The Club: Kritik zur belgischen Dramedy-Miniserie bei ZDFneo

The Club: Kritik zur belgischen Dramedy-Miniserie bei ZDFneo

Die belgische Dramedy-Miniserie „The Club“ erzählt auf manchmal heitere, aber immer einfühlsame Weise die Geschichte dreier Paare, die ungewollt kinderlos sind und eine Kinderwunschtherapie durchstehen. Von uns gibt es dafür das Prädikat besonders wertvoll.

Poster zur Serie „The Club“
Poster zur Serie „The Club“
© ZDF und VRT und Les Gens und Gardner and Domm

Das passiert in der Serie „The Club“

Die drei Paare Kirstie (Janne Desmet) und Bert (Dominique Van Malder), Charlie (Roos Dickmann) und Ziggy (Achraf Koutet) sowie Ellen (Jade Olieberg) und Zwo (Evelien Bosmans) sind ungewollt kinderlos. Obwohl sie alles versuchen, und zahlreiche Kinderwunschbehandlungen über sich ergehen lassen, gehören sie doch dem Club jener Menschen an, die immer wieder traurig auf die Dankeskarten in der Kinderwunschpraxis blicken, ohne je selbst eine schreiben zu dürfen.

Wie gehen die sechs so unterschiedlichen Menschen mit dem Gefühlschaos aus Vorfreude, Hoffnung, tiefer Enttäuschung, Trauer und Verzweiflung um?

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Einfühlsam und rührend

Ellen (Jade Olieberg) und Zwo (Evelien Bosmans) wünschen sich ein Kind in der Serie „The Club“
Ellen (Jade Olieberg) und Zwo (Evelien Bosmans) wünschen sich ein Kind in der Serie „The Club“ - © ZDF und VRT und Les Gens und Gardner and Domm

Der Club geht ein überaus schwieriges Thema auf emotionale und charmante Art an. Allein in Deutschland bleibt fast jedes zehnte Paar ungewollt kinderlos, insofern wurde es auch im seriellen Bereich endlich Zeit, sich mit der Problematik auseinanderzusetzen. Das fünfköpfige Autoren-Team der belgischen Miniserie geht die Sache aus der Sicht von drei betroffenen Paaren mit unterschiedlichen Diagnosen an.

Eines ist jedoch allen sechs Menschen gemeinsam. Die zahlreichen Behandlungen in der Kinderwunschpraxis von Dr. Deseure haben ihre psychischen und physischen Spuren hinterlassen. Während Kirstie, Charlie und Ellen sich durch Hormonbehandlungen, Medikamentenberge und Eizellentnahmen quälen, verzweifelt Bert an seiner Unfruchtbarkeit. Ellens Frau Zwo fühlt sich nach der Notoperation ihrer Frau nicht bereit, ihren Platz als biologische Mutter zu übernehmen und Ziggy empfindet tiefe Trauer nach dem Verlust von Charlies Embryo.

So erleben sie ein Gefühlschaos zwischen Ups und Downs nach dem anderen. Sie hoffen, bangen, trauern und stellen sich mutig einer weiteren Behandlung, bis ihre Beziehungen schließlich bis zum Zerreißen angespannt sind. Diese tiefe Emotionalität wird vom kleinen, aber feinen Ensemble nahezu perfekt transportiert. Im Verbund mit der klugen Inszenierung aus Heiterkeit und ernsthaftem Tiefsinn fühlen wir uns involviert und mitgenommen. Unterstützt wird der Ansatz von einer zurückhaltenden, ganz auf die Protagonisten fokussierten Kameraführung und fein abgestimmten Dialogen.

Der Club

Die ersten drei Episoden (Der Club, zu dem niemand gehören will, Der Jetzt-oder-nie-Club und Der Pick-up-Club führt in je einer Folge die Protagonisten und die Umstände ihre ungewollte Kinderlosigkeit ein. Dabei könnten die Paare oberflächlich betrachtet unterschiedlicher nicht sein. Kirstie und Bert sind um die 40, Ellen und Zwo ein lesbisches Ehepaar. Charlie und Ziggy fühlen sich eigentlich zu jung für ein Kind, doch weil Charlies Wechseljahre vorzeitig eingesetzt haben und sie sich lieben, möchten sie ihre letzte Chance auf ein gemeinsames Kind nutzen.

Und doch eint sie die Verzweiflung darüber, kinderlos zu sein. So kommt es, wie es kommen muss. Da sie in derselben Kinderwunschpraxis sind und immer wieder aufeinandertreffen, entwickelt sich ab Folge vier, Der Geburtstagskarten-Club eine Freundschaft zwischen ihnen. Da kaum ein Außenstehender ihre Gefühle wirklich nachvollziehen kann, tut ihnen die Beziehung sichtlich gut. Sie fühlen sich nicht mehr allein und angenommen.

Gefühlschaos

Bert (Dominique Van Malder) und Kirstie (Janne Desmet) sprechen sich aus auf einem Szenenfoto zur Serie „The Club“
Bert (Dominique Van Malder) und Kirstie (Janne Desmet) sprechen sich aus auf einem Szenenfoto zur Serie „The Club“ - © ZDF und VRT und Les Gens und Gardner and Domm

Von nun an wird die Geschichte noch emotionaler, als sie ohnehin schon ist. Mal erleben wir heitere, unbeschwerte Szenen, in der nächsten Minute liegen Kirstie und Bert herzzerreißend weinend im Bett, weil er die Versuche aufgeben, sie aber ohne Kind nicht mehr leben möchte (Der Baby-Bingo-Club). Wenig überraschend entwickeln sich mit den Fehlversuchen aber auch die Diskussionen darüber, wie es weitergehen soll.

Irgendwann scheinen plötzlich auch Themen diskutabel, die zuvor ein Tabu darstellten. Zwo entscheidet sich doch, schwanger zu werden, Bert und Kirstie beginnen über eine Samenspende zu diskutieren. Vor allem für ihn ist dies ein schweres Thema, weil er befürchtet, ein Kind nicht so sehr lieben zu können, wenn er nicht der biologische Vater ist. Wer eine Kinderwunschbehandlung hinter sich hat, wird die sich allmählich auflösende Blockade für bestimmte Behandlungsmethoden fraglos nachvollziehen können, andere entwickeln hoffentlich ein Verständnis dafür, wie belastbar ungewollte Kinderlosigkeit sein kann. Im Fall der beiden führen die Gespräche in eine Beziehungskrise, womit Episode fünf dramatisch endet.

Die Ärztin

Abschließend werfen wir noch einen kurzen Blick auf die behandelnde Ärztin Dr. Deseure, die von Lies Visschedijk mit gnadenloser Reserviertheit gespielt wird. Für sie ist die Kinderwunschtherapie nicht mehr als ein Job. Mit kühlem Abstand analysiert sie die Fakten und rät ihren Patientinnen zu dieser oder jener Maßnahme. Dabei sind ihr die persönlichen Hintergründe vollkommen egal, für sie zählt nur Erfolg oder Misserfolg. Das mag stellenweise überzogen wirken, arbeitet aber die professionelle emotionale Distanz heraus, der man in Praxen und Kliniken oft gegenübersteht.

Die Geschichte lässt uns keinen Augenblick im Unklaren darüber, dass es hier eben auch um das Geschäft geht und viele Betroffene die Hilfe von Spezialistinnen und Spezialisten in Anspruch nehmen. Es dürfte kein Geheimnis sein, dass eine entsprechende Behandlung tausende Euros verschlingt, wobei - wie in Kirsties Fall - sechs oder sieben gescheiterte Versuche keine so große Seltenheit darstellen... Auch hier nimmt die Serie erfreulicherweise kein Blatt vor den Mund.

Fazit

The Club“ wagt sich an ein gesellschaftliches Tabuthema aus mehreren, intensiv inszenierten, Blickwinkeln heran. Die Miniserie ist hervorragend recherchiert und zeichnet den Werdegang von ungewollt kinderlosen Paaren vom ersten Augenblick an detailliert, emotional und ehrlich nach. Welchen Problemen stehen die Paare gegenüber, wie gehen sie mit der körperlichen und psychischen Belastung um? Welche Tabus fallen im Laufe der Zeit und wann ist der richtige Zeitpunkt aufzuhören oder einen letzten Versuch zu wagen? Das sind die Kernfragen, mit denen sich die Protagonisten in dieser ansprechenden, manchmal witzigen, bisweilen auch traurigen und dramatischen Geschichte publikumsnah auseinandersetzen. Dafür und für die menschliche Wärme gibt es von uns die volle Punktzahl.

Wir vergeben daher: fünf von fünf Sterne

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