
Ganz abgesehen davon, ob man auf politische Konflikte und Anwaltsstorys in Serie „übersetzt“ steht, handelt es sich bei The Good Wife und sehr gut in Szene gesetztes Drama.
Ein Jahr nach dem misslungenen Canterbury's Law versucht sich die vor allem als Carol Hathaway aus Emergency Room bekannte Julianna Margulies erneut in einer TV-Serie. Und diesmal scheint es so, als würde sie etwas länger verweilen, als die damaligen sechs Episoden.
Während in Canterbury's Law mehr ihre Beine als ihr Gesicht im Bild zu sehen waren (was einerseits schlecht, andererseits gut war), bestimmt Margulies hier von der ersten bis zur letzten Sekunde schauspielerisch die Szene. Wieso sage ich zum wiederholten Mal Szene? Weil The Good Wife einer Aneinanderreihung von brillanten Kammerspielstücke gleicht. Und das meine ich durchaus positiv.
Diese Serie lebt von der schauspielerischen Leistung und von den Dialogen. Was letztere betrifft, balanciert man sehr geschickt zwischen dem Banal-Melodramatischen und dem Pointierten. Aber auch ohne Worte kommuniziert Margulies anhand des Ausdrucks ihrer Augen oder der Art, wie sie ihren Kopf neigt, mit uns Zuschauern und vermittelt Informationen über ihren emotionalen Zustand und über den emotionalen Inhalt der entsprechenden Szene.
Die in ihrer Rolle brillante Margulies spielt Alicia Florrick, deren Ehemann der Politiker Peter Florrick (Chris Noth, Sex and the City) wegen eines Sex- und Korruptionsskandals ins Gefängnis wandert. Die beiden haben zwei Kinder im Teenageralter (verkörpert von Makenzie Vega und Graham Phillips).
Die Schöpfer der Serie, Michelle und Robert King, haben es geschafft, eine subtile und nuancierte Erzählung über das Thema „Everywoman facing disaster“ zu kreieren. Na gut, so ganz stimmt das mit der „everywoman“ nicht, da Alicia vom Beruf her - bevor sie alles für ihren Ehemann aufgab - Anwältin war und außerdem keine schlechte.
Das zeigt sie in ihrem allerersten Fall, den sie für eine hochkarätige Anwaltskanzlei in Chicago übernimmt. Ein alter Freund von Alicia (und ein potentieller „Mehr-als-ein-Freund“) verschafft ihr die Möglichkeit, wieder in ihren Beruf einzusteigen. Sie muss nach 12 Jahren Abwesenheit aus dem Gericht mit der jungen, festangestellten Privatermittlerin ihrer Firma, Kalinda (Archie Panjabi), zusammenarbeiten. Dabei wurde Kalinda von Alicias Ehemann bei ihrem früheren Job entlassen, und sie kommentiert Alicias letzten Auftritt in einem Gerichtssaal folgendermaßen: „Wow, I was 12!“
Alicia wird unter die Fittiche einer der Top-Damen der Kanzlei genommen, Diane (genauso perfekt in ihrer Rolle - Christine Baranski). Die benutzt Sätze wie „We women have to stick together“, und damit vermutlich das Gegenteil meint. Zudem muss Alicia um ihre Stelle gegen den jungen Cary (Matt Czuchry) konkurrieren.
Zu guter Letzt muss sie mit der Problematik ihres inhaftierten Ehemanns auseinandersetzen, die anscheinend mehr beinhaltet als zunächst gedacht, mit den vom ganzen Medientheater traumatisierten Kinder und einer übermotivierten Schwiegermutter. All ihre Probleme sind am wenigsten selbstverschuldet, aber Alicia muss damit leben und umgehen.
Und Margulies bringt ihren Teil glanzvoll über die Bühne. Ihr Gesicht ist in so vielen Szenen wie ein sorgfältig arrangierter Blumenstrauß an Emotionen, der nur das Nötigste und nur stückchenweise freigibt. Uns Zuschauern wird so eindeutig das Gefühl vermittelt, dass diese Frau sich für jede Sekunde zusammenreißen muss, um eine Stunde ihres Lebens zu ertragen. Aber sie versucht es und das neue CBS-Drama ist dadurch mehr als nur ein Antesten wert.
Oder wie der Richter in dieser Episode zu Alicia sagte: „Keep trying, Mrs. Florrick. You'll hit on it.“ Dasselbe gilt für The Good Wife!