Big Sky: Review der Pilotepisode

Big Sky: Review der Pilotepisode

Vikings-Star Katheryn Winnick betritt im ABC-Krimi Big Sky die malerische Landschaft von Montana, in der ein Serienkiller sein Unwesen treibt. Das Drehbuch stammt von David E. Kelley, dem Autor von Big Little Lies.

Katheryn Winnick in Big Sky (c) ABC
Katheryn Winnick in Big Sky (c) ABC
© atheryn Winnick in Big Sky (c) ABC

Nur wenige Drehbuchautoren springen so leichtfüßig zwischen anspruchsvollen Kabelserien und massenkompatiblen Networkformaten hin und her wie der elffache Emmypreisträger David E. Kelley (Ally McBeal, Boston Legal). Nach Big Little Lies und The Undoing bei HBO schrieb der Ehemann von Michelle Pfeiffer für ABC nun die neue Krimiserie Big Sky, basierend auf dem Roman „The Highway“ von C. J. Box.

Die Hauptrollen spielen Katheryn Winnick (Vikings) und Ryan Phillippe (Shooter). Ebenfalls im durchaus namhaften Ensemble: Kylie Bunbury (Pitch), Brian Geraghty (Chicago PD), Valerie Mahaffey (Devious Maids), Natalie Alyn Lind (The Gifted) und John Carroll Lynch (American Horror Story). Die kürzlich erschienene Pilotepisode wurde vom schottischen Sherlock-Regisseur Paul McGuigan inszeniert.

Worum geht's?

Die Geschichte beginnt 2020 in Montana. Die Coronavirus-Pandemie wird zwar beiläufig erwähnt, spielt sonst aber keine große Rolle. Eitel Sonnenschein herrscht in dem beschaulichen Handlungsort dennoch höchstens auf den ersten Blick. Die wunderbare Natur, von der die Menschen umringt sind, scheint keine allzu beruhigende Wirkung auf sie zu haben. Das Drama ist schon voll im Gange: Die Expolizistin Jenny Hoyt (Winnick) stürmt wutentbrannt in die Privatdetektei ihres Noch-Ehemannes Cody (Phillippe), da dieser mit seiner Kollegin Cassie (Bunbury) geschlafen hat.

Offenbar kam es zum selben Missverständnis wie einst bei Friends zwischen Ross und Rachel: Er dachte, eine Beziehungspause würde bedeuten, dass er auch mit anderen Frauen schlafen kann, sie hält das für einen schweren Betrug. Ohnehin stellt Kelley die Fantasie der Zuschauer hier schon früh auf eine harte Probe, indem wir uns vorstellen soll, dass es tatsächlich einen Mann gibt, der Katheryn Winnick hintergehen könnte. Das scheint selbst bei einem Hingucker wie Ryan Phillippe extrem unrealistisch. Ein kleiner Glanzpunkt in der Szene ist derweil der Auftritt von Dedee Pfeiffer, die Schwägerin des Serienschöpfers, die als Codys vorlaute Sekretärin Denise mitspielt.

Ryan Phillippe in Big Sky
Ryan Phillippe in Big Sky - © ABC

Ebenfalls direkt am Anfang lernen wir den großen Schurken der Geschichte kennen: Ronald Pergman (Geraghty), hauptberuflich LKW-Fahrer, der privat gern Frauen tötet. Woher das kommt, ist kein Geheimnis: Seine Mutter Helen (Mahaffey) ist der reinste Albtraum. Ständig liegt sie ihrem psychisch gestörten Kind in den Ohren, was für ein Versager er doch sei. Dass auch sie als Möchtegern-Norma-Bates bald dran glauben muss, scheint eine sichere Wette zu sein. Zunächst geht es aber der Prostituierten Jerrie (Jesse James Keitel) an den Kragen. Sowie den zwei Schwestern Danielle (Lind) und Grace (Jade Pettyjohn), die vom Brummi auf der Autobahn abgedrängt werden. Eine schöne Referenz an den unterschätzten Steven-Spielberg-Streifen „Duell“ von 1971...

Durch Danielle schließt sich wiederum der Kreis zu den Protagonisten, denn sie ist die Freundin von Justin (Gage Marsh), dem Sohnemann von Jenny und Cody, die sich dem Fall nun annehmen und dabei ihre persönlichen Probleme nach hinten stellen müssen. In den Ermittlungen ziehen sie zunächst den Autobahnpolizisten Rick Legarski hinzu. Da dieser aber mit dem Vorzeigefernsehbösewicht John Carroll Lynch besetzt wurde, stellt sich der freundliche Mann des Gesetzes rasch als Verräter heraus. Er steckt mit Ronald unter einer Decke, was auch erklärt, dass der Serienkiller so lang unentdeckt blieb.

Fazit

Alles in allem kein schlechter Auftakt für Big Sky bei ABC. Die Krimiserie ist mit Vikings-Star Katheryn Winnick und Co erstklassig besetzt und auch nicht schlecht geschrieben. Wobei sich David E. Kelley beim Skript gern ein bisschen von der Vorlage hätte frei machen können, um den Schurken der Geschichte, Brian Geraghty als Trucker Ronald Pergman, etwas interessanter zu gestalten. Seinesgleichen sah man jedenfalls schon unzählige Male in ähnlichen Serien, sprich einen Psychopathen mit Mutterkomplexen, der deshalb wehrlose Frauen umbringt. Zumal der Regisseur Paul McGuigan die Figur schon viel zu früh ins Scheinwerferlicht zerrt, statt sie mysteriös im Schatten einzuführen. In dieser Hinsicht hätte er vielleicht noch etwas mehr bei Spielberg abschauen sollen...

Ein wenig Sorge bereitet einem aber auch die zwischenmenschliche Grundkonstellation zwischen den beiden weiblichen Heldinnen Jenny (Winnick) und Cassie (Kylie Bunbury). Durch den Streit um Cody (Ryan Phillipe) werden sich die zwei Frauen in den kommenden Folgen vermutlich nur gegenseitig angiften. Da wäre einem eine Serie, wo diese zwei tollen Schauspielerinnen als echtes Badassteam auftreten, doch deutlich lieber. Falls Big Sky inhaltlich am Ende wirklich enttäuscht, bleiben wenigstens noch die schönen Landschaftsaufnahmen. Mit einer ähnlichen Strategie konnte sich zum Beispiel Tin Star ganze drei Staffeln durchmogeln.

Hier abschließend der Trailer zur ABC-Serie Big Sky:

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