The Divide 1x01

Vor elf Jahren wurden die beiden weißen Bauarbeiter Jared Bankowski (Chris Bauer) und Terry Kucik (Joe Anderson) aufgrund des Mordes an der afroamerikanischen Familie Butler zum Tode verurteilt. Die einzige Überlebende und Zeugin Jenny Butler (Britne Oldford) konnte mit ihrer Aussage den alles entscheidenden Beweis dazu liefern. Christine Rosa (Alan Dalton), eine Praktikantin und Sachbearbeiterin der „Innocence Initiative“ versucht, den Fall aufgrund eines neuen Hinweises wieder aufzurollen.
What god has decided, let no man undo!
Die Pilotepisode The Way Men Divide erzählt zu Beginn die Geschichte von Christine und dem afroamerikanischen Staatsanwalt Adam Page (Damon Gupton) in einer Parallelmontage, wie sie sich beide jeweils auf die Gerichtssitzung am Folgetag vorbereiten. Adam war damals der Staatsanwalt, der Bankowskis und Kuciks Todesurteil erzielte und seitdem einen steilen, juristischen Karriereweg verfolgt hat. Während Christine über den Fall recherchiert, hält Adam eine Rede auf seine Ehefrau Billie (Nia Long), die den „Woman of the Year“-Preis gewinnt. Hier wird somit der erste Unterschied der beiden Hauptdarsteller aufgezeigt: Christine ist am Anfang ihrer juristischen Karriere, Adam mittendrin.
Am nächsten Tag vor Gericht sitzt Christine selbst in der hintersten Reihe. Der Antrag auf Begnadigung durch Jared Bankowski wird auf Anraten Adams fallengelassen, da es im Laufe der letzten elf Jahre keinerlei neue Beweise gab. Wie wir danach in der „Innocence Initiative“ erfahren, nehmen diese nur Fälle auf, für die es ausreichendes Beweismaterial gibt. Die Organisation um Clark Rylance (Paul Schneider) setzt sich dabei für zu Unrecht verurteilte Sträflinge ein und kämpft für deren Rechte. Während Kuciks Urteil durch den Beweis einer Spermaprobe als unausweichlich gilt, fokussiert sich Christine auf Bankowski.
Auf dem Weg zu dem Polizeifotografen Carbone (Dan Desmond) schafft es The Divide das erste Mal deutlich, einen unfreiwillig peinlichen Moment beim Zuschauer zu erzeugen. Die weiße Christine rappt zwar laut, jedoch textunsicher zu einem im Radio laufenden Rap-Song mit. Zu deutlich scheint hier das Klischee des Weißen aufgezeigt zu werden, der sich bei dem Versuch, der afroamerikanischen Kultur anzunähern, scheitert. Im Kontrast dazu wird in einer späteren Szene Adams Sohn Travis (Jahmil French) gestellt, der mit seinen lyrischen Künsten seine gesamte Familie zum Grinsen bringt.
In der nächsten Szene unterhält sich Christine schließlich mit ihrem Freund Danny (Adam Rothenberg), mit dem sie eine Beziehung führt, die sich anscheinend vor allem auf sexueller Ebene abspielt. Wieder wird somit ein Kontrast zu dem verheirateten und gut bürgerlichen Adam aufgebaut. Sie erhält schließlich die Fotos von Carbone, auf denen Bankowski klar unversehrt zu sehen ist, wohingegen sein Urteil aufgrund von DNA-Spuren unter den Fingernägeln des Opfers gesprochen wurde und er dementsprechend Blessuren aufzeigen müsste. Nach einem kurzen Intermezzo mit Clarke ist dieser schließlich auch von dem Fall überzeugt.
Better man in prison than he ever was out here.
Dazwischen wird uns noch kurz Kucik persönlich vorgestellt. Dabei fallen vor allem die unnatürlichen Kamerawinkel aus leicht diagonaler Auf- und Absicht auf, die uns zusammen mit den Detailaufnahmen wie der des tätowierten Hakenkreuzes Kuciks deutlich machen soll, dass wir es hier mit einem Paradebeispiel des rassistischen „White Trashs“ zu tun haben. Kucik hat nebenbei selbst einige Briefe an die „Innocence Initiative“ geschrieben, konnte jedoch keinen Erfolg mit diesen erzeugen. Als er erfährt, dass Christine wegen Jared und nicht wegen ihm da ist, blockt er ab.
Nach der Überzeugung Clarkes versucht dieser schließlich, Jared davon zu überzeugen, eine neue Blutprobe abzugeben. Doch dieser hat sich bereits mit seinem Tod abgefunden und keinerlei Lust auf falsche Hoffnungen. Christine will den Fall, obwohl sie selbst noch keine Anwältin ist, übernehmen und stattet Bankowski schließlich einen eigenen Besuch ab, der den zweiten großen Peinlichkeitsmoment in The Divide darstellt. Jared freut sich beim Betreten der Kabine über den weiblichen Besuch und fragt Christine unverblümt, ob er ihre Brüste sehen kann. Christine ist sichtbar eingeschüchtert davon, kann ihn jedoch durch ihre Biographie und ein vorheriges Treffen mit seiner Mutter überzeugen.
Vor allem die Darstellungsweise des Jared Bankowski fällt einfach negativ ins Gewicht. Man kauft ihm weder seine harte Gefängnisinsassenseite, die mit dem übertrieben notgeilen Anfang angedeutet werden sollte, noch seine emotionalen, fast kindlich wirkenden Schwächen ab. Zu übertrieben ist sein Spiel, zu überzogen sein Text. Dass es sich ausgerechnet bei dem von Chris Bauer dargestellten Jared um den Dreh- und Angelpunkt der Klage handelt, lässt Emphatie eher im Keim ersticken, denn aufflammen.
Christine erwähnt also nebenbei, dass auch ihr Vater zu Unrecht zum Tode verurteilt wurde und sie deshalb für Gerechtigkeit kämpfe. Jared kann sich damit identifizieren und willigt schließlich zu dem Test ein. Insgesamt hat man des Öfteren das Gefühl, hier eine emotional flache Charakterschreibung zu sehen, die eher an Soap-Qualität als an ernstzunehmendes Drama erinnert. So scheint es, dass jeder Charakter in The Divide seinen persönlichen Bezug zu dem Fall hat und diesen auch gerne auf der Zunge mit sich trägt. Für Adam war es sein erster Fall, indem auch noch sein Vater involviert war, für Christine ist es ein persönlicher Rachefeldzug, für Opfer und Täter geht es um Leben und Tod.
Every decision is about color, son.
Nach einem Abendessen der Familie Page ziehen sich Adam und sein Vater Isaiah (Clarke Peters) zurück, um über den von Clarke angekündigten, privat finanzierten Bluttest zu sprechen. Dabei betont Adam wie so oft in der Pilotepisode, dass er den Fall nicht aus Rassengründen angenommen habe, doch sein Vater ist da anderer Meinung. Für ihn sei jede Entscheidung eine Frage der Hautfarbe. Adam gibt derweilen zu, dass er die Fotos des unversehrten Jared verschwinden ließ, um den Fall durchzubringen. Während an ihm der Zweifel nagt, versichert ihm sein Vater, dass es männlich sei, mit seinen Fehlern zu leben.
Zum Schluss sehen wir nach einer Gleichheit predigenden Rede Adams in einer vor allem afroamerikanisch besetzten Kirche einen Dialog zwischen Christine und Jenny Butler. Während Christine versucht, eine emotionale Ebene auf der Basis ihres zu Tode verurteilten Vaters aufzubauen, entlarvt Jenny diesen Versuch und erzählt wieder einmal äußerst soapig, dass sie sich nun mit Mördern identifizieren könne. In der letzten Szene des Piloten trifft Christine dann noch auf ihren Vater Victor (John Bedford Lloyd) in dessen Gefängnis, erzählt ihm jedoch nichts von ihrem Fall
Fazit
Der Versuch des US-Senders WE tv, eine Dramaserie rund um einen juristischen Fall aufzubauen, der vor allem Fragen des Rechts und des Rassismus aufgreift, macht in seinem Serienpiloten einer eher kläglichen Eindruck. Dies liegt dabei vor allem an der Erzählart von The Divide, die es augenscheinlich nicht auslässt, sämtliche kulturellen Klischees zu bedienen, um ihre Charaktere zu etablieren. Natürlich muss der Sohn der Pages rappen, natürlich muss die weiße Christine genau daran scheitern.
Der titelgebende Unterscheidung scheint dabei vor allem anhand der Charaktere Christine und Adam aufgezeigt zu werden. Die eine ist eine weiße, junge juristische Sachbearbeiterin, die vor allem aus einem durch ihre Biografie erzeugten Drang nach Gerechtigkeit kämpft und dabei kaum eine richtige emotionale Beziehung aufbauen kann. Adam dagegen scheint vor allem aus Karrieregründen gehandelt zu haben und steht mit seiner ebenfalls afromamerikanischen Familie mitten in seiner erfolgreichen Karriere als Staatsanwalt.
Als weiterer Negativpunkt ist dabei das schwache Drehbuch zu nennen. Die Charaktere tragen ihre Probleme auf der Zunge und scheuen auch nicht, sie jedem, der sie wissen oder nicht wissen will, zu erzählen. Insgesamt reicht die Pilotepisode The Way Men Divide eher an ein Tatort- oder Soap-Niveau heran. Es scheint schon regelrecht zu programmatisch, dass die bisher aufgezeigten kulturellen Unterschiede durch die biografischen und emotionalen Hintergründe entrückt werden. Sollte die Serie es schaffen, dies mit weniger Pathos und galanter im Umgang mit bestehenden Klischees zu schaffen, könnte sie dennoch interessant werden.
Verfasser: Henning Harder am Donnerstag, 17. Juli 2014The Divide 1x01 Trailer
(The Divide 1x01)
Schauspieler in der Episode The Divide 1x01
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