The Continental 1x01

The Continental 1x01

Was es mit manchen Regeln und Eigenheiten aus der „John-Wick“-Filmreihe auf sich hat, erklärt die neue Miniserie „The Continental“ über das vorherige Management des Killer-Hotels. Welchen Ersteindruck hinterlässt das Eventformat?

Szenenfoto aus der Serie „The Continental“
Szenenfoto aus der Serie „The Continental“
© Peacock/Prime Video/Lionsgate

Die „John-Wick“-Filmreihe hat sich von einer simplen Rachestory in den vier bisherigen Filmen in semikomplexe Mythologie verwandelt mit zahlreichen Regeln, Führungspersönlichkeiten und langer Historie, die seit gefühlten Ewigkeiten im Schatten abläuft. Dazu gehören auch die internationalen Hotels namens The Continental, in denen die Auftragskiller unterkommen und in welchen sich gegenseitig umzubringen eigentlich untersagt ist, wenn man nicht zur gejagten Person werden möchte...

Genau dieser Vorgeschichte des New-Yorker-Ablegers widmet sich nun die dreiteilige und jeweils etwa 90 minütige Eventserie, die in den USA beim Streamingdienst Peacock und in Deutschland und anderen Teilen der Welt bei Amazon Prime Video zu finden ist.

Worum geht es in der „The-Continental“-Folge „Waffenbrüder“?

Die Figur Frank und Yen auf einem Szenenfoto aus „The Continental“
Die Figur Frank und Yen auf einem Szenenfoto aus „The Continental“ - © Peacock/Prime Video/Lionsgate

In den 70ern hat jedoch nicht Winston (Ian McShane) das Kommando im The Continental, sondern ein gewisser Cormac (Mel Gibson), der jedoch schon auf die Dienste eines jungen Charon (Ayomide Adegun) setzen kann.

Im Mittelpunkt stehen der junge Winston (Colin Woodell, The Flight Attendant) und sein Bruder Frankie (Ben Robson, Animal Kingdom). Frankie hat einst die Verantwortung für die Tat seines Bruders auf sich genommen. Das hat Winston ein (halbwegs) ehrliches Leben in London ermöglicht, während Frankie in Vietnam war und sich seitdem mit illegalen Jobs über Wasser hält und irgendwie auch in den Dunstkreis des Hotels geraten ist. Bei einer Partynacht sprengt er mithilfe der U-Bahn einen Safe und entwendet eine wertvolle Münzpresse, was wiederum die Wut von Cormac und der Organisation weckt.

Cormac schickt seine Leute nach London, um Winston ausfindig zu machen, damit er seinen Bruder findet. Nebenbei sind auch Lou (Jessica Allain) und Miles (Hubert Point-Du-Jour), die Betreiber eines Dojos, involviert, mit denen Frankie mit Waffen gehandelt hat. Ebenso dabei sind zwei Polizeibeamte, wobei KD (Mishel Prada) eine Affäre mit ihrem Vorgesetzten Mayhew (Jeremy Bobb) hat. Die Polizistin ist recht frisch und geht einem Drogenfall nach, der sie ins Continental führt, wobei Mayhew verdächtig viel dafür tut, damit sie ihre Nase nicht zu tief hineinsteckt - wahrscheinlich, um sie zu schützen...

Winston hat seinen Bruder seit Ewigkeiten nicht gesehen und klappert alte Kontakte ab, um Cormac zuvorzukommen. In einem alten Kino findet er ihn und seine Frau Yen (Nhung Kate) schließlich und sie entschließen sich, die Flucht zu ergreifen und bei Uncle Charlie (Peter Greene, „Die Maske“) zu verschnaufen, ehe weitere Pläne geschmiedet werden.

Doch die Killer des Continental lassen sich nicht so leicht abschütteln. Als das Trio aus Winston, Frankie und Yen per Helikopter entkommen will, beschließt Frankie, sich zu opfern und wird vom Killerduo Hänsel und Gretel (Mark Musashi und Marina Mazepa) per Kopfschuss erwischt. Winston und Yen schauen nun bei den Waffelhändler-Geschwistern vorbei und wollen Rache an Cormac und Co nehmen.

Guns, lots of guns...

The Continental (Untertitel: „Aus der Welt von John Wick“) ist ein weiteres Beispiel für die Serienerweiterung eines Filmuniversums, wie etwa Treadstone für die „Bourne“-Reihe, The Purge oder natürlich die Serien zum Marvel Cinematic Universe und „Star Wars“. Allerdings ist es die Art von Serie, die ein direktes Prequel zu den Filmen darstellt.

Entsprechend gibt es einige easter eggs, wie zum Beispiel die entwendete Münzpresse, die jüngeren Versionen von bekannten Figuren (Charon, Winston) oder Vorgängern im Amt (Adjucator), aber auch Regeln (nicht im Hotel morden), Zitate („Guns, lots of guns“) und auch die Kevlar-Anzüge, die viele Kontrahenten tragen, werden in einem Nebensatz präsentiert. Eines der größten Rätsel des Franchises sind wohl die Münzen und ihre unklaren Umrechnungskurse. Manchmal kaufen sie einen Drink, mal einen ganzen Auftrag, mal vielleicht einen Fluchtwagen. Wer weiß das schon so recht. Ob die Eventserie hier letztlich Licht ins Dunkel bringt?

Solche Mythologie-Erklärungen können den einen oder anderen Zuschauer interessieren, entmystifizieren aber auch so manches. Ein Negativbeispiel für so etwas ist in meinen Augen „Solo - A Star Wars Story“, in welchem gewisse Geheimnisse unkreativ erklärt werden, wie etwa die Entstehung des Heldennamens. In einer Serie läuft man daher Gefahr, ebenfalls in diese Falle zu tappen, wobei in der ersten Folge sogar noch alles im Rahmen bleibt.

Das Pacing ist eine zweite Sache, wenn Filmstoffe plötzlich zur Serie werden. Statt einer knackigen Zwei-Stunden-Angelegenheit hat man plötzlich mehr als vier Stunden zur Verfügung, die dann auch gefüllt werden wollen. Die Antwort der Macher scheint es hier zu sein, sehr viel mehr Figuren einzuführen, als es eigentlich nötig erscheint. Dass dabei alle interessant genug sind und bleiben, so dass man wissen möchte, was mit ihnen passiert oder welche Hintergründe sie haben, ist schwer zu bewerkstelligen.

Zumal die „John-Wick“-Filme mit ihrem wortkargen Protagonisten nicht unbedingt als Charakterstudie ausgelegt sind. So kann es sein, dass sich die überlange Episode stellenweise doch deutlich zieht, zumal es „nur“ zweieinhalb Actionszenen gibt, die dafür entschädigen.

Die erste große Frankie-Szene im Treppenhaus soll dann wohl bewusst an Keanu Reeves und dessen Figur erinnern, weil der Kampfstil durchaus Ähnlichkeiten aufweist. Wollte man schon immer tiefer in die Wick-Welt abtauchen und mehr Details erfahren, dann wird man hiermit hingegen durchaus glücklich.

Wick light

Die Figur Cormac auf einem Szenenfoto aus „The Continental“
Die Figur Cormac auf einem Szenenfoto aus „The Continental“ - © Peacock/Prime Video/Lionsgate

Die Macher haben sich Mühe gegeben, das abgerockte New York der 70er in der Ausstattung einzufangen und auch die Musik ist den Zeitperioden entsprechend angepasst. Trotzdem fehlt das gewisse Etwas an Coolness und Style, um ähnlich zu begeistern wie die Filme. Ich würde darauf tippen, dass die Kombination aus Keanu Reeves und der Kreativkraft Chad Stahelskis einfach schwer zu replizieren ist und es deswegen leicht an Drive fehlt.

Bis auf Mel Gibson sind die meisten Darsteller zwar keine Superstars, aber dem geneigten Serienjunkie aus anderen Formaten, wie zum Beispiel Vida, Supergirl oder Animal Kingdom womöglich bekannt, so dass man sie nicht unbedingt sofort mit anderen Rollen verbindet. Manchmal hatte ich persönlich leichte Gotham-Vibes beim Casting, weil es natürlich kein Leichtes ist, den tollen Ian McShane zu ersetzen, wobei Woodell seine Sache ganz ordentlich macht.

Mit dem Ereignis aus den letzten Momenten der Debüt-Folge hat man zudem das, was man braucht, um eine Rachestory aus der Handlung zu machen und den späteren Aufstieg von Winston in seine bekannte Position einzuleiten. Allerdings frage ich mich, wer nun die zentralen Actionsaspekte der Serie ohne Frankie tragen soll. Yen empfiehlt sich dafür durch ihren netten Babyrettungskampf, aber man kann wohl nicht davon ausgehen, dass Winston eine geheime Vergangenheit als Badass hatte. Lou und Miles dürften sich dem Duo anschließen, aber mit welcher Motivation?

Fazit

Die Figur Charaon auf einem Szenenfoto aus „The Continental“
Die Figur Charaon auf einem Szenenfoto aus „The Continental“ - © Peacock/Prime Video/Lionsgate

The Continental gewährt einen Einblick in die Welt von John Wick vor John Wick - ob das reicht, um der Miniserie eine Chance zu geben, hängt wohl stark davon ab, wie sehr man das Actionfranchise bisher mochte und ob man sich für die teils merkwürdigen Regeln und Gepflogenheiten interessierte.

Bei einigen Charakteren weiß man nach dem Einstieg noch nicht so richtig, welche Rolle sie zu spielen haben und das Pacing ist in der langen Episode nicht immer optimal. Wenn es dann aber mal zur Sache geht, dann zumindest auch fast auf dem Niveau der Filme, aber eben auch nur fast...

Für mich persönlich gibt es genug interessante Aspekte, die mich wohl dazu bewegen werden, auch in die anderen beiden Teile reinzuschauen. Es müsste aber noch etwas mehr der Funke übersprühen, der bisher nur ab und zu durchblitzt. Dreieinhalb von fünf undefinierten Münzen.

Hier abschließend noch ein aktueller Trailer zur Serie „The Continental“ beim Streamingdienst Amazon Prime Video:

Verfasser: Adam Arndt am Freitag, 22. September 2023

The Continental 1x01 Trailer

Episode
Staffel 1, Episode 1
(The Continental 1x01)
Deutscher Titel der Episode
Waffenbrüder
Titel der Episode im Original
Night 1: Brothers in Arms
Länge der Episode im Original
1 Stunde 26 Minuten
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Freitag, 22. September 2023 (Peacock)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 22. September 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Mediathek
Freitag, 22. September 2023
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Freitag, 22. September 2023
Erstausstrahlung der Episode in der Schweiz
Freitag, 22. September 2023
Autoren
Greg Coolidge, Derek Kolstad, Shawn Simmons
Regisseur
Albert Hughes

Schauspieler in der Episode The Continental 1x01

Darsteller
Rolle
Mel Gibson
Colin Woodell
Mishel Prada
KD
Ray McKinnon
Ben Robson
Hubert Point-Du Jour
Mark Musashi
Adam Shapiro

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?