The Good Lord Bird 1x01

The Good Lord Bird 1x01

Dass der Showtime-Siebenteiler The Good Lord Bird eine der besten Serien des Jahres werden würde, war wohl keine allzu große Überraschung. Überraschend ist, wie viel Humor sich Ethan Hawke im Historiendrama erlaubt.

The Good Lord Bird (c) Showtime
The Good Lord Bird (c) Showtime
© he Good Lord Bird (c) Showtime

Filmstar Ethan Hawke wagt sich endlich ebenfalls ins Seriengeschäft. Nicht nur übernimmt er die Hauptrolle in der siebenteiligen Showtime-Miniserie The Good Lord Bird, zusammen mit Mark Richard (Hell on Wheels) hat er das aufsehenerregende Format sogar eigenhändig kreiert und geschrieben. Dabei hat das Duo den gleichnamigen James-McBride-Roman von 2013 adaptiert, der die größtenteils wahre Geschichte des Sklaverei-Gegners John Brown erzählt.

Das Themenfeld Abolitionismus bietet viele kulturelle Tretminen, doch The Good Lord Bird beweist gleich in den ersten Sekunden der Pilotepisode namens Meet the Lord, dass wir uns keine Sorgen machen müssen. Hawke und Richard sind sowohl klug genug, um das Klischee des sogenannten White Savior nicht unbewusst zu bedienen als auch taktvoll genug, um das historisch aufgeladene N-Wort nicht nur zum Spaß zu gebrauchen (wie etwa Quentin Tarantino in „Django Unchained“). Trotzdem macht die Serie erstaunlich viel Spaß - aber eben die Art Spaß, bei der man sich nicht schämen muss...

Worum geht's?

The Good Lord Bird beginnt Mitte des 19. Jahrhunderts, kurz vor dem Sezessionskrieg. Eingeführt werden wir vom Point-of-View-Protagonisten Henry Shackleford - gespielt von Youngster Joshua Caleb Johnson, dem eine große Karriere bevorstehen dürfte. Bei der Figur handelt es sich um das Kind afroamerikanischer Sklaven, das leider mitten in die Hochphase einer der brutalsten Perioden der Geschichte der Vereinigten Staaten geboren wurde, die man auch als „Bleeding Kansas“ kennt. Anhänger und Gegner der Sklaverei lieferten sich erbitterte Gefechte und Schwarze Menschen waren meist die Opfer.

Henry hat Glück im Unglück, denn er landet in den Händen von John Brown (Hawke) - einem der spannendsten Charaktere, die man sich nur vorstellen kann und der wundersamerweise erst jetzt von Hollywood entdeckt wurde. Er gehört nämlich zur Sorte Crazy Genius, der wahrscheinlich auch Jack Sparrow oder Doc Brown angehören. Einerseits ist er ein blutrünstiger Religionsfanatiker, andererseits glaubt fest an die Gleichheit aller Menschen. Klar ist: Bei all dem Kämpfen hatte der alte John keine Zeit, das neue Testament zu lesen. Er hält sich daher an das Alte Testament und folgt dem Mantra „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ - doch, da auch wir die rassistischen Sklaventreiber leiden sehen wollen, geht das irgendwie in Ordnung...

Showtime
Showtime - © Showtime

Gleichzeitig erinnert Johns Squad an (historischen Gründen geschuldet natürlich) hauptsächlich weißen Freiheitshelden ein wenig an Robin Hood. Gesetze scheinen für die kleine Armee an Abolitionisten nicht zu gelten, nur das Wort Gottes. Dennoch ist Henry anfangs schockiert von der Tabulosigkeit der Truppe und fürchtet sie selbst. Schließlich muss er aber einsehen, dass er keine andere Überlebenschance hat, als sich an John und seine Vogelfreunde zu halten. Als Zuschauer müssen auch wir uns erst an den etwas unorthodoxen Stil von Hawkes Hauptfigur gewöhnen. Ein klassischer Held ist er ganz sicher nicht, doch dafür ist er umso unterhaltsamer, was auch der grandiosen, wirklich grandiosen Darbietung des Schauspielers geschuldet ist.

Der schwierige Spagat zwischen der (dem sensiblen Thema angemessenen) Ernsthaftigkeit und Akkuranz und dem dialogbasierten Wildwesthumor, der fast an die brillanten Werke der brillanten Coen-Brüder erinnert, ist schlussendlich allerdings die größte Leistung von The Good Lord Bird. Wobei auch die Inszenierung des Regisseurs Albert Hughes („The Book of Eli“), der diesmal ausnahmsweise abseits von seinem Zwillingsbruder Allen aktiv wurde, wenig Wünsche offen lässt.

Boyhood“-Fans werden außerdem applaudieren, weil der Schauspieler Ellar Coltrane wieder als Hawkes Sohnemann mitspielt. Obwohl das größte Lob unter den Nebendarstellern fraglos Hubert Point-Du Jour als personifizierter Badass Bob verdient. Freuen kann man sich außerdem auf den „Hamilton“-Star Daveed Diggs als Geschichtslegende Frederick Douglass, während der Sonnyboy Wyatt Russell (Lodge 49) durchaus eine gute Figur als First Lieutenant J. E. B. Stuart macht.

Fazit

Alles in allem könnte der Auftakt von The Good Lord Bird kaum vielversprechender sein. Der Showtime-Siebenteiler beseitigt mit seiner ersten Episode sämtliche Sorgen, dass das Geschichtsdrama, das in Anbetracht der gegenwärtigen politischen Zerrissenheit der USA relevanter denn je erscheint, in die üblichen Fallen einer derart heiklen Adaption tappen könnte. Bedanken dürfen wir uns für dieses Serienhighlight 2020 bei Ethan Hawke, der nicht nur als Hauptdarsteller über sich hinaus wächst, sondern auch als Drehbuchautor. Diese super Serie schafft die perfekte Symbiose aus Unterhaltung und Bildung!

Hierzulande geht The Good Lord Bird übrigens am 6. November beim deutschen Pay-TV-Sender Sky Atlantic auf Sendung.

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Showtime-Miniserie The Good Lord Bird:

Hier kannst Du „The Good Lord Bird: A Novel“ bei Amazon.de kaufen

Verfasser: Bjarne Bock am Dienstag, 6. Oktober 2020

The Good Lord Bird 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(The Good Lord Bird 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Im Namen des Herrn
Titel der Episode im Original
Meet The Lord
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 4. Oktober 2020 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 6. November 2020
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 6. November 2020
Regisseur
Albert Hughes

Schauspieler in der Episode The Good Lord Bird 1x01

Darsteller
Rolle
Ethan Hawke

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?