The Blacklist: Redemption 1x01

© zenenfoto aus der Folge âLeland Brayâ von âThe Blacklist: Redemptionâ / (c) NBC/Sony TV
Spin-off
ZunĂ€chst einmal sei angemerkt, dass das Spin-off fĂŒr Zuschauer, die die Mutterserie nicht kennen, nur schwer nachvollziehbar sein wird. So werden zwar anfangs diverse ZusammenhĂ€nge erklĂ€rt, was die Familie Hargrave angeht, aber gerade um die Hauptfigur Tom Keen (Ryan Eggold) nachvollziehen zu können, wird Neueinsteigern einiges an Hintergrundwissen fehlen. Im Grunde genommen nicht verwunderlich, denn Tom ist seit Beginn von The Blacklist dabei und auch Scottie Hargrave (Famke Janssen) wurde dort bereits in einem Backdoor-Piloten vorgestellt - ganz zu schweigen von anderen Figuren wie Matias Solomon (Edi Gathegi), der in der Mutterserie einen lĂ€ngerfristigen Bösewicht verkörperte oder gar Howard Hargrave (Terry O'Quinn), dessen Flugzeugabsturz und vermeintlicher Tod in einer der letzten Episoden auch schon thematisiert wurde.
Im Fall von The Blacklist: Redemption handelt es sich folglich um eine Serie, die wahrlich ein Spin-off ist und - zumindest im Auftakt - voraussetzt, dass der Zuschauer mit einigen Figuren bereits vertraut ist. Das soll jetzt nicht heiĂen, dass Neueinsteiger komplett im Dunkeln tappen und sich ĂŒberhaupt nicht zurechtfinden werden. Aber es wird halt ein gutes StĂŒck schwieriger fĂŒr sie.
What could possibly go wrong?

Zu Beginn der Episode wohnen wir der Familie Keen bei, wobei Liz (Megan Boone) auch kurz die jĂŒngsten Ereignisse um Raymond Reddington (James Spader) erwĂ€hnt - ein weiterer Hinweis, dass beide Serien zusammenhĂ€ngen. Tom erhĂ€lt einen Anruf, der ihn nach New York fĂŒhrt, wo er angeblich den Nachlass von Howard Hargrave in Empfang nehmen soll. Doch kurz nach seiner Ankunft trifft er auf seinen vermeintlich toten Vater und gerĂ€t somit in ein Netz von Verschwörungen, die seine eigene Familiengeschichte betreffen.
Das allgemeine Thema in Form der ĂŒbergeordneten Geschichte ist uns sehr vertraut und zeigt einige Parallelen zwischen den Hargraves und der ominösen Verbindung zwischen Red und Liz auf. Geheimnisvolle Familiengeschichte, vorgetĂ€uschte Tode und mittendrin eine Hauptfigur (Tom), die herausfinden muss, was Sache ist. Soweit, so okay. Tom Keen bietet als Figur auch genug Potenzial fĂŒr eine nĂ€here Betrachtung. Ob das jetzt aber in einem Spin-off ausgelotet werden muss und ob es der Reihe dauerhaft gelingen wird, sich zu behaupten, kann in Frage gestellt werden.
AuffĂ€llig ist jedenfalls, dass es in Redemption kein charismatisches Schwergewicht vom Typ Spader gibt, was auch gleichzeitig das gröĂte Manko sein dĂŒrfte. Das Trio aus Eggold, O'Quinn und Janssen ist bei Weitem nicht schlecht und es dĂŒrfte spannend werden zu sehen, wie sich die gröĂere Geschichte entfaltet. Doch keine der Figuren vermag es, hier im Auftakt einen gröĂeren Eindruck zu hinterlassen. Somit wird das Storytelling erledigen mĂŒssen, was die Figuren (vorerst?) nicht schaffen.
Verschwörungen

Kauen wir einmal ein bisschen durch, was wir bereits wissen und im Auftakt erfahren. Christopher Hargrave gilt als tot. Seine Mutter hat das akzeptiert und keine Ahnung davon, dass Tom ihr Sohn ist, wĂ€hrend Howard die Suche nach Christopher nie aufgegeben hat und seinen Sohn schlieĂlich ausfindig macht, um ihn in Scotties Firma einzuschleusen. Denn er vermutet, dass Scottie hinter der Manipulation am Flugzeug steckt, die ihn beinahe sein Leben gekostet hĂ€tte.
Tom darf in der Folge wĂ€hrenddessen mehrmals Dialoge mit Scottie fĂŒhren, die aber nicht darauf schlieĂen lassen, dass sie Howard etwas Böse wollte oder gar hinter dem Attentat auf sein Leben steckt. Auch ihre Trauer um den Ehemann wirkt aufrichtig und es gibt keinen Anhaltspunkt dafĂŒr, dass sie Howard unter die Erde bringen wollte. Einziges Motiv könnte bislang sein, dass sie auf seinen Nachlass aus ist. Aber auch hier können wir nicht genau wissen, ob sie Tom bloĂ etwas vorspielt oder halt nur das haben möchte, was ihr nach Howards Tod zusteht.
Ein wenig mit der Stirn runzeln können wir dabei an verschiedenen Stellen. ZunĂ€chst einmal ist es merkwĂŒrdig, dass Christopher noch nicht offiziell fĂŒr tot erklĂ€rt wurde und somit dem Nachlassempfang von Scottie im Wege steht. SchlieĂlich bekamen wir bereits in der Mutterserie zu sehen, wie jemand den Mord an Christopher gestanden hat - und das war eine alte Aufnahme. Man könnte zwar jetzt vermuten, dass Scottie hinter den Anweisungen steckt, die die Mutter des vermeintlichen Killers damals bekommen hat. Aber sollte sie wirklich schon so lange versuchen, ihren Sohn fĂŒr tot erklĂ€ren zu lassen, hĂ€tte sie mittlerweile doch mal Erfolg damit haben mĂŒssen, oder?
Als nĂ€chstes lĂ€sst sich anfĂŒhren, dass es unglaubwĂŒrdig erscheint, dass Scottie keine Ahnung davon haben soll, dass ihr Sohn noch lebt. Wieso sollte sie die Zweifel von Howard nicht teilen? Oder weiĂ sie gar mehr, als sie vorgibt? Sollte sich die letzte Frage mit einem âJaâ beantworten lassen, wĂŒrde die PrĂ€misse als solche vermutlich zusammenbrechen. SchlieĂlich wird verstĂ€rkt betont, dass Scottie nicht erfahren darf, wer Tom wirklich ist (sowohl von Red in der Mutterserie als auch hier von Howard). Weshalb das so wichtig ist, lĂ€sst sich noch nicht sagen. Aber es ist ein wesentlicher Bestandteil der PrĂ€misse und sollte Scottie tatsĂ€chlich wissen, wer Tom ist, tĂ€ten sich zahlreiche WidersprĂŒche auf, obgleich ihr Interesse an Tom denn natĂŒrlich klarer wĂ€re.
Aber wie auch immer. Alles in Allem ist die Geschichte um die Hargraves schon jetzt recht kompliziert und liefert einige groĂe RĂ€tsel, die im Verlauf der Staffel hoffentlich auch (zumindest teilweise) aufgelöst und nicht unendlich in die LĂ€nge gezogen werden. Was sich allerdings schon jetzt ahnen lĂ€sst, ist die Existenz einer dritten Partei, die mit der geheimnisvollen Familiengeschichte zusammenhĂ€ngen muss. Denn wenn Scottie den Tod von Christopher akzeptiert hat und Howard jahrelang nach seinem Sohn suchte und sich weigerte, dessen Ableben anzuerkennen - wer hat sich dann solche MĂŒhe gegeben und Christopher auf seinen Werdegang geschickt? Vielleicht Red, der ja um Tom Bescheid weiĂ? Oder ist da noch ein anderer Mitspieler, der sich bislang im Schatten versteckt? Man darf jedenfalls gespannt auf die Antworten sein.
Leland Bray
Neben der ĂŒbergreifenden Geschichte um die Hargraves gibt es selbstredend einen ersten Geschmack auf die Abenteuer, die Tom bei seiner neuen Arbeit bevorstehen. Im Fall der Woche gilt es dabei, die CIA-Agentin Anna Copeland und ihren Sohn Maddox (Lukas Gilkison-Parrish) aus den FĂ€ngen von Leland Bray (Peter Bradbury) zu befreien.
Der Fall weist dabei ein hohes Tempo, eine gute Portion Action und auch ein paar kleinere Ăberraschungen auf. Bei dem Teil um die Beschaffung von Kartenmaterial dĂŒrfen Scottie und Tom auch zusammen Undercover gehen, womit Tom sich in seinem ĂŒblichen Element wiederfindet. Hervorheben lĂ€sst sich dort die Tanzszene, die Tom in die etwas prekĂ€re Lage bringt, seiner Mutter zwischen die Beine zu greifen, wĂ€hrend sie seine Hand fĂŒhrt und ihm dabei leicht erotische Blicke zuwirft. Awkward.

Was die Mitglieder des Teams betrifft, muss in den kommenden Folgen noch einiges an Charakterarbeit geleistet werden. Toms Zusammenarbeit mit Solomon beispielsweise verlief ein bisschen zu einfach nach allem, was zwischen den beiden in der Mutterserie passiert ist. Da hĂ€tten Konflikte deutlicher im Vordergrund stehen mĂŒssen. Dumont DeSoto (Adrian Martinez) bekommt von den NeuzugĂ€ngen noch am meisten zu tun und darf seine FĂ€higkeiten als Technik- und Computergenie (davon braucht es halt immer einen) zum Besten geben, auch wenn die Figur ansonsten noch etwas blass bleibt. Am wenigsten erfahren wir wĂ€hrenddessen von Nez Rowan (Tawny Cypress), die bislang eine reine Randnotiz ist.
Von der Machart her wusste der Fall der Woche aber gut zu unterhalten. AuffĂ€llig ist der hĂ€ufigere Einsatz von Splitscreens, die diverse Situationen aus verschiedenen Perspektiven gleichzeitig zeigen. An sich ein nettes Feature, was bloĂ dadurch ein wenig getrĂŒbt wird, dass manchmal mehrere Kameras die (fast haargenau) gleichen Szenen zeigen.
AbschlieĂend sei noch bemerkt, dass es am Ende noch einen Auftritt von Liz hĂ€tte geben mĂŒssen. Zumindest ein Telefonat oder so etwas, wo Tom ihr erklĂ€rt, dass er noch lĂ€nger in New York bleibt. Denn trotz allem wird er wohl kaum Liz und Agnes ohne weitere Worte und fĂŒr einen unbestimmten Zeitraum alleine lassen.
Fazit

Ein solider Auftakt, bei dem Hintergrundwissen aus der Mutterserie von deutlichem Vorteil ist. Schon mit der ersten Episode wird der Zuschauer zusammen mit Tom Keen in ein recht kompliziertes Netz aus Verschwörungen gesteckt, welches zum MitrĂ€tseln einlĂ€dt, aber auch die Gefahr birgt, dass die Macher sich im weiteren Verlauf in ihrer eigenen Geschichte verhaspeln. Abgesehen davon fehlt es an einem Zugpferd der Marke Spader, um den Zuschauer so richtig in den Bann zu ziehen. Ferner muss an den neuen Figuren noch mehr gearbeitet werden, auch wenn der Fall der Woche ein gutes StĂŒck Unterhaltung bietet und sich in Sachen Action und Spannung durchaus sehenlassen kann. Von mir gibt es 3 von 5 Sternen.
Trailer zur Episode Kevin Jensen der Serie The Blacklist: Redemption (1x02):
Verfasser: Christian SchÀfer am Freitag, 24. Februar 2017The Blacklist: Redemption 1x01 Trailer
(The Blacklist: Redemption 1x01)
Schauspieler in der Episode The Blacklist: Redemption 1x01
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