Die Professorin: Review der Pilotepisode der Netflix-Serie

© andra Oh in der Serie Die Professorin (c) Netflix
Die neue Netflix-Comedyserie The Chair hat im Vorfeld einiges an Aufmerksamkeit bekommen. Das liegt nicht nur an der hochkarätigen Besetzung mit Sandra Oh, sondern auch daran, dass die Produktion die erste Serie der beiden Game of Thrones-Macher D. B. Weiss und David Benioff seit dem Ende ihrer Erfolgsserie ist. Doch das Mastermind hinter der Serie ist Benioffs Ehefrau, Amanda Peet (Dirty John, The Romanoffs). Kann sie mit der ersten Episode die hohen Erwartungen erfüllen?
Wovon handelt die Serie The Chair?
An der altehrwürdigen Pembroke University soll frischer Wind Einzug halten. So wünscht es sich die neue Inhaberin des Lehrstuhls für Englische Literatur, Dr. Ji-Yoon Kim (Oh). Sie wird zu Beginn der Serie zur ersten weiblichen und asiatisch-amerikanischen Chefin der Englischfakultät ernannt. Doch so richtig frisch kann der Wind dann doch wieder nicht sein - sie kann ihre überwiegend betagten Kollegen nicht aus dem Boot stoßen und will dennoch ihre junge Kollegin Yaz McKay (Nana Mensah, 13 Reasons Why) nicht an Yale verlieren. Auf ihrer ersten Sitzung mit den Lehrkräften hält sie eine flammende Rede darüber, was Literatur den Studenten und Studentinnen mit auf den Weg geben kann. Vom ersten Moment an ist Ji-Yoon und dem Zuschauer klar, dass sie an mehreren Fronten zu kämpfen hat.
Der Dekan will, dass sie die Universität ins 21. Jahrhundert bringt - und damit startet, drei ihrer Professoren auszusuchen, die wider Willen in den Ruhestand geschickt werden können. Die neue Lehrstuhlinhaberin löst das Problem innovativ und legt zwei sehr unterschiedliche Kurse zusammen. Auf der einen Seite der alternde Professor Elliot Rentz (Bob Balaban, The Politician), der einstige Star der Fakultät, in dessen Vorlesungen sich schon lange kaum mehr Studenten verirren. Auf der anderen Seite Yaz McKay, deren Vorlesungen Titel wie „Sex and the Novel“ tragen und die es schafft, angestaubte Literatur mit hochaktuellen, gesellschaftspolitischen Problemen zu verbinden. Ihre Vorlesungen platzen aus allen Nähten.
Professor Bill Dobson (Jay Duplass, Transparent) ist ein weiteres Sorgenkind der neuen Fakultätschefin. Der Rebell der Abteilung hat seine Frau verloren und nun verabschiedet sich seine Tochter ins Studium. Bill lässt sich durchs Leben ohne Haarkamm treiben und zeigt doch immer wieder, dass er als Literaturprofessor eine kleine Perle sein kann. Einfacher macht es das für Ji-Yoon trotzdem nicht. Besonders, weil sie eine emotionale private Verbindung zu dem charmanten Chaoten hat, die sie lieber nicht öffentlich zeigen möchte...
Wie kommt es rüber?
Die Serie The Chair („The Chair“) ist bevölkert von ebenso charismatischen wie exzentrischen Charakteren, die manchmal voll aus allen zur Verfügung stehenden Klischees einer Literaturfakultät schöpfen. Immer wieder werden eingestrickte Slapstickeinlagen wie zusammenbrechende Stühle und Professoren, die im Busch landen, benutzt. Doch diese tief hängenden Früchte wirken nicht billig, sondern entwickeln einen eigenen Charme. Sie können nämlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier ein cleveres Drehbuch zugrunde liegt.
Mit Herz und Intelligenz wird hier ein Blick in den Elfenbeinturm der Universitäten geworfen. Es treffen Menschen aufeinander, die Worte als scharfe Waffen oder treffende Emotionen nutzen können, die scharfsinnig und gebildet sind. Die Worte ernst nehmen und allergisch auf Langeweile reagieren. Die das Ego haben, das man braucht - oder auch gerade dadurch bekommt -, wenn man jahrzehntelang junge Menschen und ihre Wahrnehmung formt. Dementsprechend unterhaltsam sind die gut geschriebenen Dialoge. Besonders interessant wird das, wenn die Figuren mit unterschiedlichen Meinungen aufeinandertreffen. Wohlformulierte Beleidigungen, geistreiche Anspielungen und Referenzen sind an der Tagesordnung in Pembroke, aber auch echte Auseinandersetzungen über aktuelle Themen finden dort statt. Dabei hält die Serie aus, sich auf keine Seite zu stellen. Einer der großen Konflikte der ersten Episode ist das Aufeinandertreffen verschiedener Generationen. Keine Seite wird der Lächerlichkeit preisgegeben, die Zuschauer dürfen sich selbst eine Meinung bilden.
Über sechs Episoden dürfen wir eintauchen in eine charmante Welt, die immer wieder selbst die Zielscheibe von ausgewählter und geschickter Kritik wird.
Die Serie „Die Professorin“ präsentiert sich somit als unterhaltsame und schlaue Comedy, in der die altehrwürdige Akademiewelt sich mit den Ansprüchen einer jungen Generation auseinandersetzen und sich dann den Maßstäben einer neuen Zeit messen lassen muss.
The Chair: Serientrailer
Hier abschließend der Trailer zur neu angelaufenen Serie „The Chair“ aka „Die Professorin“ beim Streamingdienst Netflix: