The Cleaning Lady: TNT - Review der Pilotepisode

The Cleaning Lady: TNT - Review der Pilotepisode

Beim amerikanischen Network FOX ist die neue US-Serie The Cleaning Lady gestartetet. Die aus Daredevil bekannte Elodie Yung spielt eine Ärztin aus Kambodscha, die hofft, in Amerika ihrem kranken Sohn helfen zu können. Dabei soll sie Tatorte für Gangster sauber machen.

Szenenfoto aus der Serie The Cleaning Lady (c) FOX
Szenenfoto aus der Serie The Cleaning Lady (c) FOX
© zenenfoto aus der Serie The Cleaning Lady (c) FOX

Miranda Kwok (The 100) steht hinter der neuen FOX-Dramaserie The Cleaning Lady, die in ihrer Prämisse zwar an einige andere Serien erinnert, aber primär ein amerikanisches Remake der argentinischen Serie „La Chica Que Limpia“ darstellt. Die Hauptrolle spielt derweil Elodie Yung, die man noch als Elektra aus Daredevil von Netflix kennen könnte.

Warum geht es in The Cleaning Lady?

Yung ist als Thony De La Rosa zu sehen, die aus Kambodscha stammt und dort Medizin studiert hat. Nach Amerika, genauer gesagt nach Las Vegas, kommt sie mit einem temporären Visum, weil sich ihr Sohn Luca (Sebastien LaSalle und Valentino LaSalle) Hoffnung auf eine Knochenmarkspende machen kann. Ihr Geld verdient sie als Reinigungskraft, die jedoch nur so halblegal als solche arbeiten darf, denn ständig muss sie darum bangen, ob sie aus dem Land ausgewiesen wird. Bei einer Party wird ihre Schwägerin Fiona (Martha Millan) einem Auftraggeber gegenüber, der Thony belästigt und übergriffig anspricht, handgreiflich und sorgt beinahe für sein Ableben. Wenn da nicht Thony mit ihrem spontanen Luftröhrenschnitt (ein Klassiker in Network-Medicaldramen) wäre...

Kurzzeitig sieht es so aus, als würden die Frauen ihren semilegalen Job verlieren, doch weil Thony nicht auf den Kopf gefallen ist, kann sie die Situation und ihre Jobs retten, doch sie und Fiona sollen künftig nicht mehr die gleiche Schicht haben.

Privat bedeutet ihre Arbeit, dass sie sehr spät zur Familie nach Hause kommt und keinerlei Jobsicherheit hat, da sie nur von Gig zu Gig lebt. Bei einem Fight Club im Untergrund bezeugt sie nicht nur, wie ein Kampf fingiert werden soll, sondern sorgt indirekt auch dafür, dass die besagte Kämpferin nicht bei den Machenschaften ihres Chefs mitmacht, der jedoch wenig später erschossen wird, was Thony wiederum bezeugt.

Als dann noch im schlimmstmöglichen Moment ihr Telefon klingelt, fürchtet sie um ihr Leben, nur um durch ihr Talent selbiges zu verlängern. Denn sie weiß, wie man Blutspuren am besten entfernt und will helfen, die Leiche fortzuschaffen. Das beeindruckt vor allem Arman Morales (Adan Canto, Designated Survivor), der sie fortan für ihre Dienste bezahlen und auf Abruf einsetzen möchte, was dann gleich mehrfach in der Pilotepisode TNT passiert.

So lässt er sie die Party seiner Ehefrau aufräumen, aber auch die Spuren seines „Geschäfts“ säubern. Bei Letzterem ahnt er jedoch nicht, dass sein Boss das Gebäude, das Thony sauber machen soll, in die Luft jagt. Erst im letzten Moment kann Arman sie daraus retten. Er selbst hat Respekt für sie, weil sie ihn wohl an seine Mutter erinnert, die einst einen ähnlichen Job innehatte und ständig arbeitete, damit es ihm einmal besser geht.

Wie ist der Auftakt von The Cleaning Lady gelungen?

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Mit einer schwächeren Darstellerin als Yung wäre die Serie The Cleaning Lady wohl direkt weniger sehenswert. Doch sie bringt eine gute Mischung aus Determination, Aufopferungsbereitschaft für ihre Familie, Bauernschläue, eigenen Moralcodex und irgendwo auch Selbstbestimmung in Angesicht der Gefahr mit, die die Figur spannend machen kann, wenn die Autoren es wollen oder schaffen.

Man kann durchaus einige Versatzstücke von anderen Serienformaten in The Cleaning Lady finden. Breaking Bad beispielsweise, weil Thony zwar nicht selbst um ihr Überleben kämpfen muss, aber um das ihres fünfjährigen Sohnes, der ohne ihren Kampfgeist zum Sterben verurteilt wäre. Aber dafür braucht sie eben dubiose Geldquellen respektive Arbeitgeber...

Parallelen gibt es sicherlich auch zu The Mob Doctor oder Temple, weil hier medizinisches Personal moralische Grenzen überschreitet und sich aus unterschiedlichen Gründen für düstere Kräfte einspannen lässt. Von Der Tatortreiniger sind ein paar Kniffe beim Aufräumen drin, aber natürlich nicht die Kammerspieldialoge, die die deutsche Produktion so sehenswert machen. Und wie in Good Girls steht zu erwarten, dass sich die Hauptfigur (oder vielleicht sogar Hauptfiguren, falls Fiona weiter eingespannt wird) immer tiefer in etwas verwickeln wird. So kommt man irgendwann aus dem Strudel des Verbrechens, der Mitwisserschaft und Ähnlichem nicht mehr so ohne Weiteres heraus...

Schon im Pilot scheint Schwägerin Fiona bereit dazu zu sein, mit Drogen zu dealen, wenn das einen luxuriösen Job ermöglicht und das Einkommen der Familie sichert. Thony zeigt derweil Bereitschaft, Leichen zu verbergen, Beweise zu tilgen und keine unangenehmen Fragen zu stellen, wenn es denn den Sohn rettet, was man sicherlich irgendwo nachvollziehen kann. Außerdem macht sie sehr schnell deutlich, dass sie ein Wort mitzureden hat, was ihre Arbeit angeht, denn sie erwartet Respekt und Schutz, wenn sie für Arman putzt und Spuren beseitigt. Apropos Arman: Sowohl er als auch Thony werden als verheiratete Figuren eingeführt, aber in klassischer Networkmanier wird auch eine Art von erotischem Knistern zwischen beiden vom ersten Treffen an aufgebaut. Sollte die Serie eine entsprechende Zukunft haben, wäre eine Affäre zwischen ihnen wohl vollkommen erwartbar.

Die Pilotfolge ist relativ vollgepackt und zeigt gleich mehrere Einsätze für Putzkraft Thony und durch die Bombe auch direkte Lebensgefahr für sie, die erst in letzter Sekunde abgewendet werden kann. Man kann gespannt sein, ob man so ein Tempo im Rest der Folgen aufrechterhalten kann und ob es über die zehn anfangs bestellten Folgen überhaupt hinausgehen wird. Wahrscheinlich müsste man dann wie bei „BrBa“ neue Eskalationsstufen erfinden und irgendwann immer extremer werden. Der Anfang wird am Ende der Folge schon gemacht und suggeriert, dass die Behörden Thony und Co bereits auf der Spur sind, weil man sie beobachtet. Muss sich Thony zwischen den Feds und dem Mob entscheiden?

Ein kleiner erfreulicher, aber unterschwelliger Pluspunkt ist die Tatsache, dass die Hauptrollen der Serie von asiatischen Protagonisten gespielt werden. Denn wie Yung ist Thony kambodschanischer Abstammung, was auch im Jahr 2022 im Networkfernsehen (und Nordamerika insgesamt) noch selten ist. Wahrscheinlich gibt es nur eine Handvoll von Beispielen, in welchen das so ist - viele Beispiele mehr als Fresh Off the Boat, Kung Fu, Kim's Convenience oder der Kanada-Neustart Run The Burbs fallen mir aktuell leider nicht ein.

Fazit

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Wie die meisten Networkneustarts wird es The Cleaning Lady schwer haben. Die Einschaltquoten sinken zwar seit Jahren, das ändert aber nichts daran: Die Ansprüche der Senderchefs und Werbekunden bleiben hoch. Trotzdem sägen die Networks (und Sender im Allgemeinen) die meisten Neustarts schon nach einer Staffel ab. Somit ist jeder Quotenerfolg ein kleines Wunder für sich. Die Serie bringt gewisse pulpige Qualitäten mit sich, ist aber stellenweise auch recht soapig und vorhersehbar, wenn man in den letzten 25 Jahren genug Serienstarts verfolgt hat.

Mit Yung ist immerhin eine fähige Schauspielerin an Bord und aus der Prämisse lässt sich durchaus etwas Spannendes machen. Vielleicht kann das Format eine Art Guilty Pleasure werden, denn nach dem Piloten würde ich zumindest gerne wissen, in welche Richtung es für die Figuren weitergeht und das ist bei Networkneustarts im Jahr 2022 bereits sehr viel wert. Vielleicht kann man den Erfolg von „Good Girls“ bei NBC nachahmen und ein paar Staffeln auf Sendung bleiben oder vielleicht wischt FOX im Mai zu den Upfronts auch wieder feucht durch und Thorny und Co werden fortgeputzt, wie die Blutlachen in der Serie...

Hier abschließend noch der aktuelle Trailer zur Serie „The Cleaning Lady“:

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