The Last Ship 5x01

© ric Dane in „The Last Ship“ (c) TNT
Zeitsprung
Die erste Episodenhälfte konzentriert sich darauf, uns zu zeigen, wohin es die Besatzungsmitglieder der USS Nathan James nach der vierten Staffel verschlagen hat. Ein Großteil der Besatzung wurde befördert und findet sich in Schlüsselpositionen der noch relativ frischen, neuen Flotte der Navy wieder. Das Vulture Team - Sasha (Bridget Regan), Azima (Jodie Turner-Smith), Wolf (Bren Foster) und Danny (Travis Van Winkle) - ist in Panama auf einer Mission unterwegs, während Tom Chandler (Eric Dane) Vorlesungen hält, um die nächste Generation der Navy auszubilden.
Relativ behutsam führt uns die Folge an unsere bekannten Figuren und deren neuen Verhältnisse heran, wobei einige Festivitäten in Florida zum großen Wiedersehen einladen. Ein paar der verstorbenen Charaktere werden durch nach ihnen benannte Schiffe ins Gedächtnis gerufen - eine nette Geste -, wobei nicht nur dadurch ein gutes Maß an Rührseligkeit vermittelt wird. Viele Charaktere haben sich lange nicht gesehen, was uns ebenfalls gut aufgezeigt wird.
Ebenso bekommen wir mit, dass in den Staaten wieder ein gewisses Maß an Normalität seit der letzten drohenden Virenepidemie in Form des „Red Rust" erreicht wurde. Selbstverständlich darf hier die übliche Portion Patriotismus nicht fehlen, was sich nicht nur durch häufiges Zeigen einer bestimmten Flagge widerspiegelt. Der Militärapparat ist wieder gewachsen (wenn auch nicht riesig), was halt gefeiert wird, und es gibt jede Menge zivile Besucher dieser Festivitäten.

Foreshadowing
Dass die Situation von Friede, Freude, Eierkuchen nicht lange halten wird, ist uns natürlich schon klar, bevor wir überhaupt in die erste Episode der fünften Staffel hineinschauen. Allerdings wird mit dem foreshadowing ein wenig übertrieben. Dort finden sich dann auch die wesentlichen Kritikpunkte am Auftakt, denn der Verlauf in der zweiten Episodenhälfte wirkt dadurch nicht sehr überraschend.
Toms Vortrag an sich - nette Idee, hier abermals ein wenig griechische Geschichte/Mythologie einzubauen - hätte schon gereicht: „Peace doesn't keep itself.“ Aber durch Swain (Troy Doherty) bekommen wir gleich zwei Punkte direkt unter die Nase gerieben: Einmal, dass Tom mit seiner jetzigen Situation als „Warrior without a war“ nicht überglücklich ist. Dabei hätte er leicht kontern können, indem er beispielsweise seine Funktion als Lehrer hervorhebt. Aber das Schweigen gegenüber Swain zeigt uns bereits, dass er sich an der Front nützlicher fühlt und es für ihn als Hauptfigur der Reihe nicht lange dauern wird, ehe der nächste Einsatz oder Krieg ihn findet.
Zum anderen ist da natürlich noch die Arbeit von Swain, deren Titel unmissverständlich und im Zusammenhang mit den Eröffnungsszenen eindeutig aufzeigt, wohin sich die Staffel in Kürze entwickeln wird...
The Next Virus Will Be Cyber
Klarer kann man es dem Zuschauer kaum vermitteln. Der nächste Virus wird in Form einer Cyberattacke daherkommen und unseren Helden stark zu schaffen machen. Wobei es schon löblich ist, das Thema „Virus" in dieser Form aufzugreifen - schließlich hat man den biologischen Ableger in der Serie bereits zur Genüge und mit diversen Mutationen ausgereizt und Hackerangriffe im Allgemeinen sind nach wie vor auch ein Thema in unserer heutigen Gegenwart. Mir persönlich fällt da gleich die Ransomware „WannaCry" ein, die unter anderem der Deutschen Bahn zu schaffen machte...
Kritisieren lässt sich allerdings die Art und Weise, wie es zur deutlich angekündigten Attacke kommt. Die Software wird von einem Teenager entwickelt (Klischee schlechthin), dessen Einsatz mit dem Tod entlohnt wird (was uns zweifelsohne aufzeigt, wer die Bösen sind), ist sehr leicht einsetzbar und natürlich funktioniert die Cyberattacke super effektiv. Unsereins hätte sich da a) einen glaubwürdigeren Einsatz der Software und dessen Entwickler und b) einen weniger schwarzweißen Bösewicht gewünscht. Zumal im Falle b) die Ansprachen von Gustavo „Tavo" Burros (Maurice Compte) eine weniger eindeutige Richtung aufzeigen - hätte jedenfalls nicht geschadet, den Standpunkt von Tavo und dessen Anhängern ein wenig zu untermalen. Schließlich sind Bösewichte, deren Motive sich nachvollziehen lassen und sich in einer Grauzone befinden, für gewöhnlich die besseren. Dazu ein paar Szenen, wie von den Vereinigten Staaten Druck auf die süd- und mittelamerikanischen Länder (also abseits davon, was das Vulture Team macht) ausgeübt wird und die Sache wäre wesentlich interessanter.

Vulture Team
Vielleicht auch nicht sehr überraschend, dass der Einsatz des Vulture Team als Vorwand verwendet wird, um die Attacke von „Gran Colombia" zu rechtfertigen. Aber dieser Teil der Handlung gefällt mir deutlich besser als der Weg zur Cyberattacke. Denn anfangs sieht es tatsächlich so aus, als wollten unsere Helden den Präsidenten von Panama um die Ecke bringen, um die Kontrolle des begehrten Kanals an sich zu reißen - womit man tatsächlich von der gewohnten Schwarzweißmalerei abgewichen wäre. Sicher, ein solcher Ansatz hätte sich vom üblichen Serienschema entfernt und unsere Helden in einem weniger guten Licht dastehen lassen. Aber genau so was hätte ich mir für die letzte Staffel gewünscht.
Dennoch wird es sehr spannend werden, dem Vulture Team im weiteren Staffelverlauf zu folgen. Und an Spannung und Drama mangelt es dem Auftakt tatsächlich nicht. Statt zu versuchen, sich in die Heimat zu begeben, werden Sasha, Azima, Wolf und Danny nun probieren, sich nach Kolumbien durchzuschlagen und Tavos zuzusetzen. Minimale Chancen auf Erfolg eben, aber nun mal mit Aussicht auf gute Portionen Action mitsamt Überlebenskampf - wobei vielleicht ein paar Figuren über die Klinge springen werden, weil: letzte Staffel. Mal schauen.
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Pearl Harbor lässt grüßen
Nicht wenige Leser werden jetzt vielleicht vermuten, dass mir der Auftakt nicht so recht gefallen hat. Denn in der Tat lassen sich einige Kontrapunkte finden, wenn man die Episode genauer unter die Lupe nimmt und das (ungenutzte) Potential betrachtet. Aber glücklicherweise gibt es da noch den Unterhaltungsfaktor, die Erwartungen und somit die persönliche Gewichtung, wie stark die Kritik letztlich ausfällt.
Und, ganz ehrlich: Trotz aller Vorhersehbarkeit hat mich die Attacke doch irgendwie kalt erwischt. Da feiert der Großteil unserer Figuren ihr Wiedersehen und plötzlich wird alles in Grund und Boden geballert, ohne große Chance auf Gegenwehr (auch wenn der Feind zwei Flugzeuge verliert). Das hat schon gesessen. Ließ sich anfangs noch schmunzeln, wenn Tom ein Foto machen soll, gilt es plötzlich, Slattery (Adam Baldwin) mit der sterbenden Andrea Garnett (Fay Masterson) in den Armen zu beobachten. Das ist schon ein sehr ordentlicher Stimmungswechsel, der auch beim Zuschauer ankommt.

Obendrein wird die Serie ihrem Titel erneut gerecht, denn die USS Nathan James ist nun (mal wieder) das „letzte Schiff" - jedenfalls, sofern die anderen nicht noch irgendwie (und schnell) repariert werden. Ich bin nach diesem Auftakt sehr gespannt, wie sich die (letzte) Staffelreise entwickeln wird.
Fazit
Sicherlich nicht frei von Kritik schwimmt The Last Ship auf die letzte große Reise und Auseinandersetzung zu. Casus Belli zeigt uns relativ überraschungsarm die neue Prämisse auf, lässt es aber ordentlich (wenn auch nicht unbedingt hundertprozentig kinoreif...) krachen. Auf charakterlicher Ebene verläuft vieles erwartungsgemäß, wobei es zunächst einmal gilt, aufzuzeigen, wo die Figuren nach drei Jahren stehen. Wer die ersten vier Staffeln mochte, wird sicherlich auch hier nicht abschalten und auf das neue Abenteuer in der fünften gespannt sein. Von mir gibt es vier von fünf Sternen.
Verfasser: Christian Schäfer am Dienstag, 11. September 2018The Last Ship 5x01 Trailer
(The Last Ship 5x01)
Schauspieler in der Episode The Last Ship 5x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?