The Honourable Woman 1x01

Schon die ersten zehn Minuten der Pilotepisode The Empty Chair machen deutlich, von welchem Kaliber die Serie The Honorable Woman ist, nämlich wunderbar gefilmt, bezaubernd gespielt und fesselnd in Szene gesetzt.
Worum es geht?
Nessa (Maggie Gyllenhaal, „Donnie Darko“) und Ephra (Andrew Buchan, Broadchurch) sind die Kinder eines israelischen Waffenhändlers, ihre Mutter haben sie früh verloren. Wir treffen die beiden zum ersten Mal in jungen Jahren als ihr Vater in einem vollbesetzten Restaurant vor ihren Augen erstochen wird und begegnen ihnen 29 Jahre später wieder. Auf einem Festbankett erfahren wir durch eine Rede Nessas, wie die zurückliegenden Jahre gelaufen sind. Aus dem Waffenhandel ihres Vaters haben die beiden Kinder ein zukunftsorientiertes Unternehmen gemacht, dass sich aktiv für den Ausbau der elektronischen Vernetzung zwischen Israel und dem Westjordanland einsetzt, indem es eine passende Infrastruktur schafft.
Wir sehen, in welch schwierigem Umfeld die ganze Geschichte stattfindet. Nessa wählt für die Zusammenarbeit einen Partner, übergeht dabei jedoch den langjährigen Partner ihrer Familie, weil seine Vergangenheit das Unternehmen politisch ins falsche Licht rücken und damit gefährden könnte. „Es ist der Nahe Osten; Shlomo. Feinde sind das; was man macht.“ („It's the Middle East; Shlomo. Enemies is what you make.“) sagt sie dem wütenden Familienfreund.
In der ersten Hälfte der Pilotepisode zeigt Nessa sich selbstbewusst, sie hat die Zügel in der Hand und die Fähigkeiten, sie zu behalten. Weder die Konfrontation mit dem Familienfreund noch ein Interview mit kritischen Fragen bringen sie in Verlegenheit. Sie bleibt verständig, hält an der Sache fest und fällt dabei nie aus ihrem charmanten Rahmen.
Doch dann bekommen wir in einem eingeschobenen Blick in die Vergangenheit, eine neue Facette der Figur gezeigt. Nessa hat einen Terroristenanschlag überstanden, bis Atika (Lubna Azabal) entführt wird, die Frau, die nun auf die Kinder von Nessas Bruder aufpasst und diejenige ist, die Nessa auffängt, wenn sie einen Zusammenbruch erleidet.
Hinter den Kulissen kommen Geheimnisse zum Vorschein, von denen wir in der Pilotepisode nur einen Hauch mitbekommen. Doch eins wird deutlich: Nessa schläft in einem Safe Room, so ganz ohne Narben sind der Mord an ihrem Vater und der Terroranschlag nicht an ihr vorbeigegangen. Hinter der starken Fassade, die sie aufgebaut hat um das Geschäft zu führen, liegt einiges im Argen.
Wer ist dabei?
Die The Honorable Woman-Autoren vermeiden es geschickt, uns Zusammenhänge auf dem Silbertablett zu servieren. Das ist schon beachtlich für eine Pilotepisode, die ja erst einmal die Aufgabe hat, genau diese Zusammenhänge in möglichst kurzer Zeit zu etablieren. Doch die Serienmacher gehen in diesem Fall noch ein bisschen darüber hinaus, zu fast jeder Figur, jedem Blick in die Vergangenheit erzählen sie uns einen kleinen Tick zu wenig um wirklich zu verstehen. Auf diese Art bleibt Raum für Geheimnisse und Mysterien, was einen Teil des Charmes der Pilotepisode ausmacht.
Auch der Ephra scheint nicht ganz so introvertiert zu sein wie er sich in der Pilotepisode The Empty Chair gibt. Er hat ein Geheimnis, das von einer mysteriösen Frau geteilt wird, die plötzlich die Nähe seiner Schwester sucht.
Eine Figur, die bisher noch am Rande steht, aber auch dank des Schauspielers bereits so viel Charisma entwickelt hat, dass man interessiert ist, ist der Nahe-Osten-Chef des MI-6, Hugh Hayden-Doyle (Stephen Rea, „V For Vendetta“, „Underworld: Awakening“). Sein neuer Job hat ihn offenbar seine große Liebe gekostet, genaues weiß man nicht, doch mitfühlen kann man trotzdem als er niedergeschlagen seine Mikrowellenmahlzeit aufreißt.
Doch besonders interessant ist die Fülle an mysteriösen Frauen, von denen wir bisher nur wenig erfahren. Neben der bereits erwähnten Atika ist auch die Figur Monica Chatwin (Eve Best, Nurse Jackie) einen zweiten Blick wert, die Ephras Geheimnis bewahrt und eine unbekannte Vergangenheit mit beiden Geschwistern teilt, von der Nessa selbst jedoch offenbar nichts weiß.
Die Pilotepisode wirft einen interessanten, manchmal gar magisch wirkenden Handlungsstrang auf, der sich um Ephras kleinen Sohn Kassim dreht. Der Junge macht sich schon in der Eingangsrede seiner Tante auf die Suche nach interessanteren Orten und wird von Atika schließlich in der Großküche des Lokals gefunden. Sein zweiter Ausflug am Ende der Episode The Empty Chair verläuft nicht so glücklich. Auch wenn sie versuchen nicht mehr Teil des Problems im Nahen Osten zu sein, wie Nessa betont, die schwierige Situation hat die Familie Stein fest im Griff.
Fazit
Die Pilotepisode The Empty Chair zieht uns schon nach den ersten zehn Minuten in eine spannende Welt voller Geheimnisse, interessanter Figuren und komplizierter Zusammenhänge. Die The Honorable Woman-Autoren treffen den richtigen Ton, in jeder Hinsicht, die Schauspieler tragen ihres dazu bei, die Episode zu einer fesselnden Stunde zu machen. Ein Touch zu viel Melodram verwandelt sich in diesem Traumteam aus Politik und Familiengeschichte in eine passende Portion Mysterium.
Trailer zur Serie „The Honorable Woman“
Verfasser: Serienjunkies.de am Freitag, 4. Juli 2014The Honourable Woman 1x01 Trailer
(The Honourable Woman 1x01)
Schauspieler in der Episode The Honourable Woman 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?