The Big Door Prize: Review der Pilotepisode der Apple-TV+-Serie

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Der Kopf hinter der neuen Apple TV+-Serie The Big Door Prize ist David West Read, als Produzent und Autor an der preisgekrönten Serie Schitt's Creek beteiligt. Mit Chris O'Dowd bekommt er einen Hauptdarsteller, dem der Charme des Underdogs in die Wiege gelegt wurde. Nutzen die beiden ihr Potential oder wird die Serie eine Enttäuschung?
Wovon handelt die Serie The Big Door Prize?
In der Kleinstadt Deerfield taucht übers Wochenende eine seltsame, blaue Maschine im kleinen Lebensmittelladen auf. Sie verspricht, dem Nutzer sein wahres Potential zu offenbaren. Dazu muss man sich in die Maschine setzen, zwei Dollar einwerfen und erhält eine kleine, blaue Karte, auf der in vielen Fällen nur ein Wort gedruckt ist. Und zwar die Bezeichnung dessen, was der Nutzer sein könnte, wenn er sein Potential nutzen würde...
Dusty Hubbard (O'Dowd) lernen wir im Kreis seiner Familie kennen. Er wird vierzig Jahre alt und lässt sich von seiner hübschen Frau Cass (Gabrielle Dennis) und seiner klugen Teenagertochter Trina (Djouliet Amara) etwas damit aufziehen. Doch wir lernen schnell, dass in dieser Familie am Ende alle immer auf der richtigen Seite des Witzes landen. Es ist eine harmonische, unterhaltsame Atmosphäre am Frühstückstisch. Als Dusty anschließend in der Schule ankommt, in der er als Geschichtslehrer arbeitet, setzt sich dieser charmante Trend fort. Hier ist ein solides Leben aufgebaut worden, mit genügend scharfsinnigen Beobachtungen und Scherzen, um nicht langweilig zu werden, aber ohne tiefe, dunkle Abgründe.
Doch das alles könnte sich bald ändern... Denn dem beschaulichen Leben in der Kleinstadt steht nun eine Maschine entgegen. Und die will jedem sein wahres Potential offenbaren. Die Menschen von Deerfield scheinen sich darauf zu stürzen, es gibt nur noch ein Gesprächsthema in der Stadt. Ob abends im Restaurant bei Giorgio (Josh Segarra) oder im Klassenraum. Menschen geben ihr Erspartes aus, um sich ein Motorrad zuzulegen. Andere sind davon überzeugt, den Beruf verfehlt zu haben. In der Pilotepisode sehen wir selten die Karte und die dazugehörige Portion. Die Spannung baut sich geschickt auf. Einer, der uns seine Karte offenbart, ist der Ladenbesitzer, der seinen Kunden, die die Maschine untersuchen wollen, Zaubertricks vorführt. Er habe über all die Jahrzehnte seine Zauberbücher aufbewahrt und die Maschine habe ihm gesagt, er könne genau das sein: ein Zauberer.
Dusty selbst wehrt sich gegen den Sog der Maschine, auch wenn sie seine Gedanken vom ersten Moment an fest im Griff hat. Dazu kommen noch weitere seltsame Erlebnisse, die der Geschichtslehrer hat, unter anderem kleine, blaue Punkte auf seinem Körper, von denen er jedoch selbst seiner Frau nichts erzählt...
Am Ende der Pilotepisode kommt es, wie es kommen muss: Dusty setzt sich in die Maschine.
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Wie kommt es rüber?
Will man von dort aus weiterschauen? Angesichts des Charmes und der unterhaltsam-seltsamen Story ist das schwer zu verneinen. Die Serie The Big Door Prize verbreitet eine freundliche Atmosphäre, in der auch Trauriges Platz findet. So erfahren wir, dass viele Figuren, darunter Dustys Tochter, kürzlich vom Tod eines Schülers berührt wurden. Die Welt ist nicht voller Zuckerwatte in Deerfield, aber an der Hand von Chris O'Dowd geht man gerne auch durch die düsteren Momente...
Hier bietet sich leichte Sci-Fi-Unterhaltung mit einem Schuss schwarzen Humor, einem Händchen für Charaktere und einer interessanten Story. Nun sind Serien wie diese dazu veranlagt, vom Ende her beurteilt zu werden. Je mehr wir über die Maschine erfahren, desto mehr kann sich die Meinung ändern. Bis wir am Ende vielleicht eine Antwort bekommen, was hier los ist... Oder eben nicht. Doch das Rätsel des zentralen Mysteriums steht bei „The Big Door Prize“ nicht im Mittelpunkt. Auch wenn die Geschichte hinter Morpho, wie die Maschine sich nennt, Aufmerksamkeit erregen kann, so sind es die Charaktere, wegen denen man wohl eher dranbleibt.
Der Charme der Kleinstadt und ihrer leicht schrulligen und nun zum Teil komplett entfesselten Bewohner entfaltet sich schon in der ersten Folge. Und mittendrin unser Anker, der Lehrer Dusty, selbst oft beobachtend, ein bisschen ein Underdog, aber vollkommen im sozialen Gefüge eingebaut. Er fängt uns mit seiner Skepsis auf und lässt uns auf die Ausraster der anderen fast ein bisschen kritisch runtersehen. Doch, als er selbst aus der Maschine kommt und einen komödiantisch perfekten Schrei loslässt, ist man schon so weit mit ihm in die Sache gegangen, dass es für Dusty und den Zuschauer nur noch einen Weg gibt: frontal in den Wahnsinn und durch.
Angesichts der aufgeladenen Ausgangsfrage - was würde man tun, wenn man sein wahres Potential erfahren würde - bleibt die Serie auf einem seichten Niveau. Die großen Fragen des Seins, darunter, was Glück eigentlich ist, werden angerissen, aber wir gleiten nicht in die Philosophie ab. Mit Dusty und seiner Frau bleiben wir auf einer unterhaltsamen Ebene, die jedoch von der Cleverness des Drehbuchs zeugt. Das ist in sich ein guter Weg und den arbeiten die Serienmacher zum Besten aus. Weniger Black Mirror als mehr Upload. Der Sci-Fi-Aspekt steht nie so richtig im Mittelpunkt, wird aber genügend ausgearbeitet, um glaubhaft zu bleiben.