The Brave: Review der neuen Militärserie von NBC mit Anne Heche und Mike Vogel

The Brave: Review der neuen Militärserie von NBC mit Anne Heche und Mike Vogel

Die neue NBC-Militärserie The Brave rattert in ihrer Pilotepisode sämtliche denkbaren Klischees des Genres durch und verlässt sich obendrein vorwiegend auf die heldenhafte Rhetorik der USA als Beschützer der freien Welt. Eine extrem oberflächliche Charakterzeichnung rundet das Ganze ab.

„The Brave“ / (c) NBC
„The Brave“ / (c) NBC
© ??The Brave“ / (c) NBC

Alle Jahre wieder: Die Fall Season der großen Fernsehnetworks der USA steht vor der Tür und schenkt man dem allgemeinen Tenor zahlreichen US-Kritiker im Vorfeld glauben, dann erwartet die Serienjunkies ein ziemlich enttäuschender Herbst, zumindest mit Blick auf Broadcaster wie ABC, CBS, FOX, The CW und NBC. Doch wir wollen mal nicht so ein, ein jeder Neustart hat sich eine faire Chance verdient, so vernichtend bereits vorab geurteilt wurde, so abgedroschen und uninspiriert die Prämisse manch neuer Serie sich auch anhört.

In diesem Jahr hat sich das US-amerikanische Networkfernsehen offensichtlich auf das Thema Militär eingeschossen, denn fast jeder der fünf großen Sender hat sich einen Piloten in diesem Genre gesichert. Diese Entscheidung kann man interpretieren, wie man möchte, die Grundidee hinter den Formaten scheint sich stets gleich zu gestalten: „America, fuck yeah.“ Im Rahmen solcher Geschichten kann man die unumstößlichen Werte dieser stolzen Nation rausposaunen, welche sich dazu verpflichtet sieht, die westliche, demokratische Welt zu beschützen. Man kann sich natürlich auch etwas vielschichtiger und komplexer mit dieser Materie auseinandersetzen. Ihr dürft raten, welchen Weg NBCs The Brave einschlägt...

The cavalry

Das Format von Dean Georgaris, Daniel Cohn und Jeremy Miller erzählt die Geschichte von Geheimdienstanalysten in Washington und einem Team der amerikanischen Special Forces, die Hand in Hand arbeiten, um unsere Welt ein kleines bisschen sicherer zu machen. In der Auftaktepisode von „The Brave“ muss so zum Beispiel eine Ärztin gerettet werden, die in Syrien von ein paar Terroristen entführt wird. Zunächst geht man von einem einfachen Akt der Rache aus, wie sich später herausstellt, soll die Entführte aber das Leben des Anführers der Terrorgruppe retten. Wie dem auch sei, während die Drehstuhlsheriffs in DC über Drohnentechnologie das Ganze aus der Ferne bewerten und steuern, erledigt das hartgesottene Team um Captain Adam Dalton vor Ort die Drecksarbeit.

Incredible experience

Ich habe weiter oben noch davon geschrieben, dass sich jeder Serienneustart eine faire Chance verdient hat. Wenn man diese jedoch wie The Brave derartig fix verspielt und sich in einer Ansammlung von Klischees und anstrengenden Stereotypen verliert, ist es schon fast ein Ding der Unmöglichkeit, milde mit dem uns hier vorgetragenen Produkt umzugehen. Der NBC-Neustart zeichnet sich nämlich vor allem dadurch aus, dass er komplett auf Nuancen verzichtet und eine Serienwelt erschafft, in der keine Grauzonen, sondern nur die Farben Schwarz und Weiß existieren.

Nicht nur die Antagonisten der Geschichte haben kein Profil oder werden von originellen Motiven geleitet. Auch unsere „Helden“ gestalten sich charakterlich erschreckend dünn und stellen Blaupausen von klassischen Allerweltsfiguren dar, die es anscheinend in jeder Serie dieser Art braucht. Ob es nun die kühle Strippenzieherin in Washington (selbstverständlich mit tragischer Hintergrundgeschichte) oder das kernige Team (ein Cooler, ein Gläubiger, ein Außenseiter und - aufgepasst - eine Frau!) um den charismatischen Anführertypen ist. „The Brave“ bietet an der Charakterfront nichts an, was wir nicht schon kennen.

NBC
NBC - © NBC

Vanished

Es spricht ja nichts dagegen, auf gewisse Stereotypen zurückzugreifen, doch müssen diese dann derartig lieblos und unbesonders modelliert sein? Während die Herren und Damen in Washington allesamt austauschbar sind, da es eigentlich komplett egal ist, wer jetzt auf einen überdimensionalen Bildschirm glotzt und den Status der aktuellen Mission rausbellt, lässt auch die Action im Feld einiges zu wünschen übrig. Dies beginnt schon damit, dass die „Special Forces“ im Einsatz alles andere als „special“ rüberkommen, sondern vielmehr durch eigenartige Taktiken und recht dilettantisches Vorgehen glänzen. Dass auch nur ein Plan der Gruppe um Captain Dalton funktioniert, grenzt an einem Wunder.

Hinzu kommt, dass während der Pilotfolge nur selten Spannung aufkommt und die furchtbar simple Handlung meistens einfach nur so vor sich hinplätschert. Wenn man die agierenden Charaktere nur schwer ernst nehmen kann, aufgrund der Art und Weise, wie diese operieren (und das auch noch erfolgreich, weiß der Geier wie), dann leidet letzten Endes die gesamte Geschichte darunter. Ohnehin entsteht recht schnell der Eindruck, dass all das Gezeigte bedeutungslos und irrelevant ist. Irgendwie gelingt den Machern aber letztlich doch ein erstaunlicher Zaubertrick: Wenn das Drehbuch seine Zeit weder in die Charaktere noch in eine packende, nuancierte Erzählung investiert, wie kommt man dann schlussendlich auf gut 42 Minuten Laufzeit?

Green light

Hinsichtlich der Darstellerriege lässt sich angesichts des mauen Inhalts von „The Brave“ und seinen ausgelutschten Charaktertypen nicht viel sagen, außer vielleicht, dass ein jeder versucht seine Rolle mit einer überbordenden Coolness zu spielen, was zwischenzeitlich sehr anstrengend sein kann. Der aus Under the Dome bekannte „Leading Man“ Mike Vogel spielt sich einem nicht wirklich eindringlich ins Gedächtnis, was natürlich auch an der Ausrichtung des Charakters liegt. Anne Heche (Hung) deutet indes ein wenig Tiefe hinsichtlich ihrer Rolle an, jedoch auf eine schrecklich plumpe Art und Weise, dass man gar nicht anders kann, als mit den Augen zu rollen.

Execute order

Generell scheint Subtilität und Feingefühl ein Fremdwort für die kreativen Köpfer hinter „The Brave“ zu sein. Insbesondere die letzten Minuten der Pilotfolge gestalten sich auffällig schamlos. Hier möchte man den Zuschauer anscheinend dermaßen emotional manipulieren, dass dieser zum Ende hin am besten mit geballter Faust dasitzt und sich freut, wie Dalton via Fernzünder einen gefährlichen Terroristen und seine nicht minder gefährliche Frau in die Luft jagt. Wie du mir, so ich dir. Andere Lösungsansätze werden nicht einmal erwähnt. Auf eine gewalttätige Aktion folgt eine dementsprechende Reaktion, auf die wiederum eine weitere gewalttätige Reaktion folgt, wie der Anschlag auf einen Strand am Ende der Episode zeigt.

Somit ist auch nicht wirklich klar, was The Brave uns eigentlich sagen will und sich zum Ziel gesetzt hat. Ein wöchentliches Aufzeigen, wie man den Terrorzellen im Nahen Osten gnadenlos (und ohne langfristigen Erfolg) entgegenwirken kann? Der Pilot macht zumindest keinerlei Anstalten, die Rückseite dieser Medaille zu zeigen, geschweige denn diese überhaupt zu berücksichtigen. Schön einfach muss es sein, oder um die Prämisse der Serie zu paraphrasieren: Die einen zeigen, wo die anderen zuschlagen müssen, und die anderen schlagen einfach zu. Mission accomplished. Das Ende der Auftaktfolge lässt vermuten, dass man nur bedingt den Weg eines klassischen Procedural einschlagen will. Im Rahmen horizontaler Erzählungen gibt es stets reichlich Spielraum für Verbesserungen. Daran fehlt mir hier jedoch der Glaube. Und wer hat eigentlich die Musikauswahl verbrochen?

Trailer zu „The Brave“:

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