wertung? Die volle Punktzahl ist sicher nicht drin, aber da wir am Ende der Reise angekommen sind und das Finale tatsächlich genug auffährt, um mich als Finale zu überzeugen, lasse ich mal 4,5 von 5 Sternen springen.
Bleibt nur noch, kurz Danke zu sagen. Danke für fünf abwechslungsreiche Jahre an Bord der USS Nathan James, die stets durch Höhen und Tiefen gereist ist, ohne ihren Kurs aus den Augen zu verlieren. Die letzten drei Staffeln mögen vielleicht nicht an die ersten beiden herankommen, aber sind durchaus sehenswert, unterhaltsam und liefern zusätzliche Geschichten und Erweiterungen, die ich keineswegs missen möchte.
Und ihr? Wie hat euch das Finale gefallen? Passendes Ende oder doch ein Reinfall? Und wisst ihr noch, wie es damals losging?
Verfasser: Christian Schäfer am Mittwoch, 14. November 2018The Last Ship 5x10 Trailer
(The Last Ship 5x10)
Schauspieler in der Episode The Last Ship 5x10
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