The Haunting of Hill House: Review der Pilotepisode

The Haunting of Hill House: Review der Pilotepisode

Wie ist es so, im bekanntesten Geisterhaus in ganz Amerika aufzuwachsen? Dieser Frage geht die neue Netflix-Serie The Haunting of Hill House auf den Grund, die Figuren mit mehr Tiefgang hat, als man es in einer Horrorserie zuerst vermuten würde.

Das namengebende Geisterhaus (c) Netflix
Das namengebende Geisterhaus (c) Netflix
© as namengebende Geisterhaus (c) Netflix

Worum geht es?

Steven Crain (Michiel Huisman, Game of Thrones) ist das älteste von fünf Geschwistern und ein erfolgreicher Horrorautor, der Menschen aufspürt, die Geister gesehen haben wollen. Als seine labile kleine Schwester Nell (Victoria Pedretti) sich meldet und beteuert, dass ihr Bruder Luke (Oliver Jackson-Cohen) in Gefahr ist, konfrontiert das Steven mit seiner Kindheit in dem unheimlichen Hill House. Stevens Eltern Hugh (Henry Thomas) und Olivia (Carla Gugino) wollten das alte Haus renovieren und dann weiterverkaufen, aber der Sommer in der Villa nahm ein tragisches Ende und hinterließ tiefe Spuren bei jedem Mitglied der Familie. Nun, zwanzig Jahre später, scheinen sich die Ereignisse im Hill House zu wiederholen.

Die schlechten alten Zeiten

Die Geschichte der Familie Crain wird nicht linear erzählt, sondern spielt auf mehreren Zeitebenen. In Rückblicken sieht man kurze Ausschnitte aus dem Leben der Familie im Hill House, was neue Einblicke in das Geheimnis des Hauses, aber auch in das Verhältnis der fünf Geschwister gewährt. Da wäre einmal die kleine Nell (Violet McGraw), die von einer Frau mit „krummen Nacken" träumt. Außerdem eine ominöse rote Tür, die abgeschlossen ist und hinter der man nur einen Schatten erkennen kann. Und natürlich das Ereignis, das überall in den Zeitungen stand und das keiner aus der Crain-Familie vergessen kann: die Nacht, in der Olivia starb. Aber wie genau es dazu kam, wird (jedenfalls in der Pilotfolge) nicht klar.

Szenenbild aus der Pilotfolge von The Haunting of Hill House
Szenenbild aus der Pilotfolge von The Haunting of Hill House - © Netflix

Familienbande

Der Fokus der ersten Episode liegt auf Steven, der sich durch sein erstes Buch mit seiner ganzen Familie zerstritten hat. Vor allem Shirley (Elizabeth Reaser), die zweitälteste der Geschwister, ist kein bisschen von seinem Buch begeistert. Steven glaubt offensichtlich nicht an Geister und ist davon überzeugt, dass alle übernatürlichen Phänomene mit Wissenschaft erklärt werden können. Er sagt selbst, dass er noch nie einen Geist gesehen hat. (Das ändert sich allerdings am Ende der Episode, wie schon der Name des Piloten verrät.) Er erinnert sich nur, wie sein Vater ihn eines Nachts aus dem Bett zog und die Familie - ohne seine Mutter - aus dem Haus flüchteten. Später wird ihr Tod in dieser Nacht als ein Selbstmord deklariert. Trotzdem lassen ihn seine Erinnerungen nicht los, so ist er doch auf der Suche nach Geistern und schreibt ein Buch nach dem anderen über unerklärliche Dinge.

Neben ihm bekommt der Zuschauer auch seine Geschwister und seinen Vater Hugh (Timothy Hutton) näher vorgestellt. Die Zwillinge Nell und Luke, die bereits als Kinder schon am stärksten von Albträumen (oder Geistern?) heimgesucht wurden, sind auch jetzt noch tief geprägt davon und bekommen ihr Leben nicht auf die Reihe. Nell kommt kaum aus ihrer Wohnung und Luke hat ein großes Drogenproblem. Die psychischen Narben der Schwestern Shirley und Theodora (Kate Siegel) sind nicht ganz so offensichtlich, aber trotzdem präsent.

Der schockierende Schluss der ersten Episode lässt keinen Zweifel daran, dass alle Familienmitglieder zurück in das Hill House kommen und versuchen, dem Geheimnis dort auf den Grund zu gehen. Wie genau ihre vergangenen Erlebnisse, die rote Tür und das Haushälter-Paar Herr und Frau Dudley mit allem zusammenhängen, wird sich hoffentlich in den weiteren Folgen zeigen.

This is Us auf Horror?

Verantwortlich für die Serie ist zu großen Teilen Mike Flanagan („Ouija“), der alle zehn Episoden geschrieben, geschnitten sowie für die ganze Serie Regie geführt hat. Er sagte in einem Featurette von Netflix zur Serie, dass er „hofft, die Zuschauer werden die wirklich komplexe menschliche Geschichte akzeptieren, die zufälligerweise in der Hülle einer Horrorserie steckt.“ („I hope audiences will absolutely embrace a truly complex human story that happens to be wrapped in the skin of horror.“) Dieser Balanceakt ist ihm gelungen. Ich für meinen Teil bin gespannt, was hinter dem Horror des Hauses steckt, aber mehr gespannt, wie die Menschen so geworden sind, wie sie jetzt sind, und ob sie ihre Vergangenheit (und die Monster des Hill House) überwinden können.

Fazit

Der Pilot der Serie The Haunting of Hill House legt mehr Wert auf Charakterentwicklung und atmosphärische Spannung als auf grässliche Bilder und erzählt dabei eine packende Geschichte über Traumata und wie sie Menschen formen. Ein etwas langsamer Start, der aber reichlich Interesse an einer potentiell fantastischen Serie weckt, die Familiendrama mit klassischem Gothic-Horror mischt.

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