The Good Mothers 1x01

© Disney+
Noch eine Mafia-Serie? Wer jetzt schon die Augen verdreht und das Genre nicht mehr sehen kann, sollte einfach weiterlesen, denn The Good Mothers ist keine klassische Vertreterin der brutalen und meist nur mit männlichen Macho-Protagonisten gespickten Serien, wie wir Serienjunkies sie seit Jahren aus Italien zu sehen bekommen. Mit dem fast schon profan anmutenden Perspektivwechsel, einmal die Frauen der Mafia in den Fokus zu rücken, gelingt es der Hulu-Produktion, eine interessante neue Dramaserie zu liefern.
Worum geht es eigentlich?
„The Good Mothers“ basiert auf dem gleichnamigen Roman des Journalisten Alex Perry aus dem Jahre 2018. Die Geschichte dreht sich um verschiedene Frauen, die auf unterschiedliche Weise mit der kalabrischen Mafia 'Ndrangheta verknüpft sind und basiert auf wahren Begebenheiten. Das Seriengeschehen beginnt 2010 mit dem Verschwinden von Lea Garofalo (Micaela Ramazzotti), die gemeinsam mit ihrer Tochter Denise (Gaia Girace, bekannt aus My Brilliant Friend) ihrer mafiösen Familie entfliehen will.
Giuseppina (faszinierend: Valentina Belle)) hat es derweil nicht nur mit ihrem brutalen Ehemann zu tun, während die junge Staatsanwältin Anna Colace (Barbara Chichiarelli) mithlfe dieser und einigen anderen involvierten Frauen versucht, die kriminellen Machenschaften zu beenden.
Stephen Butchard („Bagdad nach dem Sturm“, The Last Kingdom) verantwortete das Drehbuch, während Julian Jarrold (The Crown) und Elisa Amoruso („Sirley“) die Regie übernahmen. Produziert wurde das Format von House Productions (Sherwood) und Wildside.
Wie kommt es rüber?
Auf der diesjährigen Berlinale konnte sich die italienische Dramaserie „The Good Mothers“ im starken Wettbewerb mit insgesamt sieben internationalen Serien durchsetzen und gewann den erstmals von einer Fachjury verliehenen Series Award als Beste Serie.
Außergewöhnlich an der Produktion ist nämlich, dass durch die Betrachtung der weiblichen Figuren in dem altbekannten Milieu der Mafia ein neues und faszinierendes Werk entsteht, das man so vielleicht gar nicht kannte oder wusste, dass man es kennenlernen wollte...
Die Berlinale-Series-Chefin Julia Fidel sagte im Interview mit SERIENJUNKIES.DE®, dass „die Landschaften in dieser Serie Protagonisten sind und die Protagonistinnen zu Landschaften werden.“ Diese sind in The Good Mothers auf einmal karge Bergdörfer in Kalabrien, die ärmlich und verdreckt daherkommen und beklemmend auf die Frauen und die Zuschauenden einwirken.
Die Protagonistinnen - allen voran Giuseppina - erhalten darin ganz viel Raum für die Entfaltung von Gefühlen, Ängsten, aber auch Hoffnung, mit den Kindern den Zwängen zu entfliehen. Auch wenn die Serie manches Mal theatralische oder gar „soapige“ Elemente vorweist, holt die hervorragende Kameraarbeit und das kompakte Schauspiel des Casts die „guten Mütter“ zurück in ein einfühlsames Serienerlebnis.
Fazit
„The Good Mothers“ besticht durch seinen simplen, aber brillanten Perspektivwechsel eines altbekannten Seriengenres. Auch wenn die Pilotepisode an manchen Stellen einige „träge“ und fast zu kitschig-dramatische Elemente vorweist, lohnt es sich, zumindest noch die zweite Episode zu konsumieren. Denn dieses Doppelpack wurde im Februar von der Rezensentin auf der Berlinale gesehen - und dann entfaltet sich die Stärke der Serie...
Ein weiblicher Hauptcast war selten so faszinierend in den Räumen und Zwängen der kargen und bedrohlichen Bergdörfer Kalabriens anzuschauen. Während wir in Deutschland oftmals Crime-Dramen in schönen Landschaften bestaunen, entfaltet sich hier tatsächlich die eindringliche Betrachtung der weiblichen Protagonistinnen der Mafia zu blühenden (Serien-)Landschaften, die mehr als nur eine schmückende Ergänzung sind.
Die sechs Episoden der ersten Staffel von „The Good Mothers“ sind seit dem heutigen 5. April auf Disney+ via Star zu sehen.
Hier das Podcast-Interview mit Julia Fidel von der Berlinale Series:
Und hier abschließend noch der Trailer zur Serie „The Good Mothers“:
Verfasser: Hanna Huge am Mittwoch, 5. April 2023(The Good Mothers 1x01)
Schauspieler in der Episode The Good Mothers 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?