The Crossing 1x01

© teve Zahn und Natalie Martinez in „The Crossing“ (c) ABC
In der Pilotepisode der Dramaserie The Crossing traut Sheriff Ellis (Steve Zahn) seinen Augen nicht, als am Strand seiner beschaulichen kleinen Küstenstadt hunderte Menschen angeschwemmt werden, die wie aus dem Nichts aufgetaucht zu sein scheinen. Agent Emma Ren (Sandrine Holt), die das Phänomen für Homeland Security untersucht, bekommt von den Überlebenden eine unglaubliche Geschichte erzählt, die das ganze Land auf den Kopf stellen könnte.
Worum geht es in der ersten Episode von „The Crossing“?
Nach den ersten Momenten des Schrecks und der Verwunderung koordinieren die lokalen Hilfskräfte und die Regierung die Rettung der im Wasser treibenden Menschen. Für einen großen Teil kommt jede Hilfe zu spät, doch einige von ihnen können gerettet werden. Was sie über ihr plötzliches Auftauchen zu erzählen haben, klingt wie ein Science-Fiction-Roman: Die Menschheit steht in der Zukunft im Zuge eines Krieges gegen eine kleine Gruppe genetisch überlegener Artgenossen vor ihrer Vernichtung und die Neuankömmlinge sind in der Hoffnung auf ein besseres Leben durch die Zeit gereist, um der Verfolgung zu entkommen. Doch offensichtlich ist bei ihrer Ankunft etwas gehörig schiefgelaufen.
Während die Flüchtlinge versorgt und in einem Camp untergebracht werden, warnt einer von ihnen vor einer großen Gefahr: Nicht sie seien die Bedrohung, sondern die bereits seit geraumer Zeit vor ihnen eingetroffenen Personen, welche durch ihre Anwesenheit den Lauf der Geschichte verändern wollen. Dazu gehört offensichtlich auch Agent Rens Boss Lindauer (Jay Karnes), der, wie es scheint, schon eine ganze Weile vor Ort ist und eine eigene Agenda verfolgt, die sich einem erst noch erschließen muss.
Sheriff Ellis macht unterdessen Bekanntschaft mit einer Frau namens Reece (Natalie Martinez), die ebenfalls zu den Neuankömmlingen gehört und auf der Suche nach ihrer Tochter ist. Mit vorgehaltener Waffe zwingt sie Ellis dazu, gemeinsam mit ihr in den von der Regierung bewachten Hangar einzudringen, in dem die Leichen der Ertrunkenen aufbewahrt werden. Bei ihrer anschließenden Flucht macht Ellis eine erstaunliche Entdeckung: Sie gehört zu den genetisch überlegenen Menschen, vor denen er gewarnt wurde und nachdem sie nachts in seine Wohnung einbricht und ihn um seine Hilfe bittet, muss er eine wichtige Entscheidung treffen.
A war that hasn't happened yet
Bei den Ankündigungen für „The Crossing“ warb ABC in den USA auffällig damit, dass der Networksender bereits für Lost verantwortlich zeichnete. Tatsächlich wirkt „The Crossing“ stilistisch mit seiner Vielzahl an Mysterien und seiner Prämisse, die auch ein wenig an das Sci-Fi-Drama The 4400 erinnert, als ob man gerne die Nachfolge der beliebten Mysteryserie antreten wolle. Das mag erst mal ein wenig zu ambitioniert klingen, doch man kann hier zumindest auf einen sehr soliden Start bauen, zumal von Beginn an eine ordentliche Atmosphäre mit vielen Rätseln aufgebaut wird.
Während die Regiearbeit einen guten Eindruck macht, scheint sich das Produktionsbudget in Grenzen zu halten, wobei die pittoreske Ostküste Oregons doch einen ziemlich kanadischen Eindruck (was den Vorteil einer schönen Landschaft, verbunden mit weniger Kosten hat) hinterlässt und die Schauspieler ohne wirklich bekannte Größen auskommen. Billig wirkt die erste Episode aber trotzdem keineswegs.
Der Cast um Steve Zahn, Sandrine Holt und Natalie Martinez besteht wie gesagt zwar nicht aus bekannten Stars, versammelt aber viele bekannte Gesichter mit Serienerfahrung, die bisher alles in allem einen guten Job machen, auch wenn Steve Zahn sich möglichst schnell entscheiden sollte, ob sein Charakter nun wirklich einen Südstaatenakzent haben soll oder nicht.
Die Charakterzeichnung ist in diesem Fall ein zweischneidiges Schwert, da wir einerseits so ziemlich alle Arten von Figuren, die man für diese Art von Geschichte braucht, um diese interessant zu gestalten, auch präsentiert bekommen. Andererseits setzt man aber auf etwas viele Klischees, bei denen man sofort weiß, in welche Richtung sich diese entwickeln werden, wie etwa der nicht sonderlich subtile Plot um die aufkeimende Liebesgeschichte von Homeland Security Mitarbeiter Roy (Grant Harvey) und Flüchtling Hannah (Kelley Missal). Auch den typischen Zuständigkeitskrieg zwischen dem Sheriff und der Homeland Security hätte man sich sparen können, denn es ist schon sehr offensichtlich, dass Sheriff Ellis und Agent Ren schließlich früher oder später zusammenarbeiten werden.
Was den Start von „The Crossing“ spannend hält, sind die gelungen platzierten Mysterien und Rätsel, die in der ersten Episode aufgebaut werden. Darüber zu rätseln, wie die Zukunft in 180 Jahren aussieht, welche Fähigkeiten oder auch Gegenstände aus dieser Zeit von Flüchtlingen oder den Apex genannten Feinden mitgebracht wurden und wer überhaupt auf welcher Seite mit welchem Ziel steht, machen einen großen Reiz aus, weiter an der Serie dranzubleiben. Eine kleine Sorge besteht aber darin, dass etwas früh die Luft raus sein könnte, da man bereits früh die Karten auf den Tisch legt und einige Dinge entzaubert, indem man unter anderem bereits Bösewichte präsentiert und grundlegende Fragen durch die Flüchtlinge erklären lässt.
Fazit
„The Crossing“ wird durch den Griff zu vielen vertraut wirkenden Mystery-Elementen und Charakterbausteinen vielleicht nicht die Serienlandschaft revolutionieren, doch das Potential für gute Unterhaltung ist allemal vorhanden. Die Pilotepisode wird nie langweilig und schafft es mit ihren reizvollen Rätseln, mehr als genügend Interesse zu wecken, zumindest noch ein paar Episoden weiter zu schauen. Ob wir danach vollends in die Geschichte gesogen werden oder gelangweilt abschalten, wird sich dann zeigen, denn nach der Sichtung der ersten Episode ist ehrlich gesagt beides möglich. Eine Chance hat „The Crossing“ nach dem bisher gezeigten insbesondere bei Mysteryfans aber auf jeden Fall verdient.

The Crossing 1x01 Trailer
(The Crossing 1x01)
Schauspieler in der Episode The Crossing 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?