The Brave 1x01

© ??The Braveâ / (c) NBC
Alle Jahre wieder: Die Fall Season der groĂen Fernsehnetworks der USA steht vor der TĂŒr und schenkt man dem allgemeinen Tenor zahlreichen US-Kritiker im Vorfeld glauben, dann erwartet die Serienjunkies ein ziemlich enttĂ€uschender Herbst, zumindest mit Blick auf Broadcaster wie ABC, CBS, FOX, The CW und NBC. Doch wir wollen mal nicht so ein, ein jeder Neustart hat sich eine faire Chance verdient, so vernichtend bereits vorab geurteilt wurde, so abgedroschen und uninspiriert die PrĂ€misse manch neuer Serie sich auch anhört.
In diesem Jahr hat sich das US-amerikanische Networkfernsehen offensichtlich auf das Thema MilitĂ€r eingeschossen, denn fast jeder der fĂŒnf groĂen Sender hat sich einen Piloten in diesem Genre gesichert. Diese Entscheidung kann man interpretieren, wie man möchte, die Grundidee hinter den Formaten scheint sich stets gleich zu gestalten: „America, fuck yeah.“ Im Rahmen solcher Geschichten kann man die unumstöĂlichen Werte dieser stolzen Nation rausposaunen, welche sich dazu verpflichtet sieht, die westliche, demokratische Welt zu beschĂŒtzen. Man kann sich natĂŒrlich auch etwas vielschichtiger und komplexer mit dieser Materie auseinandersetzen. Ihr dĂŒrft raten, welchen Weg NBCs The Brave einschlĂ€gt...
The cavalry
Das Format von Dean Georgaris, Daniel Cohn und Jeremy Miller erzĂ€hlt die Geschichte von Geheimdienstanalysten in Washington und einem Team der amerikanischen Special Forces, die Hand in Hand arbeiten, um unsere Welt ein kleines bisschen sicherer zu machen. In der Auftaktepisode von „The Brave“ muss so zum Beispiel eine Ărztin gerettet werden, die in Syrien von ein paar Terroristen entfĂŒhrt wird. ZunĂ€chst geht man von einem einfachen Akt der Rache aus, wie sich spĂ€ter herausstellt, soll die EntfĂŒhrte aber das Leben des AnfĂŒhrers der Terrorgruppe retten. Wie dem auch sei, wĂ€hrend die Drehstuhlsheriffs in DC ĂŒber Drohnentechnologie das Ganze aus der Ferne bewerten und steuern, erledigt das hartgesottene Team um Captain Adam Dalton vor Ort die Drecksarbeit.
Incredible experience
Ich habe weiter oben noch davon geschrieben, dass sich jeder Serienneustart eine faire Chance verdient hat. Wenn man diese jedoch wie The Brave derartig fix verspielt und sich in einer Ansammlung von Klischees und anstrengenden Stereotypen verliert, ist es schon fast ein Ding der Unmöglichkeit, milde mit dem uns hier vorgetragenen Produkt umzugehen. Der NBC-Neustart zeichnet sich nÀmlich vor allem dadurch aus, dass er komplett auf Nuancen verzichtet und eine Serienwelt erschafft, in der keine Grauzonen, sondern nur die Farben Schwarz und Weià existieren.
Nicht nur die Antagonisten der Geschichte haben kein Profil oder werden von originellen Motiven geleitet. Auch unsere âHeldenâ gestalten sich charakterlich erschreckend dĂŒnn und stellen Blaupausen von klassischen Allerweltsfiguren dar, die es anscheinend in jeder Serie dieser Art braucht. Ob es nun die kĂŒhle Strippenzieherin in Washington (selbstverstĂ€ndlich mit tragischer Hintergrundgeschichte) oder das kernige Team (ein Cooler, ein GlĂ€ubiger, ein AuĂenseiter und - aufgepasst - eine Frau!) um den charismatischen AnfĂŒhrertypen ist. „The Brave“ bietet an der Charakterfront nichts an, was wir nicht schon kennen.

Vanished
Es spricht ja nichts dagegen, auf gewisse Stereotypen zurĂŒckzugreifen, doch mĂŒssen diese dann derartig lieblos und unbesonders modelliert sein? WĂ€hrend die Herren und Damen in Washington allesamt austauschbar sind, da es eigentlich komplett egal ist, wer jetzt auf einen ĂŒberdimensionalen Bildschirm glotzt und den Status der aktuellen Mission rausbellt, lĂ€sst auch die Action im Feld einiges zu wĂŒnschen ĂŒbrig. Dies beginnt schon damit, dass die âSpecial Forcesâ im Einsatz alles andere als âspecialâ rĂŒberkommen, sondern vielmehr durch eigenartige Taktiken und recht dilettantisches Vorgehen glĂ€nzen. Dass auch nur ein Plan der Gruppe um Captain Dalton funktioniert, grenzt an einem Wunder.
Hinzu kommt, dass wÀhrend der Pilotfolge nur selten Spannung aufkommt und die furchtbar simple Handlung meistens einfach nur so vor sich hinplÀtschert. Wenn man die agierenden Charaktere nur schwer ernst nehmen kann, aufgrund der Art und Weise, wie diese operieren (und das auch noch erfolgreich, weià der Geier wie), dann leidet letzten Endes die gesamte Geschichte darunter. Ohnehin entsteht recht schnell der Eindruck, dass all das Gezeigte bedeutungslos und irrelevant ist. Irgendwie gelingt den Machern aber letztlich doch ein erstaunlicher Zaubertrick: Wenn das Drehbuch seine Zeit weder in die Charaktere noch in eine packende, nuancierte ErzÀhlung investiert, wie kommt man dann schlussendlich auf gut 42 Minuten Laufzeit?
Green light
Hinsichtlich der Darstellerriege lĂ€sst sich angesichts des mauen Inhalts von „The Brave“ und seinen ausgelutschten Charaktertypen nicht viel sagen, auĂer vielleicht, dass ein jeder versucht seine Rolle mit einer ĂŒberbordenden Coolness zu spielen, was zwischenzeitlich sehr anstrengend sein kann. Der aus Under the Dome bekannte âLeading Manâ Mike Vogel spielt sich einem nicht wirklich eindringlich ins GedĂ€chtnis, was natĂŒrlich auch an der Ausrichtung des Charakters liegt. Anne Heche (Hung) deutet indes ein wenig Tiefe hinsichtlich ihrer Rolle an, jedoch auf eine schrecklich plumpe Art und Weise, dass man gar nicht anders kann, als mit den Augen zu rollen.
Execute order
Generell scheint SubtilitĂ€t und FeingefĂŒhl ein Fremdwort fĂŒr die kreativen Köpfer hinter „The Brave“ zu sein. Insbesondere die letzten Minuten der Pilotfolge gestalten sich auffĂ€llig schamlos. Hier möchte man den Zuschauer anscheinend dermaĂen emotional manipulieren, dass dieser zum Ende hin am besten mit geballter Faust dasitzt und sich freut, wie Dalton via FernzĂŒnder einen gefĂ€hrlichen Terroristen und seine nicht minder gefĂ€hrliche Frau in die Luft jagt. Wie du mir, so ich dir. Andere LösungsansĂ€tze werden nicht einmal erwĂ€hnt. Auf eine gewalttĂ€tige Aktion folgt eine dementsprechende Reaktion, auf die wiederum eine weitere gewalttĂ€tige Reaktion folgt, wie der Anschlag auf einen Strand am Ende der Episode zeigt.
Somit ist auch nicht wirklich klar, was The Brave uns eigentlich sagen will und sich zum Ziel gesetzt hat. Ein wöchentliches Aufzeigen, wie man den Terrorzellen im Nahen Osten gnadenlos (und ohne langfristigen Erfolg) entgegenwirken kann? Der Pilot macht zumindest keinerlei Anstalten, die RĂŒckseite dieser Medaille zu zeigen, geschweige denn diese ĂŒberhaupt zu berĂŒcksichtigen. Schön einfach muss es sein, oder um die PrĂ€misse der Serie zu paraphrasieren: Die einen zeigen, wo die anderen zuschlagen mĂŒssen, und die anderen schlagen einfach zu. Mission accomplished. Das Ende der Auftaktfolge lĂ€sst vermuten, dass man nur bedingt den Weg eines klassischen Procedural einschlagen will. Im Rahmen horizontaler ErzĂ€hlungen gibt es stets reichlich Spielraum fĂŒr Verbesserungen. Daran fehlt mir hier jedoch der Glaube. Und wer hat eigentlich die Musikauswahl verbrochen?
Trailer zu âThe Braveâ:
Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 26. September 2017The Brave 1x01 Trailer
(The Brave 1x01)
Schauspieler in der Episode The Brave 1x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?