The Bold Type 1x01

© isha Dee, Meghann Fahy und Katie Stevens in âThe Bold Typeâ / (c) Freeform
Eines gleich vorweg: Besonders realistisch ist die neue Freeform-Serie The Bold Type nicht. Ob es heutzutage selbst in New York noch eine Moderedaktion gibt, in der es so zugeht wie hier dargestellt, darf zumindest stark angezweifelt werden. Ob es ĂŒberdies solch jungen Berufseinsteigerinnen wie den drei Protagonistinnen gelingt, eine begehrte Stellung wie die ihre zu erobern, ebenso. Trotzdem schafft dieses neue, von Sarah Watson (Parenthood) ersonnene Format etwas, das nur wenigen anderen glĂŒckt: Es sieht gleichzeitig blendend aus, unterhĂ€lt und transportiert mehrere politische Botschaften.
Empowering women
Redaktion und Team des fiktionalen Frauenmagazins Scarlet kommen wie eine Mischung aus Cosmopolitan und Teen Vogue daher. Vor allem letztgenanntes Magazin sorgt ja in jĂŒngster Zeit regelmĂ€Ăig fĂŒr Aufsehen, da es sich nicht nur Mädchenthemen, sondern auch politisch-gesellschaftlichen annimmt. Das hat sich Watson bei der Ausarbeitung ihrer eigenen Serie offensichtlich zum Vorbild genommen. Vor allem an ihrer Figur Kat (Aisha Dee aus Sweet/Vicious) lĂ€sst sich das ablesen. Sie und ihre zu besten Freundinnen gewordenen Kolleginnen Jane (Katie Stevens) und Sutton (Meghann Fahy) arbeiten sich bei Scarlet nach oben.
Wie das bisweilen vorangeht, wird stark verkĂŒrzt dargestellt, dabei aber trotzdem geschafft, den Nerv der Zeit zu treffen. Zwei der drei Karrieristinnen haben sich ihren Berufswunsch bereits erfĂŒllt. Kat hat die Stelle der Social-Media-Direktorin inne, wĂ€hrend Jane gerade zur Autorin befördert wurde. Nur Sutton muss noch als Assistentin von Redakteurin Lauren (Emily Chang) den Job erledigen, mit dem alle drei einst angefangen haben. (Redakteure haben Assistenten? Muss schön sein...) DafĂŒr unterhĂ€lt Sutton eine AffĂ€re mit dem Vorstandsmitglied Richard (Sam Page).
Ihre Geschichte aus der Auftaktepisode ist denn auch diejenige, die man am ehesten in einer Serie aus dem Hause Freeform erwarten wĂŒrde. Doch auch hier werden altbekannte Rollenmuster aufgebrochen. Schon nach ein paar Sexdates, die natĂŒrlich alle geheim bleiben mĂŒssen, hat Sutton keine Lust mehr auf die GeheimniskrĂ€merei. Sie stellt Richard vor die Wahl: Entweder eine richtige Beziehung oder gar keine. Zuvor hat sie von ihren Freundinnen einen reality check in Sachen Sex mit dem Boss bekommen, bei dem sich Streit und gegenseitiges VerstĂ€ndnis die Waage halten.

Von den Protagonistinnen ist Sutton diejenige, die am wenigsten Interesse an einer klassischen journalistischen Karriere hat. Bei Jane ist dieser Wunsch dafĂŒr umso ausgeprĂ€gter. Sie hat kĂŒrzlich erst die angestrebte Beförderung bekommen, ringt nun jedoch darum, der charismatischen Chefredakteurin Jacqueline (Melora Hardin aus The Office und Transparent) zu beweisen, dass sie ihr nicht umsonst das Vertrauen ausgesprochen hat. Ihre ersten ArtikelvorschlĂ€ge prallen jedenfalls an der Chefin, die allmĂ€hlich zur Mentorin wird, ab.
Female energy
Mit deren UnterstĂŒtzung findet sich schlieĂlich ein Thema: Wie stalke ich meinen Exfreund, der keine sozialen Medien benutzt? Solch flache Themen will Jane eigentlich gar nicht recherchieren - „Oh my god, I'm a ,how-to' girl!“ -, allerdings lernt sie da auch gleich eine wertvolle Lektion: Abgesehen davon, wofĂŒr das eigene Herz schlĂ€gt, gibt es auch andere Faktoren, die beim beruflichen Vorankommen mindestens ebenso wichtig sind. Wie zum Beispiel das Interesse der Leserschaft oder die Kommunikation mit Vorgesetzten. Von letztgenanntem Punkt kann auch Kat ein Lied singen.
Sie stĂŒrzt sich in ein „lesbian Muslim rabbit hole“, weil sie es nicht wahrhaben will, dass die lesbische, muslimische FotokĂŒnstlerin Adena (Nikohl Boosheri) eine Artikelfreigabe verweigert hat. Also lĂ€sst Kat nicht locker, bis sie ebenjene Freigabe doch bekommt. Auf dem Weg dorthin muss sie sich fragen lassen, welche sexuelle Orientierung sie habe, was sie zunĂ€chst sehr bestimmt beantwortet, mit ihren nachfolgenden Blicken aber konterkariert. AuĂerdem gerĂ€t sie in einen handfesten Streit mit Lauren, weil sie die am Flughafen ihres Heimatlandes festgehaltene Adena mittels Hashtagkampagne freipressen will.
Am Ende entscheidet sie sich dagegen und lernt eine weitere wichtige Lektion. Ein Ventil fĂŒr den Frust ĂŒber kĂŒrzlich erlebte Misserfolge hat das Trio im ĂŒberbevölkerten New York da lĂ€ngst gefunden: Es schreit einfach vorbeifahrende U-BahnwĂ€gen an. Mitunter will man als Zuschauer selbst schreien, wenn man sieht, wie unrealistisch die Ă€uĂeren Merkmale dieser Serie konstruiert sind. Im Kern erzĂ€hlt sie jedoch eine wahre, eine nachvollziehbare Geschichte - die von drei jungen Frauen nĂ€mlich, die versuchen, Karriere, Interessen und Liebe miteinander zu vereinbaren. Daran gibt es wahrlich nichts auszusetzen.
Trailer zu Episode 1x03, âThe Woman Behind the Clothesâ, der US-Serie âThe Bold Typeâ:
Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 13. Juli 2017The Bold Type 1x01 Trailer
(The Bold Type 1x01)
Schauspieler in der Episode The Bold Type 1x01
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