The Kominsky Method: Review der Pilotepisode

© erienposter von „The Kominsky Method“ (c) Netflix
Nach Jane Fonda und Lily Tomlin dürfen nun in The Kominsky Method die Männer auf Netflix ihre Erfahrungen beim Älterwerden in die Welt hinaustragen. Und dank des glänzenden Duos Michael Douglas und Alan Arkin, deren Energien hervorragend harmonieren und deren bittersüße Dialoge auf den Punkt genau sitzen, gelingt dieses Projekt auf äußerst unterhaltsame Art und Weise. Nicht minder beteiligt am vielversprechenden Ton der Serie ist der Comedy-erfahrene Schöpfers Chuck Lorre (The Big Bang Theory, Roseanne, Mom) hinter der Kamera.
Ich zögere ein wenig damit, „The Kominsky Method“ als reine Comedy zu bezeichnen. Sie ist vielmehr ein humorvolles Auseinandersetzen mit ernsthaften Themen über Freundschaft, Liebe, Krankheit, Tod und natürlich dem Älterwerden. Dabei treffen sich Witz und Rührseligkeit, Albernheit und Tragödie stets auf ein und demselben Punkt. Komische Pointen kommen in Momenten der Trauer, zynische Aussagen entschärfen seriöse Situationen und trotzdem wirkt es niemals unpassend. Ganz im Gegenteil. Arkin und Douglas sprechen ihre Sätze mit einer Natürlichkeit und Präzision, die nicht viel Spielraum für Verbesserungen lassen. Die Raffinesse, mit der gleichsam über das Alter gelacht und reflektiert wird, nimmt den Zuschauer auf genau diese gegensätzliche und doch kompatible Gefühlsreise mit. Dass die Sachverhalte so nah am Leben stehen, erleichtert den Zugang und das Hineinfühlen in die Figuren und deren innere Welten. Da wiederum die für viele mit Furcht und Bedrückung behafteten Themen auf unumgängliche, trockene und augenzwinkernde Art und Weise verarbeitet werden, kann auch beim Betrachter wohltuend wirken. Es ist nichts Neues, dass sich Menschen durch Eintauchen in Fantasiewelten mit eigenen Ängsten und Wünschen auseinandersetzen. Und wer hat nicht schon einmal mit möglichst großem Respekt ans Älterwerden gedacht? Bei all den Veränderungen und Einschränkungen, die das Alter mit sich bringen kann, ist es wundervoll zu sehen, wie schon Grace und Frankie und nun Sandy und Norman ernsthaft und humorvoll diesen Lebensabschnitt betreten und genießen.
Douglas spielt Sandy, einen bekannten Schauspiellehrer, deren Schüler so facettenreich wie das Leben selbst sind. Aufstrebende junge Menschen, die unsicher ihrem Lehrer nacheifern wollen, sich damit auseinandersetzen, wie man am besten für ein Shampoo Werbung macht oder lediglich bei Fragen einfach verstummen, nehmen bei ihm Unterricht. Sein langjähriger Agent und Freund Norman lebt mit seiner kranken Frau zusammen und braucht ihn ganz besonders, als diese den Kampf gegen den Krebs verliert. Gemeinsam gehen sie nun den letzten Lebensabschnitt. Schauspielerin Sarah Baker, die Sandys Tochter spielt, und Nancy Travis, die die Rolle von Sandys Schülerin Lisa übernimmt, sind im Piloten zunächst nur schmückendes Beiwerk. Die Serie lebt von den Unterhaltungen, Scherzen und Sticheleien zwischen Douglas und Arkin. Sie sind die Würze und bescheren dem Zuschauer die besten Momente. Ihr Umgang ist grummelig, aber in den wichtigen Momenten liebevoll und verlässlich. Sie sprechen ehrlich, direkt und unverblümt miteinander. Als Sandy von seiner neuesten Flamme Lisa berichtet und betont, sie sei nur halb so alt wie er, feuert ihm Norman entgegen: „Halb so alt wie du ist trotzdem alt."
Generell sei gesagt: Eigentlich bin ich kein Comedyfan. Ich habe mich oft darauf eingelassen, aber gepackt hat es mich nur selten. Wenn eine Comedy allerdings so durchdacht und tiefgründig ist, wenn Humor auf Drama trifft, wenn sich Leichtigkeit und Schwere ablösen, das alles zu einer gut funktionierenden Geschichte vereint und von talentierten und passenden Schauspielern getragen wird, dann kann ich mich durchaus mit als Comedy bezeichneten Serien anfreunden. Weil „The Kominsky Method“ in mir Lachen und Nachdenklichkeit ausgelöst hat und weil ich den beiden Hauptdarstellern gern zugesehen habe, vergebe ich für die Pilotepisode vier Sterne.