The Crew: Review der Pilotepisode

© evin James in The Crew (c) Netflix
Kevin James, der als Star von King of Queens in den frühen 2000ern zur Sitcom-Legende wurde und im Filmbereich gerne mal die zweite Geige von Adam Sandler spielt, hat nach seinem schwachen Netflix-Streifen „Die wahren Memoiren eines internationalen Killers“ von 2016 (und seinem Comedy-Special „Never Don't Give Up“) mit The Crew nun seine erste eigene Serie beim Streamingservice.
Kreiert wurde die Autorennsportkomödie von Jeff Lowell, der einst bei Two And A Half Men mitgewirkt hatte. Die Regie der Pilotepisode mit dem etwas sperrigen Titel I Guess That Cake Did Need To Be Refrigerated (1x1) übernahm derweil ein gewisser Andy Fickman, mit dem James bereits beim Film „Der Kaufhaus Cop 2“ und bei seiner kurzlebigen CBS-Comedy Kevin Can Wait kooperiert hatte.
In der zehnteiligen Auftaktstaffel von The Crew treten neben dem berühmten Hauptdarsteller unter anderem auch Freddie Stroma (Time After Time), Gary Anthony Williams (Malcolm in the Middle), Dan Ahdoot (Shameless), Sarah Stiles („Avenue Q“), Mather Zickel (House of Lies), Paris Berelc (Alexa & Katie), Newcomerin Jillian Mueller und Altstar Bruce McGill (Rizzoli & Isles) auf. So viel also zu den Eckdaten der Serie, doch wie sieht es inhaltlich aus?
Darum geht's
Die Geschichte dreht sich um das fiktive NASCAR-Team Bobby Spencer Racing. Doch besagter Bobby Spencer, gespielt von McGill, nimmt gleich zu Beginn seinen Hut. Das Geschäft sei ihm ironischerweise zu schnelllebig geworden; und als alter Mann könne er mit all der neuen Technik einfach nicht mehr Schritt halten. Nun soll seine junge Tochter Catherine (Mueller) das Steuer übernehmen - ganz zum Ärger der eingespielten, wenn auch erfolglosen Mannschaft.
Vor allem der Cheftechniker Kevin Gibson, gespielt von James, stellt sich anfangs quer. Er sieht nicht ein, dass er mit seinen 25 Jahren Erfahrung nun nach der Pfeife einer Managerin tanzen soll, die vor zehn Jahren noch zur Schule ging. Zumal die Neue sofort alles umkrempeln und nötigenfalls auch Leute entlasten will, um den Laden auf Vordermann zu bringen.
Zum wichtigsten Streitpunkt wird schnell die Wahl des Fahrers beziehungsweise der Fahrerin, denn Catherine will erstmals eine Frau hinter das Steuer eines NASCAR-Wagens setzen. Und tatsächlich scheint die toptalentierte Jessie (Berelc) mit ihren gerade erst 19 Jahren schon viel qualifizierter als der aktuelle Fahrer Jake (Stroma), der übrigens auch intellektuell nicht die hellste Zündkerze im Motor ist. So sieht also die Startposition der Serie aus, doch kommt sie auch in Gang?

Unsere Bewertung
Dass The Crew bei Netflix das Comedy-Rad nicht neu erfinden würde, war in Anbetracht der Beteiligten eigentlich klar. Trotzdem enttäuscht die Serie auch bei niedrigen Erwartungen. Man kann sich nur wundern, dass sogar noch im Jahr 2021 neue Multi-Kamera-Sitcoms produziert werden, die auf peinliche Konservenlacher zurückgreifen. Nachdem dieser stilistische Kniff seit so langer Zeit aus guten Gründen kritisiert wurde, dürfte man meinen, dass selbst der sprichwörtliche „Slow Joe in the back row“ längst davon ermüdet sein müsste.
Klar war natürlich auch, dass als Publikum wohl kaum junge, progressive Menschen infrage kommen, immerhin spielt die Serie in der rückwärtsgewandten Welt des NASCAR-Sports, wo bis heute noch die Konföderiertenflagge stolz gehisst wird. Aber wenn man schon politisch unkorrekte Witze machen will, die auch Trumpisten zum Lachen bringen sollen, dann bitte wenigstens in lustig. „Bobby, weißt du noch damals, als du eine Klage wegen sexueller Belästigung bekommen hast“, ist keine gute Punchline...
Trotz allem wird der Hauptcharakter von Kevin James natürlich nur als milder Sexist dargestellt, der vor allem ein Herz aus Gold hat. Nicht er ist der Böse, wenn er seine junge Chefin attackiert, sondern sie, weil sie so kaltherzig Mitarbeiter feuern will. Abwarten, wie sich diese zentrale Dynamik weiterentwickelt (falls man überhaupt weiterschauen will). Ich wäre nicht mal überrascht, wenn die Macher das Ganze sogar noch irgendwie zur Liebesgeschichte umdrehen würden, womit sich The Crew dann wirklich einen Platz in der Serienhölle verdient hätte.
Derlei Ambitionen lassen Lowell und Co zunächst vor allem durch die Figur von Stroma erkennen, der das unerträgliche Klischee des absoluten Vollidioten fortsetzt, von dem sich selbst eine Serie wie The Big Bang Theory irgendwann gelangweilt abgewandt hatte (gemeint ist die frühe Penny). Dass der Typ nicht weiß, was der Unterschied zwischen einem „Monkey“ (zu Deutsch: „Affe“) und einem „Monk“ (zu Deutsch: „Mönch“) ist, wirkt so künstlich konstruiert, dass man sich ernsthaft fragt, warum man mit The Crew die eigene Zeit auch nur eine Sekunde länger verschwenden sollte.
Sitcoms, die auf lächerlich unterbelichtete Figuren zurückgreifen, sagen ja vor allem eines: Wie dumm muss die Figur sein, damit selbst noch unser dümmster Zuschauer (eben besagter Slow Joe) darüber lachen kann, damit selbst er erkennt, dass die Figur dumm ist? Und wenn Jake hier das Maß ist, sieht man, wie wenig Achtung die Macher von The Crew vor ihrem Publikum haben. Wenn mir Netflix die Serie als „Top-Auswahl für Bjarne“ vorschlagen sollte, würde ich vielleicht darüber nachdenken, eine Klage wegen Beleidigung einzureichen.
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Netflix-Serie The Crew: