The Girl From Plainville: Review der Pilotepisode

© he Girl from Plainville (c) Hulu/NBCUniversal
Die Hulu-Produktion The Girl From Plainville ist der neueste Streich der True-Crime-to-Drama-Mafia. Dieses Mal wird der Fall des Teenagers Conrad Roy III erzählt, der einen Freitod starb. Seiner Freundin, Michelle Carter, wurde vorgeworfen, ihn in den Selbstmord getrieben zu haben. Die beiden waren in einer Fernbeziehung, die vor allem aus Textnachrichten bestand. Die Serie verfolgt den Fall vom Tod bis zum Ende des Prozesses gegen Michelle.
Wovon handelt die Serie The Girl From Plainville
Zu Beginn der Pilotepisode sucht Lynn Roy (Chloe Sevigny) ihren Sohn, den achtzehnjährigen Conrad Roy III (Colton Ryan). Schnell findet die Polizei ihn, auf einem Parkplatz, in seinem Auto, tot. Er hat sich selbst das Leben genommen, das Handy steckt im Hosenbund. Wie wichtig das noch sein wird, wird den Ermittlern im Laufe der Pilotepisode langsam klar. Denn mit jeder Chatzeile, die Polizisten lesen, desto deutlicher wird der Verdacht: Der junge Mann ist nicht aus ganz freien Stücken aus dem Leben geschieden, im mindesten hatte er eine unselige Unterstützerin auf dem Weg in die Suizid.
Doch die Ermittlungen stehen im Hintergrund der ersten Folge. Zunächst lernen wir die Hinterbliebenen kennen. Da wären die geschiedenen Eltern, die mehr oder weniger uninteressierten Schwestern und eben diese Freundin namens Michelle Carter (Elle Fanning).
Wir begleiten die Mutter, wie sie verzweifelt nach einem Abschiedsbrief an sich sucht nachdem sie einen an ihren Exmann gerichteten Brief von Conrad gefunden hat. Wir begleiten die Familie zum Abschiednehmen ans Meer und auf die Trauerfeier.
Und wir begleiten eine junge Frau eine Autostunde von Conrads Heimatort entfernt, die ihren Eltern eröffnet, dass ihr Freund gestorben sei. Ein Freund, von dem ihre Familie bis dahin noch kein Wort gehört hatte. Michelle geht auf die Trauerfeier, wo die Stimmung schnell umschlägt als zwischen den Zeilen deutlich wird, dass Michelle über die Stränge schlägt mit der Art und Umsetzung ihrer Trauer.
Wie kommt es rüber?
Immer wieder schlägt die glatte Fassade von Michelle um und offenbart durch kleine Risse ihre innere Welt, die von der echten Welt abgespalten scheint. In der Abschussszene der Pilotepisode sehen wir, wie sie eine Szene aus der Serie Glee nachspielt, in der eine Protagonistin mit einem Lied Abschied von ihrem toten Freund nimmt. Michelle steht vor dem Spiegel und bemüht sich, jede emotionale Note und jeden leidenden Hauch zu treffen. Was die Serie The Girl From Plainville gut macht ist die Darstellung zweier Teenager mit psychischen Problemen. Dabei werden die beiden nicht ausgebeutet für reißerische Szenen, die Serie ist groß in Nuancen und schenkt dem Zuschauer wenig einfache Erklärungen. Die Drehbuchautoren behandeln ihre Vorlage mit Samthandschuhen. Was dabei herauskommt ist eine eindringliche Serie über eine tragische Geschichte, in der auch die Figuren in der zweiten Reihe genug Gelegenheit bekommen, zu glänzen. Und dafür nimmt der Cast jede Gelegenheit wahr. Hauptdarstellerin Elle Fanning brilliert in jeder Szene und ist einer der größten Argumente, die Serie zu schauen. Sie balanciert auf dem schmalen Grat, bei dem man nie weiß, wie weit ihr Wahn geht. Direkt dahinter spielt sich Chloe Sevigny einmal mehr in die Erinnerung. Wenn Lynn den Abschiedsbrief sucht, wenn sie auf der Trauerfeier erkennt, dass dieses Mädchen Michelle in ihrer Trauer zu weit geht, dann springen die Gefühle einen aus dem Fernseher fast an.