The Hot Zone: Kritik zur Seuchenserie mit Julianna Margulies

© ulianna Margulies in „The Hot Zone“ (c) National Geographic
Wer hat schon Angst vor Vampiren, Werwölfen und Zombies, wenn da draußen echte Monster lauern, die für Millionen Menschen den Tod bedeuten könnten und die obendrein auch noch unsichtbar sind, so dass man sie im Falle ihrer Ankunft zunächst nicht einmal bemerken würde? Nachdem uns bereits die HBO-Miniserie Chernobyl in den Bann zog, die sich um den sowjetischen Super-GAU von 1986 dreht, will uns nun auch der National Geographic mit dem Seuchendrama The Hot Zone schlaflose Nächte bereiten. Im Mittelpunkt steht das gefährliche Ebolavirus.
Genau wie Chernobyl erzählt auch The Hot Zone eine wahre Geschichte, die sich damals in den 1980ern ereignete. Die Serie basiert dabei auf dem gleichnamigen Bestseller von Richard Preston. Die Regie der sechsteiligen Adaption übernimmt Michael Uppendahl, der zuvor auch an Mad Men, American Horror Story und The Walking Dead mitwirkte. Das Drehbuch zur Pilotepisode, die den Titel Arrival (1x01) trägt und die in den USA nun am gestrigen Memorial Day erschien, stammt unter anderem von James V. Hart („Dracula“, „Dr. Frankenstein“, „Hook“). Ist sie einen Blick wert?
The Monster Has Returned
Nach einer kurzen Eröffnungssequenz in der wunderschönen Serengeti Kenias und in einem afrikanischen Flugzeug, was uns erstmals mit dem Schrecken von Ebola vertraut machen soll - und das mit Erfolg! -, lernen wir unsere Heldin kennen: die Virologin Dr. Nancy Jaax, gespielt von Julianna Margulies (The Good Wife). Sie und ihr Gatte Lieutenant Colonel Jerry Jaax (Noah Emmerich, The Americans) genießen ein vergleichsweise ruhiges Familienleben, in dem die größte Gefahr darin besteht, sich hin und wieder mal am Küchenmesser zu schneiden (dazu später mehr). Doch Nancy hat schon andere Tage erlebt, als sie damals mit ihrem Mentor Wade Carter (Liam Cunningham, Game of Thrones) gegen die tödlichsten Krankheiten der Welt kämpfte. Droht nun ihr nächster Einsatz an der Front?
Aus einem Primatenlabor in den Vororten von Washington, D.C. trudeln eines Tages Proben ein, die für Nancy und ihr Team zunächst einen Routineablauf nahelegen: zählen, wiegen, messen. Anfangs lässt sie sogar ihren Schüler Ben (Paul James) die Analyse der Krankheitserreger übernehmen. Aber dann kippt plötzlich die Stimmung und es macht sich Panik breit, zumindest bei Nancy. Für sie ist das Ganze nun ein Fall für die sogenannte Hot Zone, in der nur die gefährlichsten Viren untersucht werden und in der ein einziger Schutzanzug nicht mehr ausreicht. Damit sie dort jedoch nicht still und leise das tut, was sie als Wissenschaftlerin eben so tut, nimmt sie vorher noch den ahnungslosen Soldaten Sergeant Kyle Ormund (Lenny Platt) mit, dem sie stellvertretend für die Zuschauerinnen und Zuschauer alles Stück für Stück erklären kann.

In der Hot Zone angekommen, wird nun der Schnitt an ihrer Hand, den sich Nancy zu Beginn der Episode in der heimischen Küche zugezogen hatte, wieder wichtig. Ausgerechnet auf diese Hand tropft das verseuchte Blut, als sich das Reagenzglas als undicht erweist. Der nächste Moment der Panik für Nancy, die sich - obwohl ihr Charakter auf einer echten Nancy Jaax basiert, die gemeinhin als Heldin verehrt wird - überraschend ungeschickt anstellt. Kein Wunder, dass ihr Vorgesetzter Colonel Vernom Tucker (Robert Wisdom) sie nach diesem Vorfall degradiert. Aber wenigstens scheint sie sich an dem Virus nicht angesteckt zu haben, das sie zu diesem Zeitpunkt längst für Ebola hält - auch, wenn ihr natürlich niemand glaubt.
Auch Jerry ist wütend. Während sie von ihrer Pflicht gegenüber der Gesellschaft spricht, die in ihren Augen in ernster Gefahr sein könnte, falls das Epizentrum in Washington nicht ordnungsgemäß versiegelt wird, spricht er etwas klischeehaft von ihrer Pflicht gegenüber der Familie. Ein weiteres Stereotyp ist der von Cunningham porträtierte Altmeister, der sich widerwillig zur letzten großen Schlacht überreden lässt. Insgesamt erscheint das Drehbuch des betagten Autors Hart an manchen Stellen etwas zu sehr der „guten alten Schule“ zu entsprechen, mit leeren Worthülsen und überdramatisierten Wendungen. Dasselbe gilt aber auch für die Regie. In dieser Hinsicht ist Chernobyl, das aufgrund der thematischen und zeitlichen Nähe beider Serien immer wieder als Vergleichsobjekt herhalten muss, deutlich subtiler und authentischer.
Wie zu erwarten, nimmt Nancy die Sache am Ende übrigens selbst in die Hände und fährt persönlich nach Washington, um sich ein Bild von dem kontaminierten Labor zu machen. Ihre Befürchtungen werden sogar noch übertroffen, denn das dortige Personal scheint sich nicht im Geringsten den möglichen Gefahren bewusst zu sein. Als sie um weitere Proben bittet, kommt ihr Kontaktmann Frank (Nick Searcy) sogar mit zwei toten Affen in Müllsäcken um die Ecke, die er in seinem Kofferraum verstaut hat. Immerhin hat er sie doppelt eingepackt - und er hat wirklich sein Bestes getan, wie er selbst beteuert. Armer Frank, denn er könnte das erste zivile Opfer in den USA werden...
Fazit
Serien, die reale Katastrophen für Unterhaltungszwecke missbrauchen, haben meist einen bitteren Beigeschmack. Im Gegensatz zur Kernschmelze in Chernobyl waren die Ausmaße des 1989 in Reston, Virginia entdeckten Ebolavirus, um das es nun in The Hot Zone geht, zum Glück deutlich geringer. Vielleicht sahen der Regisseur Michael Uppendahl und sein Autor James V. Hart auch deshalb die Notwendigkeit, die Ereignisse im Labor etwas dramatischer darzustellen, als sie vermutlich tatsächlich stattgefunden haben. Bei der HBO-Miniserie war das jedenfalls nicht nötig, da die wahre Geschichte selbst schon überaus dramatisch war. Dennoch gelingt es dem neuen Sechsteiler des National Geographic selbstverständlich, Spannung aufzubauen. Der namhafte Cast rund um Julianna Margulies dürfte ein Übriges tun.
Hierzulande wird „The Hot Zone" vermutlich im September beim hiesigen National-Geographic-Ableger laufen. Wir halten Euch auf dem Laufenden.
Hier abschließend der Trailer zur Seuchenserie „The Hot Zone":
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