The Crow Girl 1x01

© Paramount+
Das passiert in der Serie âKrĂ€henmĂ€dchenâ
Als DCI Jeanette Kilburn (Eve Myles, Hijack) und ihr Kollege DI Lou Stanley (Dugray Scott, Hemlock Grove) in The Crow Girl zum Fundort einer Leiche gerufen werden, gerÀt schnell ein gerade erst verhafteter KinderschÀnder in Verdacht.
Im Lauf der Ermittlungen lernt Jeanette die auf Kindesmissbrauch spezialisierte Psychologin Sophia Craven (Katherine Kelley, Protection), kennen, die ihr bei den Untersuchungen hilft. Bald gibt es eine Menge VerdÀchtiger, doch die Wahrheit liegt tiefer verborgen und ist brutaler, als Jeanette es sich je vorstellen könnte...
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Literaturverfilmung
Literaturverfilmungen sind in den letzten Jahren vor allem bei den Streaming-Anbietern extrem angesagt, da neues Material benötigt wird, das ein möglichst groĂes Publikum vor die Bildschirme lockt.
Vor allem Thriller, die dann zu Thrillerserien werden, sind hierfĂŒr ein adĂ€quates Mittel, da sie Fans vieler Genres vereinen und oft relativ kostengĂŒnstig zu produzieren sind. JĂŒngst hat es das hochgelobte Werk „KrĂ€henmĂ€dchen“ des schwedischen Autorenduos Jerker Eriksson und HĂ„kan Axlander Sundquist alias Erik Axl Sund erwischt, deren Trilogie um Kindesmissbrauch und der daraus folgenden seelischen Qualen der Betroffenen sogar mit Stieg Larssons „Millennium“-Trilogie verglichen wurde.
Klar, dass ein in 30 Sprachen ĂŒbersetzter Bestseller Begehrlichkeiten weckt. Noch bevor die BĂ€nde in den USA erschienen, haben sich die Tomorrow Studios in Zusammenarbeit mit ITV die Rechte gesichert und den Stoff in eine sechsteilige Miniserie gepresst.
Von Schweden nach England
Dabei lieà es sich Serienerfinderin Milly Thomas nicht nehmen, die Geschichte nach Bristol zu transferieren und die Figuren entsprechend den neuen Gegebenheiten anzupassen. Doch auch die Story erfuhr einige VerÀnderungen, wahrscheinlich, um den teils fast unertrÀglich harten Handlungsverlauf zu entschÀrfen.
So wurde aus der Stockholmer Kommissarin Jeanette Kihlberg eben eine Jeanette Kilburn, wĂ€hrend man aus der Psychologin Sofia Zetterlund Sophia Craven machte. Ob das nun ein besonders intelligenter Schachzug war und ob der Handlungsort ĂŒberhaupt verschoben werden hĂ€tte mĂŒssen, sei einmal dahingestellt. Generell hĂ€tte ich es jedenfalls besser gefunden, wenn sich ein schwedisches Filmteam des Materials angenommen hĂ€tte.
Exposition
Kommen wir damit zu den ersten beiden Episoden des Sechsteilers, die wir fĂŒr diesen Review begutachtet haben - und da gibt einiges Gutes, aber auch weniger Gutes zu berichten. Da wĂ€re zunĂ€chst einmal die dĂŒstere, fast depressive Stimmung, die den Grundtenor des Romans gut aufgreift. Die Serie beginnt mit einer verhĂŒllten Person, die gerade einen Raum so prĂ€pariert, dass dort ein Mensch gefoltert und ermordet werden kann, ohne verwertbare Spuren zu hinterlassen.
Aus dem Off ertönt eine Tonbandaufnahme, die im Verlauf der Serie noch eine wichtige Rolle spielen wird und die manch einem Zuschauenden einen kalten Schauer ĂŒber den RĂŒcken jagen dĂŒrfte. Das ist ein potentes Cold Open, welches allerdings gleich darauf dank einer eher mittelmĂ€Ăigen Exposition abgemildert wird.
In den nĂ€chsten Szenen lernen wir DCI Jeanette Kilburn und ihre Familie kennen, wobei man schnell herausfindet, dass die Polizisten ihr Privatleben dem Job unterordnet. Die eingestreuten Informationen sind allerdings wenig informativ und fĂŒhren uns in den ersten beiden Folgen in keiner Weise irgendwie weiter. Mit anderen Worten dienen die Sequenzen mehr als LĂŒckenfĂŒller denn als sinnvolle Figurenvorstellung.
Besser wÀre es zweifellos gewesen, Jeanette direkt in ihrem beruflichen Umfeld zu zeigen, sie von dort aus zum ersten Tatort der Geschichte zu entsenden und die familiÀren UmstÀnde beilÀufig einzustreuen. So nimmt dieser Aspekt jedoch zu viel Zeit ein, was von den eigentlich spannenden Geschehnissen nur ablenkt.
Es geht los

Durch die gruselige EinfĂŒhrung liegt die Erwartungsmesslatte recht hoch und rutscht auf diese Weise zumindest kurzfristig in den Zentimeterbereich ab. Das ist allerdings insofern verschmerzbar, als sich die Episode schnell wieder fĂ€ngt und Jeanette und ihr Kollege Lou in die schwierigen Ermittlungen eines seltsamen Mordes einsteigen.
Gleichzeitig wird ein bekannter KinderschĂ€nder verhaftet, vor dessen FirmengebĂ€ude auch noch die oben erwĂ€hnte Leiche entdeckt wird. Jeanette glaubt nicht an einen Zufall und versucht von nun an, den PĂ€dophilen als Killer zu entlarven. Der ist aber ziemlich intelligent und provoziert sogar geschickt die auf Kindesmissbrauch spezialisierte Psychologin Sophia, die nun die BĂŒhne betritt.
Dass mit der Frau bei aller zur Schau getragenen AbgeklĂ€rtheit etwas nicht stimmt, merkt man indes ziemlich schnell. Ein groĂes Lob gebĂŒhrt hier Schauspielerin Katherine Kelley, die der fĂŒr den Handlungsverlauf extrem wichtigen Figur eine gewisse HĂ€rte, vor allem aber nach innen gerichteter Verletzlichkeit mit auf den Weg gibt.
So sehr man sich auch bemĂŒht: es fĂ€llt von Anfang an schwer, sie zu durchschauen. Einen Hinweis auf ihren Seelenzustand liefert uns allerdings das Interview mit besagtem KinderschĂ€nder, der ihre Zerrissenheit schnell durchschaut und sie auf eine harte Geduldsprobe stellt. Im Grunde genommen erfahren wir also recht schnell, wie der Hase lĂ€uft, auch, wenn die ersten beiden Folgen sich mit Informationen weitestgehend zurĂŒckhalten.
Zu wenig subtil
Die SubtilitĂ€t des Romans erreicht die Serie dabei aber in keinem Moment. Das ist bei der KomplexitĂ€t des Buchs wohl auch kaum möglich. Dennoch versuchen Milly Thomas und ihr Team, eine ungute Stimmung aufzubauen, was insgesamt auch gut gelingt. Die Geschichte ist mit stark grau dĂŒsteren Untertönen belegt, die vor allem in der Bildsprache zum Ausdruck kommen.
Stets schwingt eine depressive TonalitĂ€t mit und man hat das GefĂŒhl, dass wir es mit einem brutalen und kranken Serienmörder zu tun haben, der nicht aufhört, bis er gestoppt wird. Interessant ist ĂŒbrigens auch ein nĂ€herer Blick auf jenen Killer, der eingangs sowie in der letzten Szene der Pilotfolge zu sehen ist und uns trotz aller Vermummung einen erkennenden Blick auf die sich ermöglicht.
Dennoch wĂ€re an dieser Stelle vielleicht ein wenig mehr FingerspitzengefĂŒhl fĂŒr das Publikum sinnvoll gewesen, das nun eine fast schon zu genaue Vorstellung davon hat, was fĂŒr ein Mensch hinter den grausamen Morden steckt. Was wir genau damit meinen, finden geneigte Zuschauer aber am besten selbst heraus.
Der zweite Teil beginnt erneut mit einer unter die Haut gehenden Szene in Form einer RĂŒckblende, die uns immer nĂ€her in die psychologischen AbgrĂŒnde der Story einfĂŒhrt und die die kommenden Teile bestimmen werden. Wie die Serienmacher mit der KomplexitĂ€t der Handlung umgehen, bleibt dabei noch abzuwarten.
Fazit
Wie bei so vielen Serien leidet auch die DebĂŒtepisode von „KrĂ€henmĂ€dchen“ eindeutig unter dem Pilotfilmsyndrom. Exposition ist natĂŒrlich wichtig, doch in diesem Fall gerĂ€t sie zu plakativ und sorgt fĂŒr einen steilen Abfall des gerade erst mĂŒhsam aufgebauten Spannungsbogens.
Allerdings fĂ€ngt sich die Geschichte und entwickelt sich ĂŒber die ersten beiden Teile bis auf einige kleine Aussetzer in Sachen FingerspitzengefĂŒhl gut. Vor allem die AtmosphĂ€re und das Wissen, dass Jeanette dem schlimmsten und schwersten Fall ihres Lebens gegenĂŒbersteht, sorgen dafĂŒr, dass man dranbleiben möchte. Doch auch die schauspielerische Seite und die technisch ansehnliche AusfĂŒhrung können sich sehen lassen, so dass man der Serie auf jeden Fall eine Chance geben sollte.
Wir verteilen daher dreieinhalb von fĂŒnf KrĂ€hen.
Verfasser: Reinhard Prahl am Donnerstag, 6. MĂ€rz 2025The Crow Girl 1x01 Trailer
(The Crow Girl 1x01)
Schauspieler in der Episode The Crow Girl 1x01
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