Die frei erfundenen Abenteuer von Dick Turpin: Kritik zur neuen Apple-Serie mit Noel Fielding

© Apple TV+
Flamboyante Tunichtgute nach dem Vorbild von Captain Jack Sparrow (Johnny Depp) aus den beliebten „Fluch der Karibik“-Filmen erleben dieser Tage wieder eine neue Hochphase: Nach der fantastischen, wenn auch leider zu früh abgesetzten Max-Piratenkomödie Our Flag Means Death von und mit Taika Waititi folgt nun die Straßenräuberserie The Completely Made-up Adventures of Dick Turpin (zu Deutsch: „Die frei erfundenen Abenteuer von Dick Turpin“) bei Apple TV+. Hier spielt der „Great British Bake Off“-Moderator Noel Fielding die Titelrolle und bringt dabei seinen ganzen Charme auf die Bildschirme.
Kreiert wurde die historische Comedyserie aus Großbritannien vom The Job Lot-, In the Long Run- und Timewasters-Trio Claire Downes, Ian Jarvis und Stuart Lane. Die sechsteilige Auftaktstaffel ging nun am heutigen Freitag, den 1. März 2024 mit den zwei ersten Episoden an den Start. Wir haben den halbstündigen Pilot namens A Legend Is Born (Sort Of) bereits gesichtet und sind ziemlich begeistert von dem Neustart. Übrigens spielt sogar der Downton Abbey- und „Paddington“-Veteran Hugh Bonneville mit.
Davon handelt die Serie „Die frei erfundenen Abenteuer von Dick Turpin“
Im Zentrum der Geschichte steht der legendäre Räuber Dick Turpin (Fielding), der vor 300 Jahren tatsächlich die Straßen im Vereinigten Königreich terrorisierte - und später ähnlich verklärt wurde wie Robin Hood. Auch seinen Gegenspieler Jonathan Wild, gespielt von Bonneville, gab es wohl in echt. Er trägt den schönen Titel „Thief-Taker General“, ist aber selbst ein halber Schurke, der sich den Löwenanteil der Beute sichern will. Bevor Dick überhaupt bei den Großen mitreden darf, muss er sich zunächst von seinem Metzgervater John (Mark Heap) abnabeln, der ihm eigentlich das Familienunternehmen anvertrauen wollte. Nun übernimmt sein Cousin das Geschäft, der von Michael Fielding gespielt wird, welcher der Halbbruder des Hauptdarstellers ist und zudem als Autor bei der Serie mitwirkt...
Dick zieht derweil hinaus, um seinen Träumen nachzujagen. Durch eine Verkettung glücklicher Unfälle schart er bald sogar seine erste eigene Crew um sich, bestehend aus der cleveren Nell Brazier (Ellie White), dem überraschend sanftmütigen Hünen Moose Pleck (Marc Wootton) und dem Spurenleser Honesty Courage (Duayne Boachie). Zumindest in beratender Funktion kann man auch die minderjährige Kneipenwirtin Little Karen (Kiri Flaherty) zu Turpins Truppe dazuzählen. Im Lauf der Staffel dürften sowieso noch weitere Mitglieder an Bord kommen, weil Dick mit seiner Nettigkeit früher oder später alle um den Finger wickelt.
Jetzt das Angebot von Apple TV+ entdecken (Affiliate-Link)

In dieser Hinsicht erinnert er sehr an den One Piece-Helden Monkey D. Luffy/Ruffy, der wie er davon träumt, der berühmteste Verbrecher der Welt zu werden, obwohl er sich in Wahrheit nur nach Freundschaft zu sehnen scheint und bei den kleinsten Übeltaten bereits größte Gewissensbisse kriegt. Wie verquer Dicks Vision vom Räuberdasein ist, sehen wir gleich in der Eröffnungsszene, in der er (im Traum) eine Kutsche ausraubt und seine Opfer ganz entzückt sind ob der Ehre, die ihnen zuteil wird, vom legendären Dick Turpin ausgeraubt zu werden.
So, wie uns die Ursprünge der kriminellen Karriere Dick Turpins gezeigt werden, sehen wir in Folge eins auch gleich das drohende Ende. Denn bald schon landet er vor dem Henker und muss sich dem Hohn der Massen aussetzen, die ihn einfach nicht ernst nehmen können. Zum Glück beweist seine neue Gang genau in dieser dunkelsten Stunde ihre Loyalität und rettet ihn. Beobachtet wird das Ganze von der Reporterin Eliza Bean (Dolly Wells), die Dick noch vor der geplanten Hinrichtung interviewt hat, weil sie bei ihm eine tolle Story vermutete - und genau die kriegt sie nun!
Noel Fielding, Hugh Bonneville und Co glänzen in der Apple-Comedy
Comedy-Piloten sind häufig so überladen mit Exposition, dass dem genauso wichtigen Faktor Humor nicht genügend Raum gewährt wird. Beim Auftakt von „The Completely Made-up Adventures of Dick Turpin“ fällt auf, wie viele Witze sofort zünden. Zum Beispiel alle Interaktionen zwischen Bonnevilles Charakter und seinem Sohn sind absolut großartig, genauso wie die für Bösewichte sehr untypischen Gespräche von Dick und seiner Gang. Zwar gibt es auch Momente, die nach hinten losgehen (Stichwort Steven), doch insgesamt ist das ein guter Schnitt - wobei Lustigkeit natürlich subjektiv empfunden wird.
Woran gar kein Zweifel bestehen kann, ist, dass Noel Fielding einen fantastischen Job in der Titelrolle macht. Man kann kaum glauben, dass der Brite nicht häufiger fiktive Figuren spielt, sondern meist sich selbst (eben wie bei „GBBO“). Er bringt die Trockenheit mit, die man mit seinem Land gern in Verbindung bringt; und zudem einen Hauch von Queerness, wie man sie ja auch von Jack Sparrow kennt. Wenn aus der Serie langfristig nichts werden sollte, könnte er sich womöglich sogar als Nachfolger des karibischen Captains in Stellung bringen...
„Die frei erfundenen Abenteuer von Dick Turpin“ kriegen von uns zum Start viereinhalb von fünf Diebesgüter. Die erste Episode wirkt höchst kompetent, was die Einführung der Figuren und die Vorbereitung der weiteren Erzählung angeht. Bonuspunkte gibt es zudem für Fielding und Bonneville, die mit der Serie ganz viel Spaß zu haben scheinen und uns dankenswerterweise daran teilhaben lassen. Zudem könnte der Neustart von Apple das „Our-Flag-Means-Death“-förmige Loch in unseren Herzen füllen. Auch dafür danke!
Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Serie „The Completely Made-up Adventures of Dick Turpin“: