Was macht man, wenn der Vater seine Kinder stets zum gegenseitigen Konkurrieren anstachelt? Und was passiert, wenn aus der Erbschaft ein Wettbewerb wird? Diesen Fragen geht die neue FOX-Comedy The Goodwin Games nach.

Die Goodwin-Geschwister in „The Goodwin Games“ / (c) FOX
Die Goodwin-Geschwister in „The Goodwin Games“ / (c) FOX

Benjamin Goodwin (Beau Bridges) ist ein Mann voller Geheimnisse. Nicht nur hat der 72-jährige Mathe-Professor seinen Kindern jahrelang verschwiegen, ein millionenschweres Vermögen angehäuft zu haben. Ihm gelingt es auch, kurz vor seinem Tod eine elaborierte Videoserie aufzunehmen, die in minutiösen Details und unter Abwägung aller Handlungsalternativen auf nahezu jede Eventualität eingeht und von seinen drei Kindern Coney (Becki Newton), Jimmy (T.J. Miller) und Henry (Scott Foley vollen Einsatz erfordert.

Denn nur der oder die beste Goodwin wird das alleinige Erbe erhalten. Unter dieser Maxime hat der Vater seine Kinder schon von früh an erzogen: Nur der Beste, Stärkste und Klügste wird belohnt und gewinnt seine volle Anerkennung. Auch wenn er alle seine Kinder lieb hat, und das immer wieder betont, belebt gesunder Wettbewerb doch seiner Meinung nach das Familienleben und beflügelt alle zu Bestleistungen.

Die Goodwins und ihr besonderes Erbe

Die Trauerfeier für den Vaters bringt die drei Geschwister wieder zusammen. Dort erhalten sie eine geheimnisvolle Einladung zur Testamentsverlesung, die denjenigen auszuschließen droht, der zu spät erscheint.

Henry ist ein erfolgreicher Arzt, der offenbar alles kann und alles weiß und selbst nach der Nachricht vom Tod seines Vaters noch eine Operation stemmen kann, ohne von seinen Emotionen übermannt zu werden. Auf dem Papier wirkt Henry also wie der perfekte Erbe.

Jimmy ist der Versager der Familie, der bisweilen auch schon mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist, schon im Gefängnis saß und eine kleine Tochter hat, die er aber nur sehen kann, wenn er sich, von ihrer Mutter unbemerkt, in ihr Zimmer schleicht. Und auch dann ist er eine Enttäuschung: Er jubelt der eigenen Tochter gestohlene Dinge als Geschenke unter. Auch finanziell ist es um Jimmy nicht gut bestellt. Da kommt so ein Millionenerbe äußerst gelegen. Aber ist es für ihn die nötige Arbeit auch wert?

Coney ist eine angehende Schauspielerin, die als Kind eine Karriere in der Wissenschaft anstreben sollte, ehe ihre rebellische Phase diese Pläne zunichte machte. Auch sie könnte das Geld gut gebrauchen und scheint diejenige zu sein, die am meisten gewillt ist, die Herausforderungen des Vaters in Angriff zu nehmen. Außerdem scheint sie früh auf der Gewinnerstraße zu sein und gewisse Wettbewerbsvorteile zu haben. Vielleicht auch, weil sie sich am ehesten an die gemeinsame Vergangenheit erinnern kann.

Die Testamentsvollstreckerin April Cho (Melissa Tang) weiht die Geschwister über das Vermögen des Vaters ein und nennt die nötigen Bedingungen, um an das alleinige Erbe zu kommen. Die erste Hürde stellt eine besondere Version des Gesellschaftsspiels „Trivial Pursuit“ dar: Die Fragen drehen sich nur um die eigene Familienvergangenheit. Die zweite Hürde stellt Elijah (Jerrod Carmichael) dar, eine für die Geschwister wildfremde Person, die der Vater als „Wildcard“ eingesetzt hat. Falls die drei Goodwins nämlich versagen, geht das Geld an ihn.

Wie sich bald herausstellt, stoßen die drei schnell an ihre Grenzen. Die Männer brechen das Spiel vorzeitig ab, weil man sich währenddessen in die Haare kriegt. Gewinnt damit Coney das Spiel? Für einen Moment könnte man das annehmen. Doch auch damit hat der Vater gerechnet und entsprechende Vorbereitungen getroffen...

Das Comedy-Stiefkind der Season 2012/2013

Nach der Sichtung des Piloten muss man sich fragen, warum so stiefmütterlich mit The Goodwin Games umgegangen wurde. Spätestens nach der Absetzung von Ben and Kate hätte man die Comedy durchaus ins Programm nehmen können. Gewisse Ähnlichkeit sind nämlich vorhanden. Auch bei „Ben & Kate“ ging es etwa um ein unkonventionelles Geschwisterpaar. Auch spielt in beiden Serien ein kleineres Kind eine Rolle. Beide wirken wie warme Familiencomedys, beide spielen mit Flashbacks auf die Kindheit der Protagonisten an. Vielleicht liegt hier aber auch schon die Antwort. Wenn eine Serie nach diesem Muster auf dem Sendeplatz nicht funktioniert hat, wird das wohl eine zweite, ähnlich gestaltete auch nicht tun. Schade eigentlich. Denn The Goodwin Games ist bei weitem nicht die Katastrophe, die man nach der Kürzung von dreizehn auf sieben Episoden sowie der Verschiebung des Serienstarts nach den Upfronts hätte erwarten können.

Natürlich muss erst einmal in groben Pinselstrichen deutlich gemacht werden, wie unterschiedlich die Geschwister im Erwachsenenalter doch sind. Es hilft auch, dass man durch Flashbacks einige wichtige Familienmomente erlebt, die die Eigenschaften noch unterstreichen. Geschickt wird etwa Coneys Morsecodelesefähigkeit eingeführt, nur um einige Minuten später darauf Bezug nehmen zu können und den Moment im Piloten zu schaffen, der die Weichen für eine anschließende Fortsetzung legt.

Natürlich ist das reichlich konstruiert, aber auch das sollte man ja von Serienpiloten gewohnt sein, denn irgendwie muss es weitergehen. Auch Henrys harte Schale könnte sich bald als Fassade herausstellen, wie das Gespräch mit seinem ehemaligem Schwarm Lucinda Hobbes (Kat Foster) andeutet. Während Jimmy bereit ist, sich mit dem Erbe ändern zu wollen, wie seine Geste, die gerade verdienten 50 Dollar in ein ehrlich gekauftes Geschenk für seine kleinen Tochter zu investieren, nahelegt. Die Nebenfiguren April (vor allem die ihr manchmal entgleisende Mimik) und Elijah (sofern dieser nach seinem „Gewinn“ noch einmal auftaucht) bringen zumindest ein paar Schmunzler. Wer genau ist dieser Elijah eigentlich?

Gimmick

The Goodwin Games ist vordergründig eine Gimmickcomedy oder gar eine High-Concept-Serie. Auf Anhieb fallen dem Rezensenten wenige US-amerikanische Comedys ein, deren Prämisse auf ähnliche Weise funktioniert. Zugegeben: Die Serienschöpfer zeichnen für How I Met Your Mother, die Gimmick-Comedy überhaupt, verantwortlich. Und natürlich gibt es Beispiele wie Worst Week und dem kommenden Mixology, die sich ebenfalls eines Gimmicks bedienen.

Bei The Goodwin Games geht damit auch die Tatsache einher, dass man sich als Zuschauer damit abfinden muss, dass Benjamin Goodwin sich vor seinem Tod die Zeit genommen hat, wochen- oder monatelang Tapes aufzunehmen, Hinweise zu platzieren und die Reaktionen seiner Kinder genauestens vorherzusagen. Das verzeiht man einer solchen Serie sicherlich eher als einem Drama-Pendant.

Ein Gimmick kann durchaus vergnüglich sein, wenn man denn die Ideen hat, um das Konzept zu unterstützen. Das Trivial-Pursuit-Spiel ist schon einmal ein netter Einfall. Sofern es die Autoren schaffen, in den verbleibenden sechs Episoden ähnliche nette Einfälle einfließen zu lassen und die Geschichte um das Erbe abzuschließen, wäre The Goodwin Games sicherlich ein schönes Experiment, das beweisen könnte, dass auch US-Comedys als Mini-Serien (DAS Buzzwort im Moment) funktionieren können.

Fazit

Die Single-Camera-Comedy The Goodwin Games macht einen ordentlichen ersten Gesamteindruck - auf jeden Fall einen besseren als die Querelen um den Serienstart haben vermuten lassen. Neben dem besonderen Gimmick der Serie darf natürlich eine großzügige Portion Herz-Schmalz auch nicht fehlen. Und am Ende der Folge steht, für einen Serienpiloten typisch, die Bedingung im Raum, dass die drei Geschwister in die alte Heimat zurück ziehen müssen. Für Coney und Jimmy sicher kein Problem. Gespannt kann man allerdings sein, wie Henry als erfolgreicher Chirurg damit klar kommt. Im serienarmen Sommer kann man den „Goodwin Games“ also bestimmt sechs weitere halbe Stunden gönnen, wenn einem der Pilot zugesagt hat.

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