Das neue Jahr 2014 könnte zum Jahr der Miniserie werden. Den Anfang macht die Spionageserie The Assets bei ABC. Das Drama spielt in der Endphase des Kalten Kriegs, nimmt sich eindeutige Anleihen beim Vorjahreserfolg The Americans von FX und kommt doch nicht an dessen erzählerische Dichte heran.

Sandy Grimes (Jodie Whittaker) wird damit beauftragt, einen der größten Vaterlandsverräter zu schnappen. / (c) ABC
Sandy Grimes (Jodie Whittaker) wird damit beauftragt, einen der größten Vaterlandsverräter zu schnappen. / (c) ABC

Man merkt der Pilotepisode der neuen ABC-Miniserie The Assets schon in den ersten Minuten an, welches Ziel die Autoren verfolgen. Sie wollen eine authentische Spionagegeschichte aus der Zeit des Kalten Krieges erzählen. Das fertige Produkt fühlt sich jedoch an, als sei die Serie tatsächlich in den 80er Jahren produziert worden. Die Etablierung der Charaktere verläuft schablonenhaft, zu viel Zeit wird darauf verwendet, den Plot zu erläutern. Den Kulissen sieht man sofort an, dass sie eben Kulissen sind und vor allem ist dem findigen Serienenthusiasten schon nach wenigen Minuten klar, wofür die Figuren eine ganze Episode brauchen. Dem russischen Geheimdienst KGB ist es nämlich gelungen, einen oder mehrere Spione an neuralgischen Punkten innerhalb der CIA zu positionieren.

We are both spies and I caught you spying

Diese Geschichte wird garniert mit einem Subplot um die Familie der Hauptfigur Sandy Grimes (Jodie Whittaker). Jedoch kommt er so monochromatisch und abgefrühstückt daher, dass mir nach der Pilotepisode wahrlich unersichtlich ist, wo diese Geschichte hinführen könnte, um noch einigermaßen interessant zu werden. Es entsteht der Eindruck, dass sich die Autoren und Produzenten von The Assets eine bewährte Idee nach der anderen einfallen lassen und diese dann zusammenführen. Das Endprodukt gleicht dann jedoch eher einem Flickenteppich aus akzeptablen Einzelelementen. Im Gesamten schafft es My Name Is Aldrich Ames dann leider nicht, bei mir ausreichendes Interesse für eine Weiterverfolgung zu generieren.

Zu Beginn der Pilotepisode läuft Aldrich Ames (Paul Rhys; l.) zu den Russen über. © ABC
Zu Beginn der Pilotepisode läuft Aldrich Ames (Paul Rhys; l.) zu den Russen über. © ABC

Vor allem angesichts der Tatsache, dass es sich hierbei um eine achtteilige Miniserie handelt, ist es doch erstaunlich, wie verschwenderisch mit Spiel- und Erzählzeit umgegangen wird. Aufgeklärten Serienzuschauern muss die Produktionsweise dieser Pilotepisode merkwürdig anachronistisch vorkommen. Die Figuren sehen nicht nur so aus, als kämen sie direkt aus einer 80er Serie, sie sprechen auch so. Sandy Grimes wird als taffe CIA-Agentin porträtiert, die ihre Abteilung beinahe alleine zusammenhält. Für die Auflösung eines einfachen Spionageplots braucht sie dann jedoch die gesamte Episode. Die entscheidenden Informationen bekommt sie ohnehin erst am Ende von einem mysteriösen Trenchcoatträger auf den leeren Rängen einer Basketballarena.

Wer es bis zu dieser Schlussszene noch nicht gemerkt hat, dem geht spätestens dann ein Licht auf: Hier werden alle Klischees verwurstet, die man schon unzählige Male in diversen popkulturellen Verarbeitungen von Spionagegeschichten gesehen hat. Gleichsam werden diverse Hinweise gestreut, die auf den möglichen Maulwurf deuten könnten: Ist es etwa CIA-Agent Aldrich Ames (Paul Rhys), der sich in der Auftaktszene hochnervös mit Wodka Martini volllaufen lässt, um danach in der russischen Botschaft einzumarschieren? Oder will er sich dort nur als Doppelagent anbiedern? Ist es Sandys Ehemann Gary (Julian Ovenden), der zu Hause den verständnisvollen Familienvater gibt und vielleicht eine geheime Agenda verfolgt?

Das Problem an diesen klassischen „Whodunit“-Geschichten ist, dass kundige Zuschauer davon schnell gelangweilt sein können, da sie immer nach dem gleichen Muster verlaufen. Zuerst werden einige falsche Fährten gestreut, diverse Tätertheorien durchgespielt, falsche Anschuldigungen gemacht, bis dann im großen Staffel- und hier auch Serienfinale der wahre Maulwurf geschnappt werden kann. Die genau gleiche Erzählkonstruktion findet sich jeden Sonntag im Tatort wieder. Auch da werden kleinste Erkenntnisdetails mehrmals wiederholt. Es werden beispielsweise sämtliche Charaktere in den ersten fünf Minuten mit Namen angesprochen, damit auch bloß niemand den Anschluss verpasst.

Stop the bleeding

Warum nicht einfach mal eine etwas außergewöhnliche Konstruktion wählen, warum den Zuschauer nicht einmal ins kalte Wasser werfen? Warum die Geschichte nicht einfach einsetzen lassen mit dem Doppelagenten, der gerade versucht, sich aus einer brenzligen Situation zu winden? Natürlich sollte eine Pilotepisode ihre Charaktere etablieren. Dies heißt jedoch nicht, dass gleichzeitig auf jegliche Action verzichtet werden muss. Warum eine Rückblende zu einem Charakter zeigen, der wenige Minuten später ermordet wird und der sowieso nur der Aufhänger für eine viel interessantere Geschichte ist?

Sandy Grimes (Jodie Whittaker) weiß noch nicht; dass sich der Maulwurf in ihrer unmittelbaren Nähe befindet. © ABC
Sandy Grimes (Jodie Whittaker) weiß noch nicht; dass sich der Maulwurf in ihrer unmittelbaren Nähe befindet. © ABC

Der Zweck besagter Rückblende ist eindeutig: Sie soll dem Zuschauer nahebringen, dass Sandy Grimes eine persönliche Verbindung zum aufgeflogenen russischen Doppelspion mit dem Codenamen „GT Weigh“ hatte. Aber warum reicht es nicht aus, Grimes als überzeugte Kämpferin für die nationale Sicherheit zu porträtieren, wie es ihr Ehemann so schön (und klischeebeladen) tut, als er sie aufmuntern will: „Do you know why you do what you do? Because you are a warrior.

Vielleicht liegt das Problem des langsamen Erzähltempos ja darin, dass sich die Autoren zu sehr auf die Buchvorlage „Circle of Treason: A CIA Account of Traitor Aldrich Ames and the Men He Betrayed“ verlassen haben, die übrigens auch schon im Titel trägt, wer der Maulwurf ist. Im Angesicht dieser Tatsache erscheint der Inhalt der Auftaktepisode noch obsoleter und redundanter. Wofür brauchen wir 40 Minuten routinierter Spionageakte, wenn wir sowieso schon wissen, dass die Jagd Aldrich Ames gilt? Die Serie verwandelt sich also von einem „Whodunit“ in ein klassisches Suspensestück nach Hitchcock'scher Manier. Das kann The Assets nur guttun, die Pilotepisode lässt es jedoch in keinem guten Licht erscheinen.

Fazit

Der Plot der Auftaktepisode My Name Is Aldrich Ames lässt sich mühelos in einem Absatz zusammenfassen: In der CIA befindet sich ein Maulwurf, der Zugang zu den geheimsten Informationen und Strategien hat und diese an den russischen Geheimdienst weitergibt. Sandy Grimes wird mit der Jagd dieses Maulwurfs beauftragt, wobei sie von familiären Problemen - vor allem seitens ihrer pubertierenden Tochter - geplagt wird.

Das alles könnte halbwegs interessant sein, wenn dafür in der Pilotepisode die entsprechende Atmosphäre geschaffen worden wäre. Doch eine lieblose Ausstattung, allzu offensichtliche Kulissen und teilweise dürftige schauspielerische Leistungen verhindern dies. Leider kann keine der beiden Hauptfiguren echtes Interesse wecken, was natürlich auch an den wahrlich ausgelutschten Dialogzeilen liegt, die den Darstellern in den Mund gelegt werden.

Hätte die Geschichte ein innovatives Element (wie es beispielsweise in The Americans der Fall war), könnte man großzügig über die genannten Unzulänglichkeiten hinwegsehen. In The Assets sehen wir jedoch nichts, was wir nicht auch schon in „Three Days of the Condor“ oder „Spy Game“ besser gesehen hätten.

Diese Serie passen auch zu «The Assets»