The Endgame: Review der Pilotepisode

© in Teil des Casts der Serie The Endgame (c) NBC
Mit The Endgame bleibt NBC sich treu, in bester The Blacklist- und Blindspot-Tradition servieren sie uns eine Thrillerserie, in der sich Gut und Böse ein brillantes Katz-und-Maus-Spiel liefern. Kann die Serie mit Morena Baccarin an den Erfolg der Vorgänger anschließen?
Wovon handelt die Serie The Endgame?
Alles beginnt in einem militärischen Hochsicherheitsbunker bei New York. Dort wird die russische Kriminelle Elena (Baccarin) im edlen Abendkleid eingeliefert und mit drei hochrangigen Mitarbeitern des Sicherheitsschutzes konfrontiert. Sie wollen sie dazu bringen, ihre Hinterleute und das Geflecht ihres kriminellen Netzwerks offenzulegen und versuchen, sie mit allerlei Tricks dorthin zu bringen. Doch die brillante Verbrecherin lächelt sich durch das Verhör und bald wird auch deutlich, wieso: Während sie gefangen gehalten wird, orchestriert sie eine Reihe hochkarätiger Banküberfälle in ganz New York City.
In einen davon wird die FBI-Agentin Valerie Turner (Ryan Michelle Bathe) verstrickt. Die hat gerade von ihrem Mann die Scheidungspapiere erhalten. Er - ebenfalls einst Agent in Diensten des Staates - sitzt eine zehnjährige Haftstrafe ab, weil er Drogengeld unterschlagen haben soll und findet es nun am sinnvollsten, seine geliebte Frau von dieser Bürde zu befreien.
Wir erfahren, dass sie es war, die ihm auf die Schliche gekommen ist. Ohne mit der Wimper zu zucken, hat Val, die zwischen Verbrechern groß geworden ist, ihren eigenen Ehemann eingeliefert und trotzdem als Ehefrau weiter zu ihm gehalten. Doch Ruhm und Ehre hat ihr diese Standfestigkeit nicht gebracht, ihre Kollegen beäugen sie argwöhnisch.
Auch mit Elena verbindet sie eine Vorgeschichte. Einst bei einem Einsatz in Gambia hat das russische Mastermind einen Warlord mit Zigaretten dazu verleitet, sie und ihre Söldnertruppe in ein besetztes Dorf zu lassen, um alle abzuschlachten, während Val und die US-Einsatzkräfte tatenlos zusehen mussten.
Im Militärbunker treffen die beiden sich nun wieder. Denn Val ist die Einzige, die durchschaut, dass Elena allen anderen stets zwei Züge voraus ist. Das hilft der Agentin in der Pilotepisode zwar wenig, um gegen Elena zu bestehen, aber im Gegensatz zu den anderen ist sie nicht ständig überrascht, wenn sich mal wieder zeigt, dass Elena alles kontrolliert und vorbereitet hat.
Wie kommt es rüber?
Das Beste, was NBCs The Endgame zu bieten hat, sind die beiden Hauptdarstellerinnen, deren Charme jedoch von einem bemühten, aber flachen Drehbuch arg auf die Probe gestellt wird. Elena ist in bester Red-Tradition (James Spader) eine allwissend scheinende Kriminelle, die jeden Schritt ihrer Widersacher voraussehen kann. Das geht so weit, dass sie sogar weiß, zu welchem der zahlreichen Bankräube Val gerufen wird, von welcher Seite sie auf das Gebäude zugehen wird, so dass eine beeindruckende Explosion passend orchestriert und eine Karte mit einem vielsagenden Klischeespruch ans richtige Fenster geklebt werden kann. Darstellerin Morena Baccarin ist ausgezeichnet darin, mit der angedeuteten Bewegung eines Mundwinkels zu zeigen, dass sie übermächtig ist, ohne es zu sagen.
Das ist dann aber leider auch schon alles, was die Serie der Deutung überlässt. Denn statt uns zu zeigen, wie und dass Elena ein Mastermind ist, lassen sie es der Einfachheit halber Val ungezählte Male in die Welt schreien. Auch die Verbindung zwischen den beiden fußt nur auf den Aussagen der beiden. Sie sind hochintelligent und sich nicht so unähnlich, wie sie glauben. Doch statt uns das zu zeigen, betonen die beiden es bei ihren Treffen stets. Was Elenas Motivation ist, ausgerechnet mit der Agentin Val zu spielen, bleibt ebenfalls etwas bemüht konstruiert. Und wie sie es an diesen Punkt geschafft hat, dürfen wir offenbar noch lange nicht erfahren...
Diese Art Serie lebt von Überraschungen und der Beziehung zwischen dem Guten und dem Bösen. Beides sind Punkte, die den The Endgame-Machern wohl zwischen Konzept und Nachbearbeitung verloren gegangen sind. Die Überraschungen in der Pilotepisode bleiben flach und erscheinen als weitgehend unwichtige Augenwischereien. So präsentiert Elena Val in einem Verhör eine Narbe auf ihrem Bauch, die uns als Zuschauern offenbart, dass Elena in einem klischeebeladenen Rückblick nicht das Kind ist, das wir glaubten, dass sie es war. Wieso sie diese Narbe Val präsentiert, die den Rückblick ja nicht sehen kann, bleibt unklar. Aber die nutzt die Gelegenheit, um auf Elenas Schwangerschaftsstreifen hinzuweisen und nach dem Kind zu fragen. Das grenzt schon an freche Faulheit auf Seiten der Drehbuch-Autoren.
Sicher muss die Story sich einige Geheimnisse bewahren, aber in Sachen Beziehung zwischen den beiden Hauptfiguren sollte sie das Interesse wecken, statt eine vage und wichtige Story aus einem längst vergangenen Einsatz ins Feld zu führen. Val wird schwerlich die einzige Agentin sein, deren Wege sich mit Elenas gekreuzt haben. Eher ist es fahrlässig, dass jeder andere aus dem Feld der Guten nicht erkennen kann, wie mächtig Elena an diesem Punkt ist.
The Endgame: Serientrailer
Hier abschließend der aktuelle Trailer zur Serie „The Endgame“, die heute bei NBC gestartet ist: