The Last Ship 3x04

© iroyuki Sanada und Adam Baldwin in âThe Last Shipâ / (c) TNT
In den Staaten
Das von Takehaya (Hiroyuki Sanada) veröffentlichte Video setzt Michener (Mark Moses) zu. Nicht nur, dass er die beiden Zerstörer, die vor Okinawa liegen, abziehen soll, damit Takehaya die Gefangenen nicht umbringt. Der Reporter Jacob Barnes (Devon Gummersall) wittert eine Verschwörung und setzt nach der Verbreitung des Videos alles daran, den PrĂ€sidenten mit unbequemen Fragen zu konfrontieren und zu diskreditieren. Da nĂŒtzt auch das kurze GesprĂ€ch, welches Barnes mit Kara Foster (Marissa Neitling) hat, nicht viel.
Es sieht ganz so aus, als wenn der Handlungsbogen in der Heimat noch eine gröĂere Rolle spielen wird. Seit Staffelbeginn wird uns Micheners PrĂ€sidentenrolle als wackelig prĂ€sentiert und auch wenn es ihm dieses Mal noch gelingt, seine Senatoren von seinem Vorhaben zu ĂŒberzeugen (obwohl sie ihm lĂ€ngst nicht alle wohlgesonnen sind), zeichnet sich bereits ab, dass er vermutlich frĂŒher oder spĂ€ter seinen Hut nehmen muss - selbst wenn die Gefangenen (verlustlos) befreit werden können.
Interessanterweise liegt Barnes nicht ganz falsch, wenn er GeheimniskrĂ€merei vermutet. Gleichzeitig ist aber offensichtlich, dass Michener nicht die Möglichkeit hat, mit offenen Karten zu spielen und die VorgĂ€nge in Asien genau weiterzugeben - damit wĂŒrde er bloĂ eine neue Panik heraufbeschwören. Der PrĂ€sident steckt hier in der Klemme und die Serie versucht offensichtlich, sich mit diesem Handlungsstrang in die Gefilde eines kleinen Politdramas zu begeben.

Aber: Ob die Ereignisse um Michener, Barnes und Co den Zuschauer auf Dauer fesseln können? Es ist ja ganz nett, dass die Macher sich hier mal an etwas anderem probieren und sie sind sichtlich bemĂŒht, beide Seiten nachvollziehbar darzustellen. Denn das Thema darum, was man an die Bevölkerung weitergibt und was man besser fĂŒr sich behĂ€lt (bis die Krise ausgestanden ist), ist nicht einfach. Aber fĂŒr eine Serie wie The Last Ship wirkt die Krise daheim dennoch leicht fehl am Platze. Oder anders ausgedrĂŒckt: Michener und Co haben nicht gerade den spannendsten Handlungsstrang. SchlieĂlich sind wir primĂ€r daran interessiert, was bei den anderen in Fernost passiert.
Im Dschungelcamp
Was man Slattery (Adam Baldwin), Jeter (Charles Parnell) und den anderen Gefangenen wirklich zugutehalten kann: Sie geben trotz aller Widrigkeiten, Drohungen und Folter nicht auf. Typisch amerikanisch (wobei das nicht negativ gemeint ist) planen sie nach erfolgreicher Weitergabe des ermittelten LĂ€ngengrads weiter daran, wie sie Chandler (Eric Dane) ihre genaue Position mitteilen können. Manchmal wirkt der Trotz zwar leicht aufgesetzt, wie zum Beispiel bei Miller (Kevin Michael Martin), der sich in seiner Lage ruhig weniger provokativ seinem Peiniger gegenĂŒber hĂ€tte geben können (da wĂ€re ihm vermutlich auch ein gebrochenes Bein erspart geblieben), aber insgesamt lĂ€dt gerade der Widerwille, den die Gefangenen an den Tag legen, zum Mitfiebern ein.
Von Takehaya erfahren wir diese Woche, weshalb er die Bluttransfusionen braucht. Die Vermutung, dass das Virus mutiert ist, lĂ€sst sich mittlerweile wohl als eine Tatsache betrachten. Der Rezensent versteht zwar nicht ganz, weshalb die Fusionen wirken (wenn auch nur vorĂŒbergehend) und das Heilmittel nicht, aber als ErklĂ€rung fĂŒr Takehayas Vorgehen passt es natĂŒrlich ins Bild. So lĂ€sst sich auch nachvollziehen, weshalb er den âRettern, die das Heilmittel brachtenâ nicht wohlgesonnen gegenĂŒbersteht. Slattery probiert zwar, auf Takehaya einzureden, aber zu diesem Zeitpunkt lĂ€sst sich (noch?) nicht damit rechnen, dass der Pirat sich auf irgendetwas einlĂ€sst. Es ist allerdings erfreulich, dass der vermeintliche Bösewicht nicht bloĂ böse ist, sondern dass wir hier aus seinem Blickwinkel einiges erzĂ€hlt bekommen, womit sich sein Verhalten erklĂ€ren lĂ€sst (wohlgemerkt: âerklĂ€renâ und nicht ârechtfertigenâ).
Insgesamt ein abermals gut gelungener Handlungsstrang. BemĂ€ngeln lieĂe sich allerdings, dass manche Dinge doch zu vorhersehbar waren beziehungsweise sind. Zum Beispiel war klar, dass Slattery trotz allem das Metallteil stibitzen wĂŒrde und auch die Art und Weise, wie sie den LĂ€ngengrad an Chandler weitergeben konnten, war nicht neu (auch wenn der Moment, als Chandler es erkennt, recht gelungen war). Weiterhin werden wir kaum ĂŒberrascht sein, wenn sie nĂ€chste Woche ein Signal abgeben können, was den anderen die Suche erleichtert. Mal schauen, ob sie es rechtzeitig schaffen oder ob das Ultimatum ablĂ€uft und es einen oder mehrere Verluste zu verbuchen gibt. Was meint Ihr: Werden alle Gefangenen befreit oder wird es nach Mason (Chris Sheffield) noch jemanden erwischen? Und falls ja, auf wen wĂŒrdet Ihr tippen?

Wir mĂŒssen erst noch tanken!
Nachdem Chandler jetzt ungefĂ€hr weiĂ, wo er nach den Gefangenen suchen muss und auch mit dem PrĂ€sidenten geklĂ€rt ist, dass er weiterhin nach eigenem GutdĂŒnken vorgehen kann („Hey, wir können doch einfach sagen, dass du von unserer Aktion nichts gewusst hast - also fĂŒr den Fall, dass was schiefgeht...“), stellt sich ihm ein neues Problem in den Weg. Die USS Nathan James braucht Sprit und die nĂ€chste (und einzige) Tankstelle in Reichweite wird von vier chinesischen Kriegsschiffen blockiert.
Man ist ja oft geneigt, der Serie einiges zu verzeihen. Aber der Besuch bei Peng (Fernando Chien) - natĂŒrlich abermals mit dem etablierten Team aus Chandler, Sasha (Bridget Regan), Wolf (Bren Foster) und Green (Travis Van Winkle) - ĂŒberschreitet dann doch zu sehr die Grenze zum LĂ€cherlichen. Oder vielleicht sind âover the topâ die besseren Worte dafĂŒr. Klar, man fliegt mal eben mit dem Helikopter (Kurzauftritt Jesse (Dichen Lachman)) zum Anwesen des chinesischen PrĂ€sidenten, dringt unbemerkt in sein GebĂ€ude ein und ĂŒberzeugt ihn, die Blockade aufzuheben. Da könnten selbst James Bond oder Ethan Hunt noch was von Tom Chandler lernen...
Aber gut, die Aktion selbst wirkt erfreulicherweise nicht ganz so hanebĂŒchen wie der Plan an sich. Es mag sich zwar die Frage stellen, wie Sasha plötzlich zur Computerspezialistin mutiert ist (das wĂ€re doch eindeutig ein Job fĂŒr Valerie (Tania Raymonde) gewesen, schnĂŒff), aber abgesehen davon lĂ€sst sich die kleine âMission Impossibleâ als gelungen bezeichnen. In erster Linie liegt das an den Leistungen der Darsteller, die ihre Rollen hier gewohnt routiniert und ĂŒberzeugend rĂŒberbringen. Da klappen dann auch solche Momente wie der zwischen Wolf und Lau Hu (Stephen Oyoung) gegen Ende.
Der Besuch selbst beantwortet Tom und uns schlieĂlich auch die Frage, ob Peng mit Takehaya unter einer Decke steckt - was nicht der Fall ist. Im Gegenteil, das Piratenproblem scheint eine der Ursachen dafĂŒr zu sein, weshalb Peng das Heilmittel nicht wie geplant verteilen konnte, womit sich ein weiteres Puzzleteil der gröĂeren Handlung zusammenfĂŒgt. Trotz der Aussprache und des nun gemeinsamen Gegners Takehaya ist aber dennoch davon auszugehen, dass die Konflikte zwischen Peng und Chandler lĂ€ngst nicht ĂŒberwunden sind. Zwar lĂ€sst der chinesische PrĂ€sident unsere Helden wieder von dannen ziehen, aber nicht ohne Eigennutz. Ihm kann es schlieĂlich nur recht sein, wenn die Amis sich jetzt um Takehaya kĂŒmmern. Wie es spĂ€ter dann weitergeht, ist eine ganz andere Sache.

Unterm Strich hĂ€tte sich hier vielleicht mehr Action erwarten lassen. Aber an Spannung hat es nicht gefehlt. Zudem waren die ErlĂ€uterungen von Peng ĂŒber Takehaya stimmig und obendrein konnte durch die Karte die Suche ein wenig eingeschrĂ€nkt werden. Jetzt mĂŒssen nĂ€chste Woche bloĂ noch die Seeminen umschifft werden und die Befreiung der Gefangenen kann in Angriff genommen werden (nachdem sie ihre genaue Position ĂŒbermittelt haben).
Fazit:
Devil May Care schaltet im Vergleich zu den Vorfolgen ein paar GĂ€nge zurĂŒck. Man könnte schon fast von einem filler sprechen, wĂŒrde man sich nur auf die (fehlenden) Actionsequenzen einschieĂen oder betrachten, wo die Gefangenen vor und nach dieser Episode stehen. Der plötzlich leere Tank der Nathan James (obwohl man ja eigentlich froh sein sollte, dass dieses Problem ĂŒberhaupt mal wieder auftritt), der weiter ausgebaute Handlungsbogen in den Staaten sowie Toms hanebĂŒchener Plan zur Auflösung der chinesischen Blockade hinterlassen nicht gerade den besten Eindruck. Dennoch kann man der Episode trotz des merklich ruhigeren Tons einiges abgewinnen. Die vermeintlichen Bösewichte Takehaya und Peng versorgen uns mit wichtigen Informationen zu ihren Rollen, die Lage fĂŒr Slattery und Co wird immer ernster und der Unterhaltungsfaktor ist weiterhin gegeben. Von mir gibt es diese Woche 3 von 5 Sternen.
Verfasser: Christian SchÀfer am Dienstag, 5. Juli 2016The Last Ship 3x04 Trailer
(The Last Ship 3x04)
Schauspieler in der Episode The Last Ship 3x04
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