The Gold: Review zur Pilotepisode - jetzt im Stream bei Paramount+

© BBC/Tannadice Pictures/Sally Mais
Das passiert in der Serie „The Gold“
Am 26. November 1983 überfällt in The Gold der stadtbekannte Gauner Micky Parry (Sean Harris) mit fünf Komplizen das Lagerhaus nahe dem Londoner Flughafen Heathrow der Sicherheitsfirma Brink's Mat. Sein Ziel: circa eine Million Pfund in verschiedenen Währungen zu erbeuten. Doch statt des Geldes findet die Gang drei Tonnen Goldbarren im Wert von 26 Millionen Pfund.
Zuerst sehen sich die Gangster am Ziel ihrer Wünsche, doch schnell merken sie, dass sich eine so große Menge Gold nicht ohne Weiteres zu noch mehr Geld machen lässt. Doch dann tritt der Hehler Kenneth Noye (Jack Lowden) auf den Plan und schon bald ist auch der zwielichtige Anwalt Edwyn Cooper (Dominic Cooper) involviert, der finanziell von der reichen Familie seiner Frau abhängig ist und endlich auf eigenen Beinen stehen möchte.
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Just Another Heist (?)

Neben dem großen Eisenbahnraub vom 8. August 1963 ist der Überfall auf das Brink's-Mat-Lager die wohl bekannteste Heist-Story Englands. Kein Wunder also, dass sich die BBC in Zusammenarbeit mit Paramount+ ausgerechnet diesen Fall herausgepickt hat, um daraus eine sechsteilige Miniserie zu machen.
Tatsächlich bieten sowohl der Tathergang als auch die Ereignisse in den Tagen danach reichlich Ausgangsmaterial für packende Unterhaltung. Showrunner Neil Forsyth (Guilt) hält sich in der Pilotfolge mit dem sinnigen Titel To Be a King denn auch gar nicht lange bei der Vorrede auf, sondern lässt die Geschichte mit dem ansehnlich inszenierten Überfall beginnen. Damit ist die Voraussetzung für eine verzwickte Geschichte geschaffen, die sich im ersten Teil von „The Gold“ vornehmlich zwischen den Ermittlern DCI Brian Boyce (Hugh Bonneville), Nicky Jennings (Charlotte Spencer) und Tony Brightwell (Emun Elliot) sowie der Gangstercrew und ihren Helfershelfern abspielt.
Boyce wird dabei als harter Hund porträtiert, der zunächst den Fall vom Flying Squad an sich reißt, die beiden Beamten Tony und Nicki aber schließlich für sich arbeiten lässt. Interessant ist, dass Jennings die Tochter eines einschlägig vorbestraften Kriminellen ist, denn Boys einst selbst hochgenommen hat; schade, dass Forsyth aus dieser Steil-Vorlage in der Pilotfolge nicht mehr als eine kurze Randnotiz macht.
Erste Erfolge
Dafür haben Boyce und sein kleines Team aber entsprechend der wahren Begebenheiten schnell die ersten Verdächtigen an der Leine, denn den Polizisten wird schnell klar, dass die Verbrecher einen Spitzel innerhalb der Security-Firma gehabt müssen. Nur zwei Tage später nehmen sie ausgerechnet den Mann fest, der als einziger während der Tat verletzt wurde.
Die zur Verhaftung führende Schlussfolgerung ist dabei logisch konstruiert, wenn auch nicht sonderlich überraschend. Dennoch kommt auf diese Weise ein wenig Tempo bei „The Gold“ ins Spiel, denn schon bald singt der Angestellte Josef (Robert Wright) wie ein sprichwörtliches Vögelchen und führt das Copteam zu Micky.
Ab hier schleppt sich die Pilotfolge ein Stück weit so dahin, da zunächst neue Figuren eingeführt werden müssen, die das Gold in bare Münze umwandeln sollen. Der Hehler Kenneth hinterlässt unterdies einen grundsätzlich sympathischen, schlitzohrhaften Eindruck - eine Charakterisierung, die auf den Anwalt Edwyn Cooper so gar nicht zutreffen will...
Die Figur ist durch und durch korrupt, unmoralisch und unsympathisch angelegt, was von Schauspieler Dominic Cooper (Preacher) dementsprechend an das Publikum herangetragen wird. Als dritter Antagonist in der illustren Runde gesellt sich mit Gordon Parry (Sean Harris) ein weiterer Gauner hinzu, der inzwischen Wind davon bekommen hat, dass die Polizei auf vollen Touren arbeitet.
Das Spiel beginnt
Was nun losgeht, ist ein Spiel gegen die Zeit. Werden die noch nicht verhafteten Gangmitglieder es schaffen, das Gold zu verkaufen und sich abzusetzen, bevor man ihnen auf die Schliche kommt, oder sammeln die Ermittler schnell genug alle nötigen Beweise, um die Räuber dingfest zu machen?
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Jeder der Beteiligten hat in The Gold viel zu verlieren. Boyd weist darauf hin, dass das Geld in falsche Hände kommen könnte, Cooper will mit seinem Anteil des gewaschenen Goldes in Immobilien investieren und sich endlich von der Familie seiner Frau freimachen und Gordon der Ungerechtigkeit seiner Existenz entfliehen.
Vor allem der Dialog in der letzten Szene der Pilotfolge, in der er mit dem inhaftierten Micky über Könige und Untertanen philosophiert, spricht Bände. Denn Parry wähnt sich vom Leben betrogen. Stets war er auf der Seite der Verlierer, derjenigen, die als Untertanen unter dem mächtigen König Ungemach und Knechtschaft erfuhren. Mit dem Geld, so schwadroniert er, könne er nun selbst die Krone ergreifen und zum König werden. So schön dieser Dialog an sich auch geschrieben ist, ob es solch einer Holzhammerrhetorik bedurft hätte, um die Motive der Täter zu verstehen, sei einmal dahingestellt. Unterhaltsam ist das Ganze dennoch, also Schwamm drüber.
Fazit

Die Pilotfolge von „The Gold“ ist im Großen und Ganzen unterhaltsam, weist aber im Mittelteil ein paar Längen auf, die man sicherlich hätte umgehen können. Dennoch ist die Figurenkonstellation gut zusammengestellt, die Handlung ist interessant und die Inszenierung zwar nicht überragend, aber angemessen für eine Serie wie diese.
Wer auf großangelegte Action und Hetzjagden in London setzt, wird vermutlich enttäuscht sein, wer aber eine figurenlastige Geschichte erleben möchte, die zudem noch auf wahren Ereignissen basiert, ist hier genau richtig. Vier von fünf Goldbarren.
Hier abschließend noch ein aktueller Originaltrailer zur nun auch in Deutschland neu gestarteten Serie „The Gold“: