Kritik der neuen TBS-Comedy The Last O.G. mit Tracy Morgan und Tiffany Haddish

© iffany Haddish und Tracy Morgan in „The Last O.G.“ (c) TBS
In den Credits der neuen TBS-Comedyserie The Last O.G. lassen sich allerhand berühmte Namen finden: Tracy Morgan, Tiffany Haddish oder Jordan Peele. Letztgenannter ließ sich zusammen mit John Carcieri die Idee für das Format einfallen, ist aber ansonsten nicht mehr aktiv daran beteiligt, da er zwischen Schöpfung und Ausstrahlung (ein Zeitraum von ungefähr zwei Jahren) einen solch kometenhaften Aufstieg hingelegt hat - für das Drehbuch seines Horrorfilms „Get Out“ wurde er kürzlich mit einem Oscar prämiert -, dass er nun keine Zeit mehr hat für TV-Projekte.
Never sacrifice your family for the life
Hauptdarstellerin Haddish gelang nach ihrer Rolle in der kurzlebigen NBC-Comedy The Carmichael Show ein ähnlich durchschlagender Erfolg. Vor allem dank ihres Auftritts in der Filmkomödie „Girls Trip“ zählt sie derzeit zu den gefragtesten Schauspielerinnen des witzigen Fachs. Entsprechend groß war die Begeisterung des Publikums im Paramount Theatre in Austin, Texas, wo die Serie ihre Premiere feierte - wir haben darüber bereits knapp berichtet. Der größte Star des Formats bleibt allerdings Tracy Morgan, der hier nach einem lebensgefährlichen Autounfall zum ersten Mal wieder als Hauptdarsteller zu sehen ist.
Er spielt die Rolle des „Last O.G.“ Tray, der in der Nacht des ersten „American Idol“-Finales ins Gefängnis wandert, weil er bei einem kurzfristig anberaumten Drogendeal erwischt wurde. Seine Freundin Shay (Haddish), seine große Liebe, hat ihn kurz zuvor noch gewarnt, den Lockrufen des schnellen Geldes nicht nachzugeben. Nun muss er den bitteren Preis dafür bezahlen, der in den USA auch bei einer kleinen Drogenmenge bereits eine langjährige Haftstrafe bedeutet. Ganze 15 Jahre muss Tray absitzen, bis er wieder die Luft eines freien Mannes atmen darf.
In dieser Zeit hat sich an seinem Heimatort Brooklyn vieles, wenn nicht sogar alles, verändert. An Straßenecken, wo früher mit Drogen gehandelt wurde, warten jetzt in Drogendealer-Outfits gekleidete Hipster darauf, von ihren Freunden zum Brunch abgeholt zu werden. Wie viele andere Knastis auch hat sich Tray vorgenommen, seine negativen Erfahrungen als Warnsignal für junge Leute einzusetzen, die den gleichen falschen Pfad betreten. Allerdings fehlt es in Brooklyn mittlerweile an Gangsternachwuchs, so dass seine hehren Ziele an der Realität zerschellen.

Daraus lässt sich viel komödiantisches Material filtern, wovon Peele, Carcieri, Morgan und Regisseur Jorma Taccone (Teil der „Lonely Island“-Crew) eifrig Gebrauch machen. Die Witzdichte von The Last O.G. ist so hoch, dass beinahe zwangsläufig einige missratene dabei sind. Voller Begeisterung und mit seiner typischen Intonation verkündet Morgan beispielsweise einen Mutterwitz, der vor zehn Jahren vielleicht gut angekommen wäre, heute aber nicht so recht zünden will. Ähnlich verhält es sich mit einer mehrmals wiederholten Anspielung auf Gefängnisvergewaltigungen.
Get it, boy
In der Pilotepisode seien dem Kreativteam solche Fehltritte jedoch verziehen. Das fällt denn auch nicht allzu schwer, da die meisten anderen Witze voll ins Schwarze treffen, wie zum Beispiel Trays maßlose Selbstüberschätzung bezüglich seiner im Gefängnis angeeigneten Kochkünste: „I might be the best chef the world has ever known.“ Die meisten Lacher haben bei mir jedoch die vielen bunten Nebenfiguren provoziert. Zu nennen wären dabei vor allem der Leiter des Übergangshauses, ein ambitionierter, aber talentfreier Comedian namens Mullins (Cedric the Entertainer), Trays schwer übergewichtiger Bettnachbar Big Country (Joel Marsh Garland) oder sein „Cousin“ Bobby (Allen Maldonado), Bruder seines ermordeten Dealerkumpels Clyde.
Das größte Ärgernis für Tray ist die einfache Tatsache, dass Shay nicht auf ihn gewartet hat, was ihm eigentlich früher hätte auffallen müssen, da sie ihn in 15 Jahren kein einziges Mal besucht hatte. Als er sie zum ersten Mal aufsucht, kann er kaum glauben, was er sieht. Shay ist offenbar so erfolgreich, dass sie sich ein brownstone in einer teuren Wohngegend leisten kann. Das alleine wäre ja begrüßenswert, wenn da nicht auch noch der weiße boyfriend Josh (Ryan Gaul) wäre. Immerhin: „He writes voice-overs for Anthony Bourdain.“
Letzteres erfährt Tray, als er eine von Shay organisierte Benefizveranstaltung besucht. Dort wird ihm auch bewusst, dass er und Shay gemeinsame Zwillinge haben, die kurz vor seinem Weggang gezeugt worden waren. Fortan dürfte es für Shay noch schwieriger, wenn nicht sogar unmöglich werden, Tray aus ihrem Leben herauszuhalten. The Last O.G. beginnt charmant und glänzt mit einer hochmotivierten Schauspielerriege, die das bisweilen plumpe Material mit vollem Engagement auf ein höheres Niveau bugsiert. Die nächsten Episoden müssen zeigen, ob diese Formel zu nachhaltigem Erfolg führen kann.