The Gentlemen: Review der Pilotepisode der Netflix-Serie

The Gentlemen: Review der Pilotepisode der Netflix-Serie

Gangsterfilm-Experte Guy Ritchie bekommt seine erste eigene Serie bei Netflix. Lassen sich seine Fähigkeiten auch auf das längere Serienformat übertragen und kann die Pilotepisode von „The Gentlemen“ überzeugen?

Theo James in „The Gentlemen“
Theo James in „The Gentlemen“
© Netflix

Mit The Gentlemen bekommt Regisseur Guy Ritchie sein erstes eigenes Serienformat bei Netflix basierend auf seinem gleichnamigen Film. Darin erbt Blauhelm Eddie (Theo James) überraschend den Titel und das riesige Anwesen seines Vaters, inklusive einer lukrativen Geschäftsbeziehung zur Unterwelt, die er schon sehr bald ausnutzen muss, als sein mehr als nur unvorsichtiger Bruder in Schwierigkeiten mit den falschen Leuten gerät.

Was geschieht im Auftakt von „The Gentlemen“?

Eddie wird von seiner Mission abgezogen, da sein Vater im Sterben liegt. Nachdem er sich von ihm verabschieden kann, hat sein alter Herr aber vor allem was das Erbe anbetrifft, eine ordentliche Überraschung parat: Nicht nur wird er anstelle seines großen Bruders Freddy (Daniel Ings) zum neuen Duke, er erbt auch das komplette riesige Anwesen und den beträchtlichen Landbesitz des alten Adels. Das ist jedoch nicht der einzige Grund, warum sein Bruder völlig außer sich ist, denn hinter dem Entsetzen verbirgt sich auch eine ordentliche Portion Panik. Schließlich schuldet er einem gefährlichen Verbrecher einen ganzen Batzen Britische Pfund, die er mit dem Erbe begleichen wollte.

Gleichzeitig erfährt Eddie von der selbstbewussten Geschäftsfrau Susie Glass (Kaya Scodelario) ein nicht unwesentliches Geheimnis über seinen verstorbenen Vater, denn dieser hatte mit Susies Organisation einen Deal, der ihnen gegen ein ordentliches Sümmchen einen sicheren und geräumigen Ort für ihre Marihuana-Farm Platz bietet. Das eröffnet Eddie die Möglichkeit, seinem Bruder mit Susies Unterstützung aus der Patsche zu helfen, da diese ihre Investition und den Standort schützen will.

Trotz diverser Komplikationen, gelingt es ihnen schließlich, die Summe aufzutreiben. Doch Kokaindealer Tommy Dixon (Peter Serafinowicz) hat als Entschuldigung für die ihm verursachten Unannehmlichkeiten noch eine Bedingung: Freddy soll eine kleine Performance im Hähnchenkostüm vor laufender Kamera und versammelter Mannschaft abliefern. Doch Tommy geht dabei ein wenig zu weit, sodass die Mischung aus Kokain und Demütigung das aufgebrachte Hühnchen dazu bringen, seinem Peiniger seine Schrotflinte aus nächster Nähe vorzustellen.

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Durchgedrehtes Hühnchen auf Koks schießt tyrannischen Regisseur über den Haufen

Wenn man jemandem nach den absolut fantastischen „Lock, Stock and Two Smoking Barrels“, „Snatch“, „The Gentlemen“ und bedingt auch „RocknRolla“ nachsagen darf, eine Koryphäe auf dem Gebiet des Gangsterfilms zu sein, dann sicherlich Guy Ritchie. Ob sich seine Fähigkeiten, clever konstruierte Geschichten und ein komplexes Netz von Charakteren mit Spannung und viel trockenem Humor zu kombinieren, auch auf das langfristigere Serienformat übertragen lassen, ist die große Herausforderung für ihn und seine Crew.

Daniel Ings in „The Gentlemen“
Daniel Ings in „The Gentlemen“ - © Netflix

The Gentlemen“ setzt dabei definitiv auf seine bekannte Formel, denn wir finden sehr viele für seine Filme typischen Elemente in der Staffelpremiere Refined Aggression wieder. Da wäre beispielsweise der buntgemischte Cast an verrückten Charakteren und deren Einführung und die Vorstellung einiger Gesichter aus der Unterwelt und einer ähnlichen Ausgangslage wie in der Filmvorlage. Viele Figuren, Orte und Gesichter kommen einem dabei bekannt vor. Es ist zum Beispiel Vinnie Jones mit von der Partie, der für viele von Ritchies Projekten vor der Kamera stand, Harry Goodwins erinnert sicherlich nicht zufällig an Brad Pitts Boxerfigur Mickey und auch Giancarlo Esposito als sehr wahrscheinlicher Drogenbaron ist nicht zum ersten Mal in dieser Art von Rolle zu sehen. Neben einigen typischen Gangstergruppen ist sogar wieder eine illegale Boxveranstaltung mit manipulierten Wetten Teil des Plots. Während dies sich einerseits vertraut anfühlt und es bewährt ist, so lässt es sich dementsprechend aber auch nicht zwangsläufig als originell betiteln.

Durchweg positiv stechen die schauspielerischen Leistungen heraus. Sowohl die Reihe an Veteranen als auch etwas weniger bekanntere Darsteller wie Theo James und Daniel Ings können an der Seite der ebenfalls starken Kaya Scodelario überzeugen und sind den Hauptrollen gewachsen. Auch die stilisierten Dialoge sind wie erhofft eine Stärke und sorgen mit dem passend platzierten Humor für gefühlt kurzweilige Unterhaltung. Einzig die Hühnchen-Szene streckte sich dabei gefühlt zu lange. Davon abgesehen gibt es sonst nicht wirklich viel zu beanstanden, zumal Netflix auch aus technischer Hinsicht eine sehr solide Produktion bietet.

Fazit

Alles in allem liefert der Auftakt von „The Gentlemen“ einen gelungenen und unterhaltsamen Einstand ab. Wer Guy Ritchies vorige Werke und Stil mag, wird sich hier schnell wohlfühlen. Ob man über die gesamte Staffel hinweg in Fahrt bleiben kann, lässt sich allerdings bisher noch nicht absehen und man könnte sicherlich behaupten, dass die Serie sich ein wenig zu sehr auf bekannte Elemente und Stilmittel verlässt. Doch überzeugende Darsteller und Darstellerinnen sowie amüsante und aufgeweckte Dialoge hinterlassen am Ende des Tages ein gutes, vorsichtig optimistisches Gefühl und einen ziemlich ordentlichen Gesamteindruck. Wir vergeben vier von fünf Hühnchenkostümen.

Der englische Trailer zu „The Gentlemen“ von Netflix:

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