The Decameron 1x01

© Netflix
Das passiert in der ersten Folge der Serie „The Decameron“
1348, Florenz: In ganz Europa wütet die Pest und rafft Reiche wie Arme dahin. Für einige Adlige und ihre Diener ergibt sich in The Decameron unverhofft die Möglichkeit zur Flucht in eine Landvilla. Kaum sind alle überlebenden Gäste dort eingetroffen, bricht jedoch das Chaos aus. Denn jeder einzelne der Anwesenden kocht vornehmlich sein eigenes Süppchen, egal, zu welchem Preis...
Hier ist schon mal der Trailer zur Serie „The Decameron“:
Comedy und History
Historienserien mit einer starken Prise Humor zu würzen, haben derzeit bei den Streamingdiensten Hochkonjunktur. Egal ob My Lady Jane bei Amazon Prime Video, The Buccaneers bei Apple TV+ oder The Great bei Starz. Es scheint geradezu so, als würden sich die Produzenten auf derartig gelagerte Stoffe stürzen. In Anbetracht der Tatsache, dass solche Comedyserien-Formate in der Regel kostengünstiger zu produzieren sind als aufwändige Fantasyserien oder Sci-Fi-Serien und man mit der locker flockigen Erzählweise zudem problemlos ein jüngeres Publikum requirieren kann, verwundert das allerdings kaum.
Genau in diese Kerbe schlägt die Historien-Comedy „The Decameron“. Ausgestattet mit hochwertigen Kostümen, ansonsten aber überwiegend im Studio gedreht, punktet Serienerfinderin und Showrunnerin Kathleen Jordan (Teenage Bounty Hunters) mit einer gefälligen Mischung aus guter Ausstattung, Charme, bissigen Humor und einem interessanten Cast. So sehen wir etwa den aus Willow und The Wheel of Time bekannten Amar Chadha-Patel als liebestollen Arzt Dioneo, Tanya Reynolds (Sex Education) als Zofe Licisca der fiesen Adligen Filomena (Jessica Plummer, „Last Enders“) sowie den aus Harlots bekannten Douggie McMeekin als unter Hypochondrie leidenden Tindaro.
Die Prämisse

Die Prämisse ist im Grunde genommen so simpel wie bekannt: Man steckt eine Gruppe verschiedenster Charaktere in ein Haus, während draußen eine Seuche wütet und setzt sie mit einer Portion Zynismus im Gepäck den unmöglichsten Situationen aus. In „The Decameron“ funktioniert das schon alleine deshalb gut, weil vornehmlich die Adligen in der Villa des Conte herrlich egoistisch und borniert sind. Mit einem vollkommen überzogenen Selbstverständnis ausgestattet, glauben die Protagonisten tatsächlich, die kleine Welt würde sich in ihrem edlen Gefängnis allein um sie drehen.
Dabei ist das Grauen schon längst in den Mauern des Anwesens angekommen. Der von Tony Hale gespielte Verwalter Sirisco hat nämlich just vor der Ankunft der ersten Gäste seinen Brötchengeber unter einer Brücke verscharrt, während die Dienerin Misia Saoirse-Monica Jackson ihre todkranke Freundin einschmuggelt. Damit ist das grausame Ende für alle eigentlich schon besiegelt, doch, bis es so weit ist, unterhalten uns die Serienmacher mit kleinen und großen Intrigen, pfiffigen Dialogen und hintergründigem Humor.
Jeder gegen jeden
Am besten lassen sich die Ereignisse mit dem Motto „jeder gegen jeden“ beschreiben, wobei die jeweiligen Protagonisten selbstredend vornehmlich auf ihren Vorteil bedacht sind. Pampinea will als Verlobte des Conte über das Anwesen herrschen, weiß aber nicht, dass dieser im Burggraben verrottet. Sirisco verschweigt die Wahrheit, weil er Angst davor hat, hinausgeworfen und damit dem sicheren Tod überlassen zu werden. Licisca hat sich auf dem Weg zum Anwesen mit ihrer arroganten Herrin Filomena zerstritten und sie im Affekt von einer Brücke in einen Fluss geschubst. Nun gibt sie sich als Adlige aus, bis diese plötzlich in der letzten Szene der Pilotfolge vor der Tür steht.
Zu allem Überfluss bekommt es die Gruppe auch noch mit einer Bande Räuber zu tun, deren Anführer ausgerechnet der Kardinal von Florenz ist. Der gute Mann hat bei all dem Grauen, das er sah, den Glauben an Gott verloren und dient nun sozusagen der anderen Seite. Vor allem die entsprechende Szene des Überfalls bietet einen tollen Kontrast zu den bisherigen Ereignissen. Nicht, dass „The Decameron“ bis hierhin unbedingt zimperlich mit dem Publikum umgegangen wäre...
Die Auswirkungen der Pest werden beispielsweise recht glaubwürdig und stimmig dargestellt. Doch der Überlebenskampf gegen die drei Outlaws ist dann doch noch einmal eine etwas andere Hausnummer. Da verliert der Kardinal einen Zeh, weil Sirisco mit einer Schaufel zusticht, anschließend ersticht Licisca ihn mit einem künstlichen Pfau, an dem zuvor ein leckerer Braten hing.
Es geht also durchaus bissig und brutal zu, wobei man nie das Gefühl hat, Action wäre ein reines Mittel zum Zweck. Vor allem besagter Überfall ergibt Sinn, weil er die sich in Sicherheit wiegenden Protagonisten drastisch an die Realität erinnert, die jene bis zu diesem Zeitpunkt erfolgreich verdrängt hatten. Und auch das Publikum darf sich nun sicher sein, dass da mehr als nur ein paar Intrigen und ein wenig Dialogwitz auf die Zuschauenden niederprasselt...
Stattdessen schürt das Finale die Erwartung, dass es im Verlauf der Staffel noch heiß hergehen wird. Übrigens passt auch der Soundtrack von Depeche Mode gut in das Gesamtbild hinein und ist mehr als einfach nur eine anachronistische Fan-Ehrerbietung an die britische Band. So trällert Dave Gahan während des oben erwähnten Streits zwischen Licisca und Filomena etwa passend im besten Industrial-Sound „Master and Servant“. Das hat Witz und peppt die Szene außerdem auf.
Fazit

Ob die aufgeführten Elemente für eine gute Staffel reichen, wird sich in den nächsten sieben Episoden allerdings noch zeigen müssen. Einen guten Anfang stellt die Pilotfolge von „The Decameron“ auf jeden Fall dar, wenn der Innovationsbonus inzwischen auch wegfällt. Um sich neu und abgefahren anzufühlen, gibt es inzwischen einfach zu viele Serien dieser Art da draußen, die sich ähnlicher Stilmittel bedienen. Noch hat sich das Konzept aber noch nicht vollends abgenutzt, zumal sich die Anachronismen sprachlich in Grenzen halten. Hier fällt mal das im heutigen Sprachgebrauch übliche Wort „scheiße“ und dort ein anderes, das man in einer Mittelalterserie eher nicht erwarten würde.
Dennoch bemüht sich das Autoren-Team, es nicht zu übertreiben, so dass die Immersion insgesamt gewahrt bleibt und man sich problemlos in die Geschichte hineinziehen lassen kann.
Von uns gibt es dafür vier von fünf Pestmasken.
Verfasser: Reinhard Prahl am Donnerstag, 25. Juli 2024The Decameron 1x01 Trailer
(The Decameron 1x01)
Schauspieler in der Episode The Decameron 1x01
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