The Last Ship 2x07

The Last Ship 2x07

Die Episode Alone and Unafraid liefert wieder genau das, was wir uns von der TNT-Serie The Last Ship wünschen. Hier werden keine großen Worte gemacht, hier wird gehandelt. Weil das meist routiniert inszeniert ist, kann man über manch dramaturgische Unachtsamkeit gnädig hinwegsehen.

Ned Ramsey (Nick Court) sinnt auf Rache. / (c) TNT
Ned Ramsey (Nick Court) sinnt auf Rache. / (c) TNT

Die Actionserie The Last Ship schafft etwas Bemerkenswertes, von dem ich nicht geglaubt hätte, dass es ein solches Format bei mir noch einmal hätte auslösen können. Sie lässt die amerikanische Lässigkeit und den dazugehörigen unerschütterlichen Überlegenheitsglauben in einem sympathischen Licht erscheinen. Tex (John Pyper-Ferguson) müsste mir als Figur eigentlich gehörig auf die Nerven gehen, seine Flirts mit jedweder anwesender Weiblichkeit und seine prollige Überheblichkeit bleiben aber stets unterhalb der Grenze zum Unerträglichen.

He's drunk some of the Kool-Aid

Mit den meisten anderen Charakteren verhält es sich ähnlich, wenngleich Tex derjenige bleibt, bei dem sich meine Sympathie am überraschendsten anfühlt. In der Episode Alone and Unafraid darf besagte Figur nun wieder mehrfach glänzen, wobei vor allem eine Szene genau das widerspiegelt, was ich soeben versucht habe, niederzulegen. Bevor die Action richtig losgeht, flachsen Tex und Danny Green (Travis Van Winkle) über ihr Äußeres. Danny kontert Tex' Angriff („You got that vanilla thing“) mit einem lässigen „Whatever you say, Duck Dynasty.

Das ist bis dahin schon witzig, wird aber noch besser durch die Reaktion von Tex. Er muss darüber selbst lachen und gesteht somit ein, dass Danny in diesem Moment der bessere Schlag gelungen ist. Solche kleinen Momente sind es, die dem gesamten Format ein großes Augenzwinkern verpassen, die ihm den erdrückenden Ernst vergleichbarer Serien nehmen. Das hier soll unterhalten, coole Action liefern und die Zuschauer gelegentlich zum Lachen bringen, ohne sie vor den Kopf zu stoßen. Das hier ist „good ol' wholesome American fun“, wie Tex vielleicht sagen würde.

Die von Tom Chandler (Eric Dane) angeführte Gruppe an Land sieht sich nach den Enthüllungen am Ende der letzten Episode zum Handeln gezwungen. Ravit Bivas (Inbar Lavi) glaubt zunächst, dass der von Sean Ramsey (Brian F. O'Byrne) zum Präsidenten beförderte ehemalige Minister Jeffrey Michener (Mark Moses, exzellentes Casting) gegen seinen Willen in diese Position gedrängt wurde. Chandler weiß es jedoch besser: Michener spiele mit, sei sich aber noch nicht sicher, mit wie viel Engagement er diese Rolle ausfüllen wolle.

Dem Kapitän der USS Nathan James gelingt es mit Unterstützung seiner Mannschaft, das Sicherheitsteam des neuen Präsidenten zu infiltrieren. An anderer Stelle versuchen Tex und Danny, die horrenden Experimente an gesunden Kindern zu unterbinden, die Ned (Nick Court) und Niels (Ebon Moss-Bachrach) planen. Tex wird vom skandinavischen Wissenschaftler erkannt, weshalb plötzlich alles ganz schnell gehen muss. Den darauffolgenden Schusswechsel überleben Ned und Niels verletzt, letztgenannter gerät in Gefangenschaft der Guten.

Apply pressure, dipshit

Dank des entschlossenen Einsatzes von XO Slattery (Adam Baldwin) an Bord der Nathan James schafft es das gesamte Team schließlich in Sicherheit. Ein Helikopter transportiert sie zurück zum Schiff, wo die restliche Crew damit beschäftigt war, das stets in gefährlich naher Distanz lauernde feindliche U-Boot auszumanövrieren. Dr. Rachel Scott (Rhona Mitra) führt ihre Experimente dort indes nicht an Menschen, sondern an Laborratten durch. Sie plant, das Heilmittel auf dem Luftweg zu verteilen, um eine möglichst breite Streuung zu garantieren.

Bevor eine sichere Verteilung gewährleistet werden kann, muss aber weiterhin die größte Gefahr für die USS Nathan James beseitigt werden: die Gebrüder Ramsey und ihre durchgeknallte U-Boot-Crew. Unter Wasser herrscht einmal mehr helle Aufregung, weil in diesem Söldnerhaufen niemand dem anderen über den Weg traut und die einzige echte Führungspersönlichkeit, Sean, durch Abwesenheit glänzt. Am Ende der Episode, nachdem sowohl sein Spitzenforscher als auch seine Führungsmarionette entführt wurden, scheint er sich dem Drängen seines kampfbereiten Bruders zu beugen. Wolle man selbst überleben, müsse man die Nathan James angreifen und zerstören.

Chandler plant indes etwas Ähnliches wie sein neues Feindbild - nur unter anderen Vorzeichen. Auch er will die „hearts and minds of America“ gewinnen. Jedoch verfolgt er nicht das Ziel des persönlichen Machtzuwachses, sondern der Rettung Amerikas - oder gleich der ganzen Welt. Es ist keine neue, revolutionäre Geschichte, es ist einfaches Gut-gegen-Böse-Fernsehen. The Last Ship macht das aber mit einer solch ausgewogenen Mischung aus Überzeugung, Charme und Witz, dass ich davon bestens unterhalten werde, ohne ständig den mahnenden Kritikerfinger erheben zu müssen.

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 27. Juli 2015

The Last Ship 2x07 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 7
(The Last Ship 2x07)
Deutscher Titel der Episode
Allein unter Wölfen
Titel der Episode im Original
Alone and Unafraid
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 26. Juli 2015 (TNT)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 27. Juli 2015
Autoren
Hank Steinberg, Steven Kane, William Brinkley
Regisseur
Nelson McCormick

Schauspieler in der Episode The Last Ship 2x07

Darsteller
Rolle
Adam Baldwin
Charles Parnell
Travis Van Winkle
Christina Elmore
Bren Foster

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