The Last Ship 2x03

Das cold open der neuen The Last Ship-Episode It's Not a Rumor deutet eine neue Bedrohung an, die sich im Laufe der Folge ausformuliert. Der mit einem russischen Schlauchboot an einem Strand Floridas gelandete Niels (Ebon Moss-Bachrach) erweist sich dabei als immun gegen das tödliche Virus, das die Welt ins Chaos gestürzt hat. Neben diesen kurzen Ausflügen ist die Episode aber gekennzeichnet vom inneren Kampf der Protagonisten um die richtige Entscheidung - bei der Familie bleiben oder sich dem Schicksal der Welt widmen?
You're Noah and that ship is your arch
Dabei wird offenbar, dass die Stärken der Serie eher im Plotfortschritt denn in der Charakterarbeit liegen. Letztgenannte verharrt in der bekannten Schwarz-Weiß-Zeichnung, was nicht überrascht, aber doch ins Gewicht fällt, wenn kaum etwas anderes passiert. Tom Chandler (Eric Dane) überlegt kurzzeitig, das Schiff zu verlassen und bei seiner Familie in Norfolk zu bleiben, wird dann aber sowohl von seiner höchst uneigennützigen Tochter Ashley (Grace Kaufman) als auch seinem ebenso pflichtbewussten Vater Jed (Bill Smitrovich) zur abermaligen Umkehr überredet - von letzterem gar mit biblischer Überzeugungskraft.
Die Emotionen der übrigen Crewmitglieder könnten indes gespaltener nicht sein. Alisha Granderson (Christina Elmore) macht sich selbst Vorwürfe über das Schreckensregime ihrer Mutter und die toten Kameraden, die dessen Sturz forderte. Was CMC Jeter (Charles Parnell) nicht an Aufbauarbeit zu leisten vermag, schaffen am Ende Chandler und Kara Foster (Marissa Neitling), die Alisha zum Lieutenant befördern und damit aus der Depression befreien. So einfach geht's manchmal.
Foster kann sich glücklich schätzen: Als einzige Protagonistin findet sie in Norfolk, dem Standort des größten Stützpunktes der US-Marine, ein Familienmitglied wieder. Ihre Mutter hat sich während ihrer Abwesenheit von einem männerjagenden Nichtsnutz zu einer Stütze der Überlebendengemeinschaft gewandelt. Außerdem beweist sie nahezu hellseherische Fähigkeiten. Am Ende verrät sie Kara, dass sie natürlich über deren Schwangerschaft und den dafür Verantwortlichen, Danny Green (Travis Van Winkle), Bescheid weiß.
Weniger Glück bei der Suche nach ihren Nächsten haben Andrea Garnett (Fay Masterson) und Mike Slattery (Adam Baldwin). Erstgenannte erhält die traurige Gewissheit, dass sämtliche Mitglieder ihrer Familie dem Virus zum Opfer gefallen sind. Für Slattery besteht hingegen weiterhin Hoffnung. In einem verlassenen Camp findet er Spuren seiner Familie. Tex (John Pyper-Ferguson) macht zaghafte Anstalten, ihn zum Bleiben zu überreden, stößt aber schnell auf entschiedenen Widerstand. Wenn man Tom Chandler als Vorbild hat, kann man sich Momente der Schwäche einfach nicht leisten.
This is our destiny
Wir erfahren überdies, dass auch Tex eine Tochter hat, nach der er während seiner kurzen Fahnenflucht in Baltimore suchen wollte. Nun hat er aber erkannt, dass der beste Weg, seinen Liebsten zu helfen, die Verbreitung des Heilmittels ist. So erklärt er es auch Dr. Rachel Brooks, die nach einem erfreulichen Auftakt erfährt, dass ihr Freund Michael als verschwunden gilt. Immerhin kann sie ihren Mentor Dr. Hunter (Timothy Landfield) zu den Überlebenden rechnen. Und vielleicht wird es ja doch noch was mit Tex, erste zarte Flirtversuche werden von den beiden jedenfalls schon wieder unternommen.
Momentan würde die Lage sehr positiv aussehen, wäre da nicht die aufkeimende Bedrohung eines neuen Sektenführers (Patrick Brennan). Im floridianischen Port St. Lucie verkündet er seiner Gefolgschaft, dass sie etwas Besonderes seien, weil sie das Virus überlebt hätten: „We are the chosen.“ Niels ist mittlerweile dort gelandet und lässt sich von der Rhetorik ebenso einnehmen wie Curtis (Travis Hammer). Sie wissen außerdem über die USS Nathan James und ihre Ambitionen Bescheid - von ihren Zuträgern, die angeblich überall sitzen.
Ob diese Ansammlung verlorener Gestalten wirklich zu einer Bedrohung für das Schlachtschiff werden kann, muss sich erst noch zeigen. Nach der schnellen Erledigung des Baltimore-Handlungsbogens macht The Last Ship in dieser Episode erst mal eine größere Verschnaufpause und versucht, die Zeit mit Charakterzeichnung zu überbrücken. Das gelingt nur rudimentär, weil die Serie nicht darauf ausgelegt ist, komplexe Figuren in den Mittelpunkt zu stellen. Um besser zu funktionieren, braucht sie einen Actionbeat nach dem nächsten, so wie in der ersten Staffel. Momentan bestehen meinerseits aber keine Zweifel daran, dass uns bald wieder ordentliche, militärisch stramm inszenierte Action serviert wird.
Verfasser: Axel Schmitt am Dienstag, 30. Juni 2015The Last Ship 2x03 Trailer
(The Last Ship 2x03)
Schauspieler in der Episode The Last Ship 2x03
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?