The Comey Rule: Review der Pilotepisode

© eff Daniels und Brendan Gleeson in The Comey Rule (c) Showtime
Am 3. November dieses Jahres findet die vielleicht wichtigste Präsidentschaftswahl in der modernen Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika statt. Donald Trump tritt als Republikanischer Amtsträger gegen den Demokratischen Herausforderer Joe Biden an. Nicht nur für den weiteren Verlauf der Corona-Krise und die Bürgerrechte von People of Color, sondern auch im weltweiten Kampf gegen den Klimawandel kann der Ausgang entscheidende Folgen haben.
Um die vielleicht noch unentschlossenen Wählerinnen und Wähler gegen den derzeit noch mächtigsten Mann der Welt aufzubringen, präsentiert der Kabelsender Showtime nun die vierteilige Miniserie The Comey Rule. Basierend auf den Memoiren des früheren FBI-Chefs James Comey - hier gespielt von Jeff Daniels (The Newsroom) -, soll nochmal daran erinnert werden, unter welchen dubiosen Umständen Trump die Wahl 2016 überhaupt für sich entscheiden konnte. Viele sehen in Comey einen unfreiwilligen Wahlhelfer Trumps, da er kurz vor knapp Hillary Clintons E-Mail-Affäre neu aufgerollt hatte. Später ging es ihm selbst an den Kragen, als er Trumps Verbindungen nach Russland untersuchen ließ...
Worum geht's?
Das Dokudrama setzt logischerweise einige Monate vor dem Election Day an. Wir lernen zunächst den „Titelhelden“ Comey und dessen Kollegen bei der Bundespolizei kennen. Der Regisseur und Chefautor Billy Ray („Captain Phillips“) betont dabei immer wieder, mit was für „noblen“ Männern und Frauen wir es hier zu tun haben - und begründet das, weil sie immerhin „die Guten“ seien und „das Böse“ bekämpfen würden. Man merkt also schnell, dass die Serie wenigstens der moralischen Komplexität eines Kindes würdig ist. Dementsprechend passt dann auch das Casting von Daniels, der schon in The Newsroom immer wieder sagen durfte, was gut und was böse ist. Von derart durchdachten Argumenten lassen sich Menschen, die eher zwischen den Stühlen stehen und an die das Ganze ja gerichtet sein soll, sicherlich überzeugen.
Noch unangenehmer als den Dialogen zuzuhören, ist es aber, in die Gesichter der Beteiligten zu schauen. Man merkt sofort, dass die Geschichte einfach noch nicht lang genug zurückliegt. Wir wissen noch ganz genau, wie die dargestellten Akteure in echt aussehen. Somit wirkt es fast so, als würde man einer schlechten Pornoparodie aus dem Weißen Haus zusehen. Dabei ist den Machern das unglaubliche Kunststück gelungen, dass die Darsteller ihren realen Vorbildern teilweise viel zu ähnlich sehen und manchmal wiederum lächerlich geschminkt und verkleidet scheinen. Mein Kollege Tim beschreibt es so am besten: „Für mich sieht das einfach so sehr nach Brendan Gleeson mit einem Fiffi auf dem Kopf aus (was es ja auch ist).“

Hierzulande, wo The Comey Rule übrigens erst einen Tag vor der US-Wahl bei Sky startet, werden einige Namen sowieso kaum Wirkung erzielen. Abgesehen von Donald Trump (Brendan Gleeson), Barack Obama (Kingsley Ben-Adir) und vielleicht noch Robert Mueller (Peter Coyote) werden wohl nur die wenigsten Namen wiedererkannt. Dabei setzt The Comey Rule auf ein gewisses Grundwissen in Sachen amerikanischer Politik. Zu den wichtigsten Figuren gehören Michael Kelly (House of Cards) als Comey-Kollege Andrew McCabe, Holly Hunter (Succession) als United States Deputy Attorney General Sally Yates und Joe Lo Truglio (Brooklyn Nine-Nine) als neuer und inzwischen schon wieder alter Justizminister Jeff Sessions.
Gleichzeitig stellt es ein Problem dar, wenn man die wahre Geschichte zu gut kennt, was die Zielgruppe der Serie unvorteilhaft einschränkt. Zumal The Comey Rule kein klares Muster erkennen lässt, welche Charaktere nun mit Schauspielern besetzt werden und welche quasi sie selbst bleiben dürfen und somit nur in Nachrichtenausschnitten auftreten. Außerdem bringt die fiktionalisierte Darstellung keinerlei neue Erkenntnisse, da auch das Buch von Comey wenig aufschlussreich war. Uns wird vorgegaukelt, dass wir exklusive Einblicke bekommen, doch eigentlich ist es genau dasselbe, was ohnehin schon alle wissen. Nur, dass Comey manches vielleicht schon zwei, drei Wochen früher wusste, was heute defacto aber keine Rolle mehr spielt.
Am meisten darf man sich darüber ärgern, dass Trump in The Comey Rule zum mysteriösen Supermenschen verklärt wird. Während wir seine damalige Herausforderin Hillary Clinton (sie bleibt unbesetzt) in der überlangen Pilotepisode immer wieder sehen, tritt er zunächst nur als Silhouette auf, um ihm eine möglichst wirkungsvolle Premiere zu ermöglichen. Wenn Showtime wirklich das Ziel verfolgt, Trump zu entzaubern, ist dieser Ansatz ziemlich kontraproduktiv. Und genau das unterstreicht, wie egal diese Serie ist - was in Anbetracht dieser wichtigen Thematik umso eklatanter ist. Fast würde man sich wünschen, dass Comey, Trump und Co immerhin singen würden, damit das Ganze auch nur einen Hauch des Künstlerischen hätte.
Fazit
Ist The Comey Rule sehenswert? Nein. Wird die Serie politisch etwas bewirken? Nein. Eher noch schadet Showtime damit den Bestrebungen, Trump zu stürzen. Weder kann das Dokudrama neue Erkenntnisse bringen noch lässt es allzu viele kreative Ambitionen erkennen. Es fühlt sich fast ironisch an, abschließend nochmal zu betonen, wie irrelevant das alles ist. Vielleicht macht das unerfreuliche Werk von „Captain Phillips“-Autor Billy Ray ja mehr Sinn, falls Trump eines Tages besiegt sein sollte und wir über diese ganze Episode der amerikanischen Geschichte tatsächlich nur noch lachen können...
Hier abschließend noch der Trailer zur Showtime-Miniserie The Comey Rule:
Hier kannst Du „A Higher Loyalty: Truth, Lies, and Leadership“ bei Amazon.de kaufen